Quartiervereine zwischen Stuhl und Bank: Die Mitgliederversammlung muss durchgeführt werden, doch wegen Corona ist das nicht möglich

Wegen Corona sagen viele Quartiervereine ihre Mitgliederversammlung ab. Dabei stehen bei einigen Ersatzwahlen an.

Marlen Hämmerli
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Die Stühle bleiben leer: Einige Quartiervereine haben die Mitgliederversammlung schon früh abgesagt.

Die Stühle bleiben leer: Einige Quartiervereine haben die Mitgliederversammlung schon früh abgesagt.

Bild: Getty

Der Quartierverein St.Otmar hat Glück gehabt. Ende Februar hat er seine Mitgliederversammlung durchgeführt – zwei Wochen, bevor der Bundesrat die ersten Massnahmen gegen das Coronavirus erliess. Ein Grossteil der Quartiervereine sieht sich gezwungen, die Mitgliederversammlung zu verschieben oder anderweitig durchzuführen.

Besonders früh reagiert der Quartierverein St.Fiden-Neudorf. Am 5. März spricht sich der Vorstand ab. Zu diesem Zeitpunkt gilt die besondere Lage. Der Bund hat Anlässe mit über 1000 Personen verboten. Man ahnt: Da kommt etwas auf die Schweiz zu.

Deshalb beschliesst der Vorstand nur vier Tage vor der Hauptversammlung, die rund 2500 Mitglieder brieflich abstimmen zu lassen – obwohl zur Mitgliederversammlung laut Vereinspräsident Bruno Stalder jeweils nur um die 250 Personen kommen. Doch etwa vier von fünf Mitgliedern sind über 65 Jahre alt und gehören damit zur Risikogruppe – wie bei praktisch allen Quartiervereinen. «Da war es das Gescheiteste, die Versammlung abzusagen.»

Eine Verschiebung kam für den Quartierverein laut Stalder nicht in Frage, weil das Ende der Coronakrise nicht absehbar und es schwierig ist, kurzfristig einen genügend grossen Saal zu finden. Ausserdem standen keine wichtigen Traktanden an, die eine Diskussion erfordert hätten.

In der Lachen finden es einige schade, andere begrüssen den Entscheid

Auch der Quartierverein Lachen hat früh entschieden. Mitte März verschickte er die Unterlagen zur Hauptversammlung per Post. So konnten die rund 320 Mitglieder brieflich abstimmen, denn viele von ihnen gehören zur Risikogruppe. Eine Verschiebung der Versammlung vom 2. April stand laut Vereinspräsident Pius Jud wegen des dicht gedrängten Vereinsjahrs nicht zur Debatte. Einige Mitglieder hätten die Absage zwar bedauert, andere hingegen den frühen Entscheid begrüsst.

Noch pragmatischer ist der Quartierverein Südost vorgegangen. Der Vorstand hat den rund 300 Mitgliedern alle Unterlagen – etwa Jahresrechnung und Jahresbericht – brieflich zugestellt. Wer nicht einverstanden war, musste sich bis Ende März melden. Ansonsten wurde eine stille Zustimmung angenommen. «Wenn ein wichtiges Traktandum angestanden wäre, hätten wir uns eine Verschiebung überlegt», sagt Vereinspräsidentin Alexandra Akeret. Nun hofft der Verein, wenigstens das Quartierfest durchführen zu können.

In Bruggen stehen schriftliche Wahlen zur Diskussion

Die Mitglieder des Einwohnervereins Bruggen (EVB) werden sich dieses Jahr wahrscheinlich ebenfalls nicht zu einer Mitgliederversammlung treffen können. Der Vorstand hat die Versammlung vom 24. April abgesagt und diskutiert nun, ob er sie verschiebt oder die Abstimmungen und Wahlen schriftlich durchführt. «Eine Versammlung im November ergibt wenig Sinn, wenn wir uns im April darauf gleich wieder treffen. Den administrativen Aufwand darf man auch nicht vernachlässigen», sagt Vereinspräsident Stevan Dronjak.

Die Verordnung des Bundesrats zum Coronavirus ermöglicht es Vereinen, brieflich oder elektronisch abzustimmen. Ausserdem hebelt die Verordnung Artikel 66 des Zivilgesetzbuches aus: Es ist nicht mehr nötig, dass bei einem schriftlichen Beschluss alle Mitglieder teilnehmen und einstimmig entscheiden. «Es genügt, wenn sie dem Vorstand via Videokonferenz zuhören und dann elektronisch abstimmen», sagt HSG-Professor Roland Müller, der auf Vereinsrecht spezialisiert ist. «Zusätzlich empfehle ich aber, die Möglichkeit einzuräumen, Fragen via Chat zu stellen.»

Eigentlich steht im EVB eine Ersatzwahl an. Doch was, wenn die Versammlung ersatzlos auffallen müsste? «Dann werden wir schriftlich kommunizieren, wer sich zur Verfügung stellt. Gäbe es Gegenstimmen zur Wahl, würden wir diese mitteilen», sagt Dronjak.

Designierte Vorstandsmitglieder arbeiten in Winkeln trotzdem mit

In Winkeln müssen ein Vize-Präsident und eine Beisitzerin gewählt werden. Der Vorstand plant, die Versammlung Ende September oder Anfang Oktober nachzuholen. «Der gesellschaftliche Teil ist uns wichtig, darum wollen wir die Mitglieder nicht brieflich entscheiden lassen», sagt Marco Rutz, der derzeit noch Co-Präsident ist und den Verein künftig alleine leitet. Die neuen, designierten Vorstandsmitglieder werden bis Herbst inoffiziell mitarbeiten.

Der Quartierverein Nordost-Heiligkreuz ist «auf standby», wie es Präsident Markus Morger formuliert. «Es ergibt keinen Sinn, etwas zu planen.» Die Versammlung soll dieses Jahr aber noch stattfinden.

Neben dem Quartierverein St.Otmar hatte auch der Quartierverein Gallusplatz Glück. Der Vorstand hat die Einladungen noch nicht verschickt und die Statuten schreiben keine Durchführung im Frühling vor. Aus diesen Gründen konnte der Vorstand die Versammlung unbürokratisch auf den Herbst verschieben. Auf einen Zeitpunkt, wenn sich die rund 150 Mitglieder hoffentlich wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen können.