Rassendiskriminierung: Der «Mohrenkopf»-Verkäufer von Rorschach hat einen Strafbefehl erhalten

Für die St.Galler Staatsanwaltschaft steht fest: Imbiss-Unternehmer Markus Heim hat sich der Rassendiskriminierung schuldig gemacht. Dies, weil er in Rorschach als Schwarzer verkleidet Dubler-«Mohrenköpfe» verkaufte. Heim empfindet das Verdikt als «Witz» – und will weitermachen.

Daniel Walt
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Die Aktion des Anstosses: Markus Heim, als Schwarzer verkleidet, verkaufte in Rorschach Dubler-«Mohrenköpfe».

Die Aktion des Anstosses: Markus Heim, als Schwarzer verkleidet, verkaufte in Rorschach Dubler-«Mohrenköpfe».

Bild: pd

Die Aktion schlug hohe Wellen: Im vergangenen Juni verkaufte der St.Galler Imbiss-Unternehmer Markus Heim als Schwarzer verkleidet in Rorschach Dubler-«Mohrenköpfe». Hintergrund der Aktion: Die Migros hatte die Süssspeise kurz zuvor aus dem Sortiment genommen. Dies, weil sich die Herstellerfirma weigert, ihr umstrittenes Produkt umzubenennen. Laut Heim fanden die «Mohrenköpfe» in Rorschach reissenden Absatz: Die 400 Stück seien innert zweier Stunden ausverkauft gewesen.

Weniger Freude an der «Mohrenkopf»-Aktion hatten diverse Kritiker – so beispielsweise die Heks-Beratungsstelle gegen Rassismus, welche sie als «unnötig provokativ und als verletzend für einen Teil unserer Gesellschaft» beurteilte. Die St.Galler Staatsanwaltschaft ihrerseits prüfte in der Folge die rechtliche Situation, zumal Rassismus ein Offizialdelikt ist. Nun liegt ihr Verdikt vor: Markus Heim hat wegen Rassendiskriminierung einen Strafbefehl erhalten.

So argumentiert die Staatsanwaltschaft

In ihrem Strafbefehl schreibt die St.Galler Staatsanwaltschaft, im Zuge der Tötung des Afroamerikaners George Floyd vom 25. Mai 2020 sei die Rassismusdebatte auch in der Schweiz wieder entfacht worden. In diesem Zusammenhang sei intensiv diskutiert worden, ob der Süssigkeiten-Name «Mohrenkopf» rassistisch sei. Nachdem die «Mohrenköpfe» der Firma Dubler einige Tage zuvor bei den grossen Detailhändlern aus rassistischen Gründen aus dem Sortiment gestrichen worden seien, habe Markus Heim mit seinem Verkaufsstand und der Verkleidung, die die Verbindung von «Mohr» und «Mohrenkopf» zeigen sollte, Aufmerksamkeit generieren und das Produkt der Firma Dubler promoten wollen. Weiter schreibt die Staatsanwaltschaft:

«Mit der vorgenannten Verkleidung in Kombination mit dem bereits intensiv in der Rassismusdebatte besprochenen Produkt musste Markus Heim jedoch damit rechnen, beim Erscheinen in der Öffentlichkeit mit seiner derart gestalteten Verkleidung und dem Verkauf dieser Süssigkeiten dunkelhäutige Menschen zu diskriminieren und zu beleidigen.»

Er habe dies zumindest in Kauf genommen, so die Staatsanwaltschaft weiter. Heim hat deshalb eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Franken, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, kassiert.

«Man will den Begriff ‹Mohrenkopf› einfach weghaben»

«Mohrenkopf»-Verkäufer Markus Heim ungeschminkt.

«Mohrenkopf»-Verkäufer Markus Heim ungeschminkt.

Bild: Daniel Walt

Markus Heim empfindet das Verdikt der St.Galler Staatsanwaltschaft als «an den Haaren herbeigezogen» und einen «Witz», wie er gegenüber dem «Tagblatt» sagt. Er hält fest:

«Es geht ganz klar um eine Agenda: Man will den Begriff ‹Mohrenkopf› einfach weghaben.»

Bei der Befragung habe der Staatsanwalt genau wissen wollen, welches die Motivation für seine Aktion gewesen sei und ob er alle Kunden bedient habe, so Heim. Er sei auch gefragt worden, ob ihm die Hintergründe des Streits um die Dubler-«Mohrenköpfe» – der Tod des US-Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis – bekannt gewesen seien. Er habe daraufhin zurückgefragt, was ein «Mohrenkopf» mit dem zu tun habe, was in Amerika passiert sei, so Heim.

«Keine Lust, mich weiter herumzuärgern»

Nach der Befragung habe er bereits damit gerechnet, dass er einen Strafbefehl erhalten werde, so Markus Heim weiter. Dass er ihn an die nächste Instanz weiterzieht, schliesst er zum jetzigen Zeitpunkt aus:

«Ich habe keine Lust, mich weiter herumzuärgern. Die Angelegenheit ist doch sonnenklar. Das Gericht würde sowieso im Sinne der Staatsanwaltschaft entscheiden. Das ist der gleiche Verein, nur anders angeschrieben.»

Fest steht für Markus Heim allerdings, dass er weiterhin «Mohrenkopf»-Verkäufe durchführen wird – in welcher Art auch immer. Gerade am Sonntag fand eine weitere Aktion in Eschlikon statt – Heim malte dort sein Gesicht allerdings weiss an:

Bild: pd