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Wenn Herz gegen Verstand spielt: Wem eine St.Galler Costa-Ricanerin an der WM die Daumen drückt

Nur sieben Personen aus Costa Rica wohnen in der Stadt St.Gallen. Maria Elena Känel Alvarado ist eine davon. Seit fast 30 Jahren lebt sie hier, ihre Heimat trägt sie trotzdem im Herzen. Vor allem, wenn «Los Ticos» spielen.
Luca Ghiselli
Cattleya, Tracht und beide Fahnen: Maria Elena Känel Alvarado ist bereit für das Spiel heute Abend. (Bild: Ralph Ribi)

Cattleya, Tracht und beide Fahnen: Maria Elena Känel Alvarado ist bereit für das Spiel heute Abend. (Bild: Ralph Ribi)

Sie hat den Jetlag noch nicht ganz überwunden. Maria Elena Känel Alvarado ist erst vor wenigen Tagen aus der costa-ricanischen Hauptstadt San José zurückgekehrt. Dort hat sie mit Familie, Freunden und Ehemann Hans-Peter ihren 60. Geburtstag gefeiert. «Es waren über 100 Leute da. Und wir haben die ganze Zeit getanzt und gesungen», sagt die Costa-Ricanerin. «Pura vida» eben, reine Lebensfreude, ohne je auf die Uhr zu schauen.

Zwei Monate lang war sie in ihrer Heimat, doch im Wohnzimmer zu Hause im St. Galler Röteli-Quartier ist die WM-Stimmung trotzdem schon eingekehrt. Ein Mannequin in costa-ricanischer Tracht steht in der Ecke, die Nationalblume, eine Cattleya-Orchidee, blüht prächtig. Und sowohl die Schweizer als auch die costa-ricanische Flagge darf im Haushalt nicht fehlen.

Manchmal fehlt ihr das Spontane

Im Januar 1989 kam Maria Elena Känel Alvarado in die Schweiz. «Der Liebe wegen», sagt sie. Ihren Schweizer Ehemann hatte sie einige Jahre zuvor am Strand in Puntarenas, einer kleinen Hafenstadt an der Pazifikküste des mittelamerikanischen Landes, kennen gelernt. Viele Briefe und teure Telefonate später schliesslich kam sie nach St. Gallen, etwas mehr als zwei Jahre danach kam ihr Sohn zur Welt, später folgte noch eine Tochter. Aufgewachsen ist die Costa-Ricanerin mit ihren zehn Geschwistern in der Hauptstadt San José. Manchmal fehle ihr in der Schweiz das Unkomplizierte, Lockere, Spontane. «Hier sind alle sehr nett, aber auch viel formeller.» Ihr falle es manchmal schwer, sich komplett frei zu fühlen. «Sobald ich jeweils in Costa Rica lande, fühle ich mich unbeschwert.»

Und doch gefällt es Känel Alvarado gut in St. Gallen. Sie gehe gerne im Wildpark Peter und Paul oder auf Drei Weieren spazieren, längere Wanderungen im Alpstein liegen seit einer Beinoperation nicht mehr drin. «Costa Rica wird ja auch oft als Schweiz Zentralamerikas bezeichnet», sagt sie. Hauptsächlich, weil der kleine Staat keine Armee hat – und weil es ein politisch stabiles, demokratisches Land sei. Oft trifft sich die Hausfrau mit Freundinnen, die ebenfalls aus Lateinamerika stammen. Auch ihre Verwandten kommen immer mal wieder nach St. Gallen zu Besuch. «Sie lieben die St. Galler Bratwurst, und essen sie natürlich ohne Senf», sagt Känel Alvarado.

«Ich bin zu 100 Prozent Costa-Ricanerin», sagt Känel Alvarado und lacht. Das äussere sich überall im Alltag, besonders aber, wenn «Los Ticos» – so wird die costa-ricanische Nationalmannschaft liebevoll genannt – auf dem Rasen steht. «Mein Mann mochte es am Anfang gar nicht, mit mir Fussball zu schauen», sagt sie. Denn wenn sie ihre Elf anfeuert, wird es laut. «Einmal ist sogar die Nachbarin aufgewacht.» Eigentlich wäre die Frage, wem Känel Alvarado morgen Abend beim Spiel Schweiz gegen Costa Rica die Daumen drückt, also klar.

Die Schweizer brauchen die Punkte dringender

Wäre da nicht die spezielle Ausgangslage vor dem letzten Gruppenspiel: Denn «Los Ticos» sind bereits ausgeschieden, die Schweiz braucht den Sieg, um sicher in die Achtelfinals einzuziehen. «Das Herz kennt Gründe, die der Verstand nicht kennt», zitiert sie den französischen Mathematiker Blaise Pascal. Doch diesmal müsse eben der Verstand siegen. «Es wäre zwar schön, wenn die Costa-Ricaner sich mit einem Sieg aus dem Turnier verabschieden würden», sagt sie. Doch die Schweiz brauche die drei Punkte eben mehr – und Känel Alvarado würde sie der Schweizer Mannschaft auch gönnen – von Herzen.

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