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Prüfender Blick aufs Wasser

Die Regionale Wasserversorgung St. Gallen feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass stellt ein SP-Parlamentarier kritische Fragen. In seiner Antwort lässt der Stadtrat in die Zukunft blicken.
Christina Weder
Wasserspeicher für St. Gallen: Die Stadt bezieht ihr Wasser aus dem Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Wasserspeicher für St. Gallen: Die Stadt bezieht ihr Wasser aus dem Bodensee. (Bild: Ralph Ribi)

Die Stadt St. Gallen bezieht ihr Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Bodensee. Aufbereitet wird es von der Regionalen Wasserversorgung St. Gallen AG (RWSG), die insgesamt zwölf Gemeinden mit Wasser versorgt. Sie ist vor 25 Jahren gegründet worden. SP-Stadtparlamentarier Beat Weber nimmt das Jubiläum zum Anlass, einen prüfenden Blick auf die Wasserversorgung zu werfen.

In einer Interpellation bezweifelt er, dass die Stadt genügend Möglichkeiten hat, im Verbund mit zwölf Aktionären ihre Interessen durchzusetzen. Das Modell werde der Bedeutung der Stadt für die RWSG nicht gerecht, findet Weber, der für die Stadt im Verwaltungsrat der RWSG sitzt. Schliesslich sei St. Gallen mit Abstand die grösste Abnehmerin bei der RWSG. Im vergangenen Jahr hat die Gesellschaft 8,6 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben, wovon drei Viertel in die Gallusstadt flossen. Diese verfügt über keine anderen Möglichkeiten, Trinkwasser zu beschaffen.

Eine bewegte Geschichte

Hinzu kommt, dass zwischen den Partnergemeinden offenbar nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, wie aus der Interpellation von Weber hervorgeht. Die Geschichte der Gesellschaft sei vor allem in ihren Anfängen bewegt gewesen. Nun sei es ruhiger, doch dürfe das über eine «fortschreitende Dynamik» nicht hinwegtäuschen, schreibt er und hält fest: «Die formelle Möglichkeit, die Entwicklung der Gesellschaft zu steuern, ist für die Stadt St. Gallen begrenzt.» Weber will wissen, warum die Stadt an der RWSG AG in ihrer gegenwärtigen Form festhalten soll. Und er fragt nach Alternativen.

Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Er sieht keinen Anlass, etwas am bisherigen Modell zu ändern. Die Stadt habe zwar keine allein bestimmende Mehrheit. Doch damit könne sie gut leben, da nichts Grundlegendes über ihren Kopf hinweg beschlossen werden könne. So stellt die Stadt drei von sieben Verwaltungsräten. Zudem liegt die Geschäfts- und Betriebsführung bei den St. Galler Stadtwerken, wodurch die Stadt direkten Einfluss auf das operative Geschäft nehmen könne. Der Stadtrat unterstreicht auch den partnerschaftlichen Gedanken, der von Anfang an zentral gewesen sei. Kosten und Risiken liessen sich dadurch verteilen. Würde die Stadt plötzlich ein Alleinbestimmungsrecht anstreben, könne das die Zusammenarbeit stark beeinträchtigen. Denn diese sei «gegenwärtig weitgehend gut».

Ungenutzte Kapazitäten: Weitere Kunden gesucht

In seiner Antwort blickt der Stadtrat auch in die Zukunft. So ist schon länger klar, dass das Seewasserwerk Frasnacht, in dem das Wasser aufbereitet wird, überdimensioniert ist. Als es vor 20 Jahren gebaut wurde, ging man von einem steigenden Wasserverbrauch aus und plante entsprechend grosszügig.

Doch der Wasserverbrauch ist in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, sondern gesunken. Heute weist das Seewasserwerk grosse, ungenutzte Kapazitätsreserven auf. Deshalb setzt sich die RWSG zum Ziel, weitere Gemeinden als Kunden zu gewinnen. Sie hat dafür die Rechtsgrundlage geändert. Seit einiger Zeit ist es möglich, Wasser von der RWSG zu beziehen – ohne Aktionär zu werden.

Eine erste Gemeinde, die davon Gebrauch macht, ist Flawil. Seit Anfang September bezieht sie täglich 100 Kubikmeter Bodenseewasser von der RWSG. «Das ist eine reine Sicherheitsmassnahme», sagt Urs Haaf, Geschäftsleiter Technische Betriebe in Flawil, auf Anfrage. Beim Wasser, das in Flawil aus dem Hahn kommt, handelt es sich zwar nach wie vor zu 100 Prozent um Quell- und Grundwasser. Doch im Falle eines Ereignisses wie einer Verschmutzung oder Wasserknappheit wähnt sich die Gemeinde auf der sicheren Seite. Sie könnte auf das Bodenseewasser zurückgreifen. Dieses fliesst schon jetzt durch die neue Leitung, «damit diese gespült wird». Auslöser für diese Massnahme sei nicht der trockene Sommer gewesen, sagt Haaf. Die Gemeinde habe sich schon seit Jahren mit der Versorgungssicherheit befasst.

Klimaphänomene und die Versorgungssicherheit

Und doch geht der St. Galler Stadtrat davon aus, dass Klimaphänomene wie der diesjährige Jahrhundert-Sommer gerade für jene Gemeinden, die nicht mit Seewasser versorgt werden, Grund sein könnten, sich der RWSG anzuschliessen. Gemäss Marcel Steiger, Bereichsleiter bei den St. Galler Stadtwerken und Geschäftsführer der RWSG, könnte das finanziell interessant sein. Bereits seien Verhandlungen mit einer weiteren Gemeinde am Laufen. In der Stadt sei man zwar abhängig vom See, sagt Steiger: «Doch das muss nicht schlecht sein.» Dafür gebe es das Privileg, in trockenen Perioden kein Problem mit der Versorgung zu haben – im Gegensatz zu jenen Gemeinden, die sich auf Quell- und Grundwasser verlassen.

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