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300 Millionen Liter Benzin, Diesel und Heizöl: In Häggenschwil steht eines der grössten Tanklager der Schweiz

In Häggenschwil steht ein imposantes Tanklager. Es wird von der Osterwalder St.Gallen AG betrieben. Sie verkauft pro Jahr 200 Millionen Liter Diesel, Benzin und Heizöl – und setzt nun auf Wasserstoff.
Daniel Wirth
Die 33 Stehtanks auf Häggenschwiler Gemeindegebiet fassen knapp 300 Millionen Liter Benzin, Diesel und Heizöl. (Bilder: Hanspeter Schiess (5. Februar 2019)

Die 33 Stehtanks auf Häggenschwiler Gemeindegebiet fassen knapp 300 Millionen Liter Benzin, Diesel und Heizöl. (Bilder: Hanspeter Schiess (5. Februar 2019)

Die S8 fährt von Roggwil-Berg herkommend langsam Richtung Häggenschwil-Winden. Kurz vor der Bahnhofeinfahrt ragt eine Zweierkolonne grauer und weisser Stahltanks in den Himmel. Die Fahrt an ihr vorbei scheint nicht enden zu wollen: Tank, Tank, Tank, Tank, Tank. Einer nach dem anderen. 25 Meter hoch, 22 Meter Durchmesser.

Das Tanklager gehört der Osterwalder St. Gallen AG. Das Familienunternehmen wurde 1855 in der Stadt St. Gallen als Kolonialwarengeschäft gegründet. Später kam der Handel mit Treib- und Brennstoffen hinzu. Die Gesellschaft, die 1928 Gründungsmitglied der Avia-Vereinigung war, wird heute in der sechsten Generation von CEO Thomas Osterwalder geführt. Das Tanklager an der Bahnlinie Romanshorn-St. Gallen wurde zwischen 1963 und 1975 erstellt.

«Die 33 Stehtanks haben eine Kapazität von 300 Millionen Litern Benzin, Diesel und Heizöl», sagt Thomas Osterwalder. Damit gehört das Tanklager, das sich grösstenteils auf Häggenschwiler Gemeindegebiet und zu einem kleineren Teil auf Gebiet der Gemeinde Roggwil im Thurgau befindet, zu den grösseren Tanklagern der Schweiz, wie Martin Rahn, Technischer Leiter der Carbura, sagt.

Drei Männer wachen über 300 Millionen Liter

Thomas Osterwalder CEO Osterwalder St. Gallen AG

Thomas Osterwalder
CEO Osterwalder St. Gallen AG

Die Carbura ist die Schweizerische Pflichtlagerorganisation für flüssige Treib- und Brennstoffe (siehe Zweittext). «Rund zwei Drittel der Mineralölstoffe in Häggenschwil sind Pflichtlager», sagt Osterwalder. Etwa die gleiche Menge, rund 200000 Kubikmeter Brenn- und Treibstoffe, setzt die Osterwalder AG im Jahr ab, grösstenteils in der Ostschweiz und über ihre mittlerweile rund 100 Tankstellen. Die Osterwalder AG beschäftigt gemäss eigenen Angaben derzeit 95 Mitarbeitende. Gerade einmal drei von ihnen überwachen den Umschlag des Benzins und Öls in Häggenschwil. Vieles geschieht automatisiert, die Revision der 33 Tanks wird outgesourct.

Für die Landesversorgung

Die Carbura wurde 1932 als Selbsthilfe-Organisation der Importeure flüssiger Treib- und Brennstoffe zum Zweck der Pflichtlagerhaltung gegründet. Sie ist ein Verein, dessen Statuten vom Bund genehmigt werden und welcher der Oberaufsicht durch das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung untersteht. Mitglieder der Carbura sind alle Importeure von Erdölprodukten mit Einfuhren von mehr als 3000 Kubikmetern pro Jahr, sowie stellvertretende oder gemeinsame Pflichtlagerhalter von Mineralölprodukten, welche mit dem Bund einen entsprechenden Pflichtlagervertrag abgeschlossen haben. Die Finanzierung der Pflichtlagerhaltung erfolgt privatwirtschaftlich. Pflichtlager bezwecken die Vorratshaltung lebensnotwendiger Güter zur Überbrückung von Versorgungskrisen. Mineralöl-Pflichtlager gibt es für Benzin, Diesel, Heizöl und Flugpetrol. Die Pflichtlager decken bei den ersten drei Produkten einen Bedarf von viereinhalb Monaten, beim Flugpetrol einen von drei Monaten ab. (dwi)

Angeliefert werden die flüssigen Brenn- und Treibstoffe auf der Schiene, sagt Osterwalder.

«Jede Woche kommt ein Zug mit 20 Kesselwagen.»

Das Entladen des Zugs dauert einen ganzen Tag. Die Züge fahren von den Rheinhäfen in Basel nach Häggenschwil-Winden. Nach Basel gelangen Öl und Benzin über den Rhein. Aber nicht immer gleich viel: Im vergangenen Sommer konnten die Tankschiffe, die zwischen Rotterdam und Basel verkehren, wegen Niedrigwassers nicht voll beladen werden und gegen Ende des Jahres zeitweise gar nicht mehr fahren. Es gab in der Schweiz einen Engpass, insbesondere beim Diesel. Und genau aus diesem Grund legen die Importeure im Auftrag des Bundesamts für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) und in enger Zusammenarbeit mit der Carbura Pflichtlager an. Diese wurden im vergangenen Spätherbst beim Diesel, Benzin und Flugpetrol vom Bundesamt freigegeben.

Die Carbura geht in ihrem Bericht über das Jahr 2017 auf die Tankkapazitäten der Schweiz ein. Die grösste Tankkapazität aller Kantone hat St. Gallen mit 912262 Kubikmetern, was mehr als zehn Prozent der Kapazität der Schweiz gleichkommt.

Von den Rheinhäfen in Basel wird das Mineralöl mit der Bahn nach Häggenschwil transportiert, verteilt wird es dann mit Lastwagen.

Von den Rheinhäfen in Basel wird das Mineralöl mit der Bahn nach Häggenschwil transportiert, verteilt wird es dann mit Lastwagen.

Bahnanschluss ist Pflicht für ein Pflichtlager

Das Tanklager in Häggenschwil sei abgesehen von seiner Dimension, die das Dreifache eines durchschnittlichen ausmacht, ein typisches Schweizer Tanklager, sagt Rahn. Der Bahnanschluss entspreche dem Standard für ein Tanklager mit Pflichtlagern des Bundes. Diese unterstehen der Störfallverordnung des Bundes. Entsprechend hoch seien die Sicherheitsstandards, sagt der Technische Leiter der Carbura.

Die Osterwalder St. Gallen AG handelt mit fossilen Brennstoffen. Wie reagiert sie auf den Trend hin zu erneuerbarer Energie? «Wir befassen uns intensiv mit dem Thema Wasserstoff», sagt Thomas Osterwalder. Er sehe in dieser Technologie eine Ergänzung zu fossilen Energieträgern. «Wir werden unser Tankstellennetz mit Wasserstoff-Zapfsäulen ergänzen und ausbauen.» Kunden und Partnern werde so ein nachhaltiges, erneuerbares und vor allem wirtschaftliches Tankkonzept angeboten, sagt der CEO des 164 Jahre alten Unternehmens.

Er sehe auch Chancen über den Energieträger Wasserstoff im stationären Bereich, um langfristig das Heizöl durch die Brennstoffzelle zu ergänzen. Der Kunde kaufe dann nicht mehr Öl von der Avia Osterwalder AG, um sein Haus zu heizen, sondern Wasserstoff.

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