Psychische Gesundheit
«In der dunklen Jahreszeit kommen mehr Anfragen»: In Rorschach gibt es neu eine Selbsthilfegruppe Depression

In der Region Rorschach besteht Nachfrage für Treffen unter Betroffenen von Depression. Diese finden unter strikten Schutzkonzepten statt, können den Personen aber helfen, trotz Krankheit wieder mehr Lebensqualität zu erhalten.

Jolanda Riedener
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Die Selbsthilfegruppe Depression trifft sich in den Räumen der Pro Senectute Rorschach und Unterrheintal im ersten Stock an der Reitbahnstrasse 2.

Die Selbsthilfegruppe Depression trifft sich in den Räumen der Pro Senectute Rorschach und Unterrheintal im ersten Stock an der Reitbahnstrasse 2.

Bild: Jolanda Riedener (Rorschach, 9.12.2020)

Als aussenstehende Person weiss man oft nicht, was es bedeutet, an einer Depression zu leiden. Betroffene hingegen verstehen, was in den Erkrankten vorgeht. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe hilft dabei, die eigene Krankheit besser zu verstehen und zu akzeptieren. «Man weiss, dass man nicht allein ist. Schon diese Entlastung führt bereits zu einer Verbesserung des seelischen Wohlbefindens und zu mehr Lebensqualität im Alltag», sagt Sabrina Marchetti, Mitarbeiterin der Selbsthilfe St.Gallen und Appenzell.

Sabrina Marchetti, Selbsthilfe St.Gallen und Appenzell.

Sabrina Marchetti, Selbsthilfe St.Gallen und Appenzell.

Bild: PD

Sie unterstützt Selbsthilfegruppen im Aufbau. Vergangene Woche fand ein erstes Informationstreffen für eine Selbsthilfegruppe Depression in Rorschach statt. Zur Lancierung in Rorschach ist es auf Initiative von mehreren Personen gekommen: «Der Wunsch für die Gründung einer Selbsthilfegruppe kommt immer von aussen», sagt Marchetti.

In Rorschach gab es bisher noch keine Selbsthilfegruppe für Depressionsbetroffene. Daher wurde mit den relevanten Fachstellen die Zusammenarbeit gepflegt und das Angebot bekannt gemacht.

Jede Gruppe gestaltet die Treffen selbst

Die Treffen finden in den Räumen der Pro Senectute Rorschach und Unterrheintal statt, im ersten Stock an der Reitbahnstrasse 2. Bei den ersten Zusammenkünften gehe es vor allem darum, allgemeine Fragen zu klären. Etwa, was eine Selbsthilfegruppe leisten kann und welche Bedürfnisse und Erwartungen die Beteiligten haben.

Laut Marchetti sollen die Betroffenen herausfinden, ob die Gruppe die richtige Hilfestellung für sie ist. Auch, wie oft und wann die Treffen stattfinden oder wie der Ablauf aussehen soll, entscheiden die Teilnehmenden miteinander. Sie sagt:

«Wir sind nur zu Beginn unterstützend dabei und helfen beim Aufbau und der Struktur.»

Wenn es um den Austausch unter den Betroffenen geht, hält sich die Sozialarbeiterin zurück.

Fixpunkte helfen den Betroffenen über coronabedingte Vereinsamung

Die Räume in Rorschach sind gross. Ein Schutzkonzept mit Abstandhalten ist wichtig und es gilt Maskenpflicht. Ausserdem brauche es wegen Corona An- und Abmeldungen der Teilnehmenden. Dass sich die Betroffenen in der Selbsthilfegruppe dennoch persönlich treffen können, sei wichtig. Sabrina Marchetti sagt:

«Die coronabedingte Vereinsamung und die fehlenden sozialen Kontakte können den Gemütszustand zusätzlich belasten.»

Trotz reduzierter sozialer Kontakte erhalte man so wieder etwas Menschlichkeit zurück. Gerade in der jetzigen Zeit, wo allenfalls andere Aktivitäten wie Fitnesskurse oder Chorproben nicht mehr stattfinden können, sei es wichtig, Fixpunkte zu haben. «Eine Selbsthilfegruppe bietet Halt in schwierigen Lebenssituationen», sagt Marchetti.

Während der Pandemie kommunizieren Selbsthilfegruppen ganz unterschiedlich. So gebe es laut Sabrina Marchetti Risikopatienten, die sich seit Wochen nicht mehr getroffen haben. Andere treffen sich in grösseren Räumen oder draussen bei einem Spaziergang. Virtuelle Möglichkeiten werden weniger genutzt. «Jede Gruppe findet ihren Weg», sagt sie.

Wintermonate drücken auf die Psyche

Gerade in den Wintermonaten ist die Krankheit Depression präsent. Sabrina Marchetti sagt: «In der dunklen Jahreszeit kommen mehr Anfragen.» Man ist öfters drinnen, hat weniger soziale Kontakte und auch das Sonnenlicht fehlt.

Befinde man sich in einer akuten Krise, greift die Selbsthilfe nicht. Dann seien andere Hilfestellungen gefragt. Eine Selbsthilfegruppe sei kein Ersatz für eine Therapie aber eine wertvolle Ergänzung. Marchetti sagt:

«In der Regel melden sich die Betroffenen, wenn sie über dem Berg sind.»

Selbsthilfe erfolgt in unterschiedlich grossen, stabilen Gruppen

Solange sich die Selbsthilfegruppe im Aufbauprozess befindet, können noch weitere Interessierte jeden Alters dazustossen. Auch danach könne man sich bei der Selbsthilfe St.Gallen und Appenzell melden.

Haben sich Betroffene einmal in einer Gruppe gefunden, bleibt diese dann relativ stabil. Dabei sind verschiedene Grössen möglich. In der Regel nehmen zwischen sechs und zwölf Personen teil – coronabedingt sind die Gruppen auch kleiner.

Das nächste Treffen findet am 17. Dezember um 15 Uhr statt. Eine Anmeldung ist aufgrund der Coronasituation telefonisch (071 222 22 63) oder per E-Mail (selbsthilfe@fzsg.ch) nötig. Es gilt Maskenpflicht.

In den Kantonen St.Gallen und Appenzell gibt es rund 200 Selbsthilfegruppen zu unterschiedlichen Themen, in Rorschach zum Beispiel für Betroffene von Alkoholabhängigkeit, sowie Angehörige von Alkoholabhängigen oder für Trauer.