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Rätselhaftes aus dem Estrich

Das Historische und Völkerkundemuseum zügelt einen Teil des Depots. Dabei ist Überraschendes aufgetaucht – eine indonesische Stabfigur, St. Galler Stärkungsmittel oder eine Appenzellerin mit Bart.
Christina Weder
Unter dem Rock der indonesischen Stabfigur verbirgt sich eine alte Flasche mit St. Galler Kraftessenz. (Bild: PD/Historisches und Völkerkundemuseum)

Unter dem Rock der indonesischen Stabfigur verbirgt sich eine alte Flasche mit St. Galler Kraftessenz. (Bild: PD/Historisches und Völkerkundemuseum)

Im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen sind die Mitarbeiter seit Anfang Jahr mit einem Umzug beschäftigt. Sie zügeln einen Teil des Depots vom Museumsestrich in den unterirdischen Kulturgüterschutzraum im Stadtpark, der mit dem Wegzug des Naturmuseums frei geworden ist. Eine aufwendige Angelegenheit, wie Peter Müller sagt, der Provenienzforscher des Museums: «Nicht zu vergleichen mit einem gewöhnlichen Wohnungswechsel.» Denn im Besitz des Museums befinden sich über 70000 Objekte, vom Fingerhut bis zur riesigen Götterfigur. Da fehle der Überblick.

So ist es kein Wunder, dass der Umzug hin und wieder Überraschendes zu Tage fördert: Exponate tauchen auf, die im Laufe der Jahre vergessen gingen oder verloren geglaubt waren. Kürzlich machten die Mitarbeiter einen solch rätselhaften Fund. In einem versteckten Regal entdeckten sie eine Stabfigur aus Indonesien. Ihr diente eine Flasche als Ständer, die einst «Ferrin-Tonica» enthalten hatte. Gemäss Etikett handelt es sich dabei um ein «Stärkungsmittel ersten Ranges», hergestellt in der St. Jakobs-Apotheke in St. Gallen.

Auch 100 Jahre später noch erhältlich

Für Peter Müller ist die Kombination von indonesischer Stabpuppe aus dem Wayang-Puppentheater und St. Galler Stärkungsmittel überraschend und reizvoll zugleich. «Hier treffen St. Galler Stadtgeschichte und altindonesische Volkskultur aufeinander.» Wie lange die Figur auf dem Museumsestrich ein Schattendasein fristete, weiss er nicht. Er vermutet, dass ein früherer Konservator die Puppe auf die Flasche stellte, damit sie in aufrechter Position gelagert werden konnte und nicht einfach herumlag. Eine solch improvisierte Halterung wäre im heutigen Museumsalltag nicht mehr denkbar.

Ob es derselbe Konservator war, der die Flasche leer getrunken hat, darüber kann nur spekuliert werden. Laut Etikett wird das Mittel «bei allen Schwächezuständen empfohlen, die durch geistige oder körperliche Überanstrengung verursacht sind» – zwei bis drei Liqueurgläschen pro Tag. Nachforschungen des Museums ergaben, dass der auf der Flasche erwähnte Anton Bühlmann die St. Jakobs-Apotheke zwischen 1901 und 1925 geführt hatte. Und dass «Ferrin-Tonica» dort noch heute erhältlich ist.

Über die indonesische Stabpuppe fehlte zunächst jede Information. «Irgendwann muss sie aus der Dokumentation herausgefallen sein», sagt Müller. Solche Fälle gebe es in jedem Museumsdepot. Unterdessen ist die Herkunft geklärt. Es handelt sich um eine von zwei Stabpuppen, die 1928 als Schenkung des St. Galler Geologen Edmund Scheibener ins Museum kamen. Dieser hatte zwischen 1920 und 1937 in Indonesien gearbeitet.

Weiteres Rätsel: Appenzellerin mit Bart

Die Stabfiguren und die Flasche lagern nun vorderhand im Schutzraum. Müller hofft, dass sie einen Platz im neuen Asien-Saal erhalten, den das Museum im kommenden Februar eröffnen wird. Er hat die Exponate der dafür zuständigen Kollegin ans Herz gelegt.

Die Stabfigur ist längst nicht das einzige rätselhafte oder kuriose Exponat, das auf dem Estrich aufgetaucht ist. Die Museumsmitarbeiterinnen haben unter anderem das Porträt einer bärtigen Appenzellerin um 1700 gefunden, einen von Stempeln übersäten Reisepass eines St. Galler Kaufmanns um 1800 oder uralte Museumsetiketten, die wie Kunstwerke erscheinen.

Der Umzug der Sammlung in den Kulturgüterschutzraum ist noch längst nicht abgeschlossen. Er wird noch mindestens anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. Müller rechnet damit, dass dabei weitere Überraschungen zu Vorschein kommen.

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