Endoskopie-Eingriff im Untergrund der St.Galler Innenstadt: Punktlandung beim Marktplatz

Die Stadtwerke legen zwischen Museumsquartier und Marktplatz eine neue Gasleitung ein. Für einmal ohne Aufreissen von Trottoirs.

Daniel Wirth
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Arbeiter begutachten die Baugruppe beim "Scala" und besprechen, wie die Arbeiten im Untergrund fortgesetzt werden. (Bild: Daniel Wirth)

Arbeiter begutachten die Baugruppe beim "Scala" und besprechen, wie die Arbeiten im Untergrund fortgesetzt werden. (Bild: Daniel Wirth)

Vor dem Kino Scala am Marktplatz klaffte am Dienstagmittag eine Baugrube. Diese lockte im Minutentakt Passanten an, die hineinschauten und sich fragten: «Was ist denn hier passiert?» Eine lecke Wasserleitung vielleicht? Die Erweiterung des Fernwärmenetzes ostwärts? Weder noch. Aber was dann?

Neben dem Loch im Asphalt lagen verrostete Gasleitungen. Zwei Arbeiter sicherten die Baugrube. In einer Tiefe von rund zwei Metern schaut ein Bohrkopf aus einem Rohr mit rund 15 Zentimeter Durchmesser. «Das war eine Punktlandung», sagt ein Arbeiter einer Spezialfirma für gesteuerte Bohrungen.

Das Unternehmen war von den St. Galler Stadtwerken (sgsw) beauftragt worden, von der Kreuzung Museums-/Blumenaustrasse auf der anderen Seite des Unteren Brühls auf einer Länge von 350 Metern ein Loch zum Marktplatz zu bohren.

Gasleitung wird ersetzt

Der Grund: Die Stadtwerke ersetzen eine Gasleitung, um den Druck im Gasnetz von heute einem auf fünf bar zu erhöhen. «Mit der Druckerhöhung können wir im Gasnetz eine höhere Flexibilität beim Transport und eine Verbesserung der Versorgungssicherheit gewährleisten», sagt Marcel Steiger, Bereichsleiter «Netz Gas und Wasser» bei den Stadtwerken.

Die Bohrarbeiten begannen vor sieben Wochen und sie dauern noch drei Wochen. Für diese Art des Leitungsbaus entschieden sich die Fachleute um Steiger wegen der engen Verhältnisse in der Altstadt und des hohen Verkehrsaufkommens. Die Bohrung war gemäss Marcel Steiger keine einfache Übung.

Leitung unter der
Brühltor-Unterführung

Der Bohrkopf frass sich nicht horizontal und fadengerade durchs Erdreich. Zum Teil habe bis 30 Meter tief gebohrt werden müssen. Steiger nennt die Brühltor-Unterführung als grösstes Hindernis. «Man stelle sich vor, wir hätten dort Gräben aufreissen müssen», sagt er. Das hätte Steiger auch von der stark befahrenen Torstrasse sagen können. Mit der 350-Meter-Bohrung haben die Beeinträchtigungen auf Geh- und Verkehrswegen auf ein Minimum reduziert werden können.

Einzig an der Museumsstrasse und beim Marktplatz mussten zwei Baugruben geöffnet werden, um die neue Gasleitung an die bestehenden anzuschliessen. Zuerst stossen die Mitarbeiter der Stadtwerke ein Rohr von 60 Zentimeter Durchmesser durchs Erdreich. Die eigentliche Gasleitung hat einen Durchmesser von 40 Zentimeter. Der Zwischenraum wird überwacht, um allfällige Lecks an der Gasleitung feststellen zu können. Zudem schützt das äussere Rohr die Gasleitung vor mechanischen Einwirkungen.