Wuchtiges Ja im dritten Anlauf: Stimmvolk nimmt Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl in St.Gallen an

Im dritten Anlauf hat das Stimmvolk der Neugestaltung von Marktplatz und Bohl deutlich zugestimmt. Die Baudirektorin Maria Pappa ist erleichtert.

Luca Ghiselli
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Die Vorlage sieht eine Neugestaltung von Marktplatz und Bohl vor.

Die Vorlage sieht eine Neugestaltung von Marktplatz und Bohl vor.

Visualisierung: PD

Die Erleichterung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Kurz nach 13:30 Uhr war klar: Baudirektorin Maria Pappa hatte den ersten Sieg des Tages eingefahren. Im dritten Anlauf hat es geklappt, das Stadtsanktgaller Stimmvolk hat der Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl über einen Rahmenkredit von 29,1 Millionen Franken zugestimmt.

Das Resultat fiel deutlich aus. 16'642 Ja-Stimmen stehen 8'801 Nein-Stimmen gegenüber. «Die Freude ist gross», sagte Pappa vor etwa einem Dutzend Medienvertretern. Das deutliche Ja sei ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung dem Projekt vertraut. Und auch der abtretende Stadtpräsident Thomas Scheitlin freute sich über das Ja zum neuen Marktplatz. Die beiden Abstimmungsniederlagen 2011 und 2015 seien Tiefpunkte seiner Amtszeit gewesen. Dass es nun doch noch geklappt habe, sei erfreulich.

Vor neun beziehungsweise fünf Jahren setzte es für den Stadtrat in genau dieser Frage noch empfindliche Niederlagen ab. Deshalb entschied er sich im dritten Anlauf, auf Partizipation zu setzen. An Foren konnten sich Interessensgruppen einbringen, die Synthese daraus ist ein leer geräumter, offener Platz. Ohne Rondelle, dafür mit zwei Marktpavillons. Die ÖV-Haltestelle stadteinwärts wird verschoben und behindertengerecht umgebaut, die Calatravahalle bleibt.

Baudirektorin Maria Pappa und Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe, geben am Sonntag Auskunft zum Ausgang der Sachabstimmungen.

Baudirektorin Maria Pappa und Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe, geben am Sonntag Auskunft zum Ausgang der Sachabstimmungen.

Michel Canonica

Pappa rechnete mit knapperem Resultat

Im Gespräch zeigte sich Maria Pappa über das Abstimmungsresultat hocherfreut. In den letzten Wochen und Monaten hätte sie nicht mehr mit einem solch deutlichen Ergebnis gerechnet.

«Mit Corona und den Sparmassnahmen kam verstärkt die Frage auf, ob sich die Stadt das leisten könne.»

Ausserdem seien mit städtischen Wahlen und eidgenössischen Abstimmungen andere Themen stärker im Fokus gestanden. Die Kritik der Gegner, wonach die Kosten zu hoch und der Mehrwert zu gering seien, nehme sie ernst, sagt Pappa. «Wir müssen jetzt darauf achten, die einberechnete Reserve von 25 Prozent gar nicht oder nur minim zu brauchen.»

Das klare Ja zur Neugestaltung führt Pappa nicht zuletzt auf den partizipativen Ansatz zurück. «Hätten wir völlig an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbeigeplant, wäre das schon in den Foren klar geworden.» Partizipation sei zwar kein Allheilmittel. Aber:

«An einem solch zentralen Platz, wo so viele teils konträre Interessen aufeinanderprallen, hat sie sich als der richtige Ansatz herausgestellt.»

Dass das Resultat so deutlich ausfiel, erleichtere ihr die künftige Arbeit. Und die geht der Baudirektorin am Marktplatz auch in den kommenden Jahren nicht aus. «Jetzt beginnt die eigentliche Knochenarbeit.» Bald starte die Projektierung. Läuft alles nach Plan, dürften die Bauarbeiten für die Neugestaltung 2023 starten und Ende 2024 abgeschlossen sein. «Ich freue mich jetzt schon auf das Eröffnungsfest», sagte Pappa.

Gegner wollen Stadtrat beim Wort nehmen

Donat Kuratli, Stadtparteipräsident der SVP, setzte sich im Abstimmungskampf für ein Nein zur Vorlage ein. Nach Bekanntgabe der Resultate sagte er: «Es ist wichtig, dass wir über die Pläne diskutiert haben.» Das deutliche Ja führt Kuratli unter anderem darauf zurück, dass es sich um die dritte Vorlage zum Marktplatz handelte. «Das Volk hatte genug davon.» Man werde dem Stadtrat während der Projektierung genau auf die Finger schauen – sei es bezüglich der Reserve von 25 Prozent oder der Kosten für die Werkleitungen unter dem Boden.

«Der Stadtrat hat Versprechungen gemacht. Jetzt sehen wir zu, dass er sie auch einhält.»
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