Missbrauchsfall in St.Galler Kita: Pädophiler Betreuer muss für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis

Das Kreisgericht St.Gallen hat einen ehemaligen Kita-Betreuer zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 34-Jährige hat mehrere Kinder in einer St.Galler Kindertagesstätte geschändet.

Alexandra Pavlovic
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Der pädophile Betreuer wird zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der pädophile Betreuer wird zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Bild: PD

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ehemaliger Kita-Betreuer hat sich an drei Kleinkindern vergriffen. Zwei Kinder schändete der heute 34-Jährige in der Kita Fiorino in St.Gallen, ein Kind in einer Privatwohnung. 
  • Zum Tatzeitpunkt war das Jüngste seiner Opfer 16 Monate alt.
  • Von 2005 bis 2018 hat der Beschuldigte zudem 4600 Videos und 61'700 Bilder mit hauptsächlich kinderpornografischem Inhalt aus dem Darknet heruntergeladen.
  • Im Weiteren hat der Beschuldigte durch den Erwerb, Konsum und Besitz von Marihuana gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen.
  • Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten sowie eine Busse von 600 Franken. Ebenso ein lebenslanges Berufsverbot. 
  • An die Öffentlichkeit gelangte der Fall im August 2018.

«Ein Übergriff auf die Allerkleinsten» – mit diesen Worten beschreibt die St.Galler Staatsanwaltschaft die Taten des 34-jährigen Angeklagten. Am Dienstag musste sich der ehemalige Betreuer einer St.Galler Kindertagesstätte vor Kreisgericht wegen Schändung, sexueller Handlungen mit Kindern, Pornografie, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Gemäss Anklageschrift hat der Beschuldigte zwischen 2016 und 2018 an drei Kindern sexuelle Handlungen vorgenommen. So schändete er einen 16 Monate alten Buben an seiner damaligen Arbeitsstätte, einer Kita im Osten der Stadt St.Gallen. Das Kleinkind lag wehrlos auf dem Wickeltisch. Ein anderes Kind fesselte er mit Handschellen und machte davon Aufnahmen, um so unter anderem seine pädophilen Neigungen zu befriedigen. Ein weiteres Opfer schändete er in einer Privatwohnung.

Wie am Prozesstag weiter ersichtlich wurde, nahm der Angeklagte seine Taten auf Datenträger auf und verbreitete sie später im Darknet in entsprechenden Pädophilen-Foren. Laut Anklageschrift fotografierte der 34-Jährige zudem mehrere Buben beim Urinieren. Auch diese Aufnahmen stellte der Ostschweizer ins Darknet. Damit wollte er Anerkennung in der Szene erreichen, wie er vor Gericht aussagte.

Neigungen nicht wahrgenommen

Wieso er sich zu den Übergriffen hinreissen liess, konnte der Beschuldigte dem Richter während der Verhandlung nicht erklären. Er habe zu Beginn seine Neigungen nicht wahrgenommen, als er sein Berufsfeld gewechselt und als Betreuer angefangen habe.

«Ich will in der Therapie nun herausfinden, warum ich das gemacht habe. Ich dachte fälschlicherweise, es sei nur eine Phase.»

Im Laufe der Ermittlungen wurden beim Beschuldigten zudem 4600 Videos und rund 61'700 Bilder mit hauptsächlich kinderpornografischem Inhalt sichergestellt. Diese Sammlung hat sich der Ostschweizer zwischen 2005 und 2018 primär ebenfalls via Darknet angelegt.

Busse, Freiheitsstrafe und lebenslanges Berufsverbot

In ihrer Anklage vom Dienstag forderte die Staatsanwaltschaft daher eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten, sowie eine Busse von 600 Franken. Im Weiteren sei dem Beschuldigten eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung seiner psychischen Störung anzuordnen. Er soll zudem mit einem lebenslangen Tätigkeitsverbot belegt werden.

Verurteilt wurde der 34-Jährige am Dienstagnachmittag schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Dies wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher Pornografie. Der Angeklagte muss zudem in eine stationären Massnahme, erhält einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Franken, eine Busse von 600 Franken und wird mit einem lebenslänglichen Berufsverbot bestraft. Das Urteil der Kreisrichter entspricht weitgehend den Anträgen der St.Galler Staatsanwaltschaft.

Angeklagter bereut seine Taten

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte weitgehend geständig. Er bereue seine Taten und versuche derzeit in der Therapie das Ganze zu verarbeiten. Was er getan habe, tue ihm unendlich leid. «Ich weiss, ich habe nicht nur den eigentlichen Opfern geschadet, sondern auch Eltern sowie ehemaligen Arbeitgebern. Wenn ich könnte, würde ich alles rückgängig machen.»

Das sagt Beatrice Giger, Mediensprecherin der St.Galler Staatsanwaltschaft, zum Urteil:

Die Verhandlung im Ticker zum Nachlesen:

14:19 Uhr

Mit der Urteilsverkündung ist der Prozess nun abgeschlossen. Wir beenden damit auch den Liveticker aus dem St.Galler Kreisgericht und bedanken uns fürs Mitlesen.

14:13 Uhr

Der Angeklagte wird wegen mehrfacher Schändung, sexueller Handlungen mit Kindern und der mehrfachen Pornografie schuldig gesprochen. Zudem erhält der Beschuldigte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Franken und eine Busse von 600 Franken. Dem 34-Jährigen wird ein lebenslanges Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen auferlegt.

14:10 Uhr

Das Urteil ist bekannt: Der Angeklagte wird zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Des Weiteren wird eine stationäre Massnahme verordnet.

14:02 Uhr

Nach der Mittagspause geht der Prozess nun weiter. Demnächst wird der Richter das Urteil mündlich verkünden.

11:31 Uhr

Der Prozess ist beendet. Um 14 Uhr kommt es zur mündlichen Urteilseröffnung. Wir melden uns rechtzeitig wieder aus dem Gerichtssaal und berichten live.

11:30 Uhr

Das Schlusswort hat der Angeklagte. Er ergänzt: «Was ich gemacht habe, tut mir unendlich leid. Ich weiss, ich habe nicht nur den eigentlichen Opfer geschadet, sondern auch deren Eltern und anderen Eltern sowie ehemaligen Arbeitgebern. Ich bereue meine Taten. Wenn ich könnte, würde ich alles rückgängig machen. Ich will daher Verantwortung übernehmen und versuchen in den den Therapien alles aufzuarbeiten, um in ferner Zukunft ein deliktfreies Leben zu führen.»

11:29 Uhr

Die Verteidigung betont in seinen abschliessenden Worten, dass sein Mandant seine Taten bereue und alles daran setze, in der Therapie das Geschehene aufzuarbeiten.

11:21 Uhr

Nach den abschliessenden Worten der Verteidigung erhält die Staatsanwaltschaft nochmals das Wort und kann damit auf die Anträge der anderen Partei regieren. Nach wie vor zweifelt die Staatsanwaltschaft an der Kooperationsbereitschaft des Angeklagten. «Der Beschuldigte wollte zu jeder Zeit gut dastehen, seine Taten hat er, wie schon erwähnt nicht umgehend, gestanden, sondern erst auf Druck der Ermittler oder nachdem ihm belastendes Videomaterial gezeigt wurde.»

11:17 Uhr

Weiter führt die Verteidigung aus, dass der Beschuldigte seine Taten bereue und therapiewillig sei. «Ihm ist bewusst, dass er sich während der therapeutischen Massnahme ausführlich mit seinen begangenen Taten befassen wird und auch muss. Das wird länger dauern, als eine Freiheitsstrafe.» Damit zeige sein Mandant weiter, dass er an sich und dem Geschehenen arbeiten wolle. Zudem wolle er auf die Genugtuungsforderungen der Opfer eingehen.

«Geld wird seine Taten nicht wieder gut machen können. Dem ist sich mein Mandant bewusst.»
11:10 Uhr

Da sich sein Mandant kooperativ gezeigt habe, gelte es, das Strafmass zu mindern. «Dass er zu Beginn nicht alles offen gelegt hat, ist nicht unüblich. Er hat sich für seine Taten schlicht geschämt.» Weiter führt der Verteidiger aus: «Die lange Ermittlungsdauer hat nichts mit mangelnder Kooperation des Beschuldigten zu tun. Es liegt viel mehr daran, dass das Durchsehen der vielen gefundenen Dateien auf dem Rechner meines Mandanten etwas länger gedauert hat.»

11:01 Uhr

Die Verteidigung beantragt für seinen Mandanten eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Diese zu Gunsten einer stationären Therapie sowie einer Busse in Höhe von 600 Franken und einem lebenslängliches Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

10:50 Uhr

Während sich der Verteidiger zu weiteren Punkten der Anklageschrift genauer äussert, fordert er im Anschluss, dass der Beschuldigte lediglich in zwei Fällen der Schändung von Kindern schuldig zu sprechen sei.

10:46 Uhr

Auch die Aufnahmen eines weiteren Kindes in der Kita Fiorino zeugen laut Verteidigung nicht von pädosexuellen oder gar pornografischen Neigungen. «Das Kind wurde von hinten vom Beschuldigten fotografiert. Das T-Shirt reichte dem Kind bis zu den Oberschenkeln, die Geschlechtsmerkmale waren also bedeckt und auf dem Bild ist nicht zu erkennen, ob das Kind darunter nackt war oder eben doch eine Unterhose trug. Lediglich die Beine, vom Oberschenkel abwärts waren frei ersichtlich.»

10:42 Uhr

Freizusprechen sei sein Mandant bezüglich eines Fotos, das der Beschuldigte in seiner Arbeitsstätte aufgenommen hatte. «Das Bild des Kindes in Handschellen beruht darauf, dass er mit dem Kind Räuber und Poli gespielt hat. Das gab der Beschuldigte auch zu Protokoll.» Eine pornografische Neigung sei hier daher nicht zu erkennen, dementsprechend sei er in diesem Fall der pornografischen Handlung freizusprechen.

10:31 Uhr

Sein Mandant habe sich in den meisten Anklagepunkten schuldig bekannt. «Er möchte seine Taten vergessen und hat auch von sich aus den vorzeitigen Massnahmenvollzug für sich gefordert.» Damit zeige sein Mandant, dass er willig sei, seine pädosexuelle Neigung zu therapieren. Der Verteidiger betont weiter, dass obwohl sein Mandant reuig und geständig sei, die begangenen Taten nicht zu tolerieren seien.

10:25 Uhr

Es geht weiter mit dem Prozess. Nun hat die Verteidigung das Wort.

10:17 Uhr

Bevor nun der Verteidiger zu Wort kommt, gibt es eine kurze Pause.

10:15 Uhr

Abschliessend hält die Staatsanwaltschaft fest, dass es sich beim vorliegenden Fall, um eine Übergriff auf die Allerkleinsten handele.

«Die geschädigten Kinder und ihre Familien müssen lebenslänglich mit den Übergriffen und den daraus resultierenden Folgen leben.»
10:07 Uhr

Die Staatsanwaltschaft kommt nun zur Strafzumessung. Dem Angeklagten wird eine hohe kriminelle Energie attestiert. Nicht nur habe er bewusst Opfer ausgewählt, die noch nicht sprechen konnten. Auch seien seine Handlungen egoistisch-sexuell motiviert gewesen.

09:57 Uhr

Während die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer verliest, bewegt sich der Angeklagte nicht. Sein Kopf ist gesenkt, er schaut die Tischplatte an, die Hände hat er zusammengefaltet, Fussfesseln umfassen seine Fussgelenke.

09:54 Uhr

Auch mit den Bildern, die der Angeklagte von Kindern und deren Geschlechtsmerkmalen in der Öffentlichkeit und auf seiner Arbeitsstätte gemacht habe, mache sich der Beschuldigten des Besitzes und der Verbreitung der Kinderpornografie strafbar, hält die Staatsanwaltschaft weiter fest.

09:49 Uhr

Der Angeklagte habe sich in vielerlei Hinsicht der Pornografie strafbar gemacht, führt die Staatsanwaltschaft weiter aus. «So hat er nicht nur die Kinder in der Tagesstätte misshandelt, auch hat er seine Taten gefilmt und diese anschliessend konsumiert, um sich selber zu stimulieren.» Anschliessend habe er diese Dateien im Darknet hochgeladen und somit anderen zugänglich gemacht. «Mit der Tatsache, dass er sich in den Foren ausführlich über die Geschlechtsteile der Kinder und bestimmte Handlungen unterhalten hat, macht er sich der Kinderpornografie strafbar.»

09:43 Uhr

Weiter führt die Staatsanwaltschaft aus, dass der Angeklagte seine Opfer bewusst aufgrund ihres Alters ausgewählt habe. Mehr noch: Aufgrund der Tatsache, dass sie nicht sprechen konnten, hätten sie ihn auch nicht verraten können. Bei älteren Kinder sei die Gefahr grösser, erwischt zu werden – habe der Angeklagte bei den Befragungen geäussert. Die Staatsanwaltschaft gehe daher von einem hohen Rückfallrisiko des 34-Jährigen aus.

09:34 Uhr

Der Konsum von verbotenem pornografischen Material habe bereits 2005 stattgefunden. Auch habe der Angeklagte zu jener Zeit Material im Darknet hochgeladen, das er selber hergestellt habe. Der Beschuldigte habe weiter zu Beginn der Ermittlungen vehement bestritten, selbst Material verbreitet und Übergriffe auf Kinder vorgenommen zu haben.

«Immer erst auf Druck der Ermittler hat der Angeklagte seine Taten gestanden.»

Ein solches Aussageverhalten des Angeklagten könne man als taktisch beschreiben, so die Staatsanwaltschaft.

09:23 Uhr

Noch heute würden die Staatsanwaltschaft Telefonate von besorgten Eltern erreichen, die wissen wollten, ob auch ihr Kind von den Misshandlungen betroffen gewesen sei. Weiter führt die Staatsanwaltschaft aus, dass der Angeklagte sich nur vordergründig kooperativ verhalten habe, um sich im Strafverfahren in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Sie erwähnt weiter, wie es im Juli 2018 zur Verhaftung kam und wie viel Material bei der Hausdurchsuchung sichergestellt wurde.

09:17 Uhr

Seine finanzielle Lage beschreibt der Angeklagte als sparsam, er «brauche nicht viel zum Leben». Wie seine finanzielle Situation in Zukunft aussehe, darüber hat sich der Angeklagte keine Gedanken gemacht, wie er dem Richter sagt. Er wolle mit einem guten Gewissen wieder herauskommen, wenn er seine Strafe verbüsst habe. «Nach alldem will ich in einer neuen Stadt neu anfangen, einer Arbeit nachgehen, die mir gefällt.» Damit ist die Befragung des Beschuldigten abgeschlossen. Nun hat die Staatsanwaltschaft das Wort.

09:13 Uhr

Über seinen derzeitigen Aufenthalt im Massnahmezentrum sei er froh, er habe eine Tagesstruktur, sagt der Beschuldigte. «Ich bin ebenfalls sehr froh um die Gespräche und Therapien, die ich dort habe.» Er hoffe weiter, dass ihm das Gericht eine stationäre therapeutische Massnahme auferlege. Der Richter will wissen, wie er zu einem lebenslangen Tätigkeitsverbot stehe? Der Angeklagte befürwortet das.

09:05 Uhr

Der Richter will nun wissen, wie es möglich sei, das ein zivilisierter Mensch schliesslich zum Messie werde? «Wenn ich die Bilder heute sehen, kann ich mir das auch nicht vorstellen. In der Öffentlichkeit musste ich funktionieren, in der eigenen Wohnung war das egal, wieso also putzen und aufräumen. Ich hatte damals sehr häufig auch Suizidgedanken.»

08:58 Uhr

Nun geht es um das soziale Umfeld des Angeklagten. Nach der Trennung seiner damaligen Freundin 2016 habe er weiterhin soziale Kontakte gepflegt, es sei ihm psychisch aber nicht mehr gut gegangen. «Tagsüber hatte ich eine Maske auf, war der fröhliche und gutmütige Typ. Kaum war ich in meiner Wohnung, bin ich zusammengebrochen und habe einfach mal eine halbe Stunde geweint.»

08:55 Uhr

Der Angeklagte erzählt weiter über seine Schulzeit, die nicht leicht gewesen sei. In der Schule sei er gemobbt worden. «Jahrelang wurde ich auf dem Heimweg verprügelt, wurde ständig ausgelacht.» Der Richter will wissen, wieso er gemobbt wurde. Gemobbt worden sei er von älteren Schülern, wie der Angeklagte sagt. «Ich war ein einfaches und dankbares Opfer.» Später sei er in die Punkszene abgerutscht, wie er weiter erzählt. Dort habe er Anerkennung und Anschluss gefunden, habe sich aufgehoben gefühlt. Als er dann in die Arbeitswelt eingestiegen sei, habe er diese Szene aber hinter sich gelassen.

08:51 Uhr

Nun geht es um die Familienverhältnisse des Beschuldigten. Der Angeklagte wurde adoptiert. Der Richter bittet ihn nun, das Verhältnis zu seinen Adoptiveltern zu schildern. «Meine Mutter ist eine treue Seele und ein sehr fürsorglicher Mensch. Sie hat mich stets unterstützt, war für mich da und hatte immer viel Verständnis. Und auch heute noch – nach allem, was passiert ist. Sie lässt mich nicht fallen. Dafür muss ich ihr ein Kränzchen binden.» Das Verhältnis zum Adoptivvater sei schwieriger gewesen. Der Angeklagte habe nach seiner Anerkennung gesucht, jedoch habe der diese nie erhalten. Auch habe er physische Gewalt erlitten. «Ich habe ab und zu mal eine Ohrfeige gekriegt.»

08:39 Uhr

Der Richter fragt den 34-Jährigen nun, ob er sich erklären könne, wieso er diese abnormalen sexuellen Neigungen habe? Er sagt: «Nicht wirklich. Ich arbeite derzeit meine eigene Kindheit auf.»

08:36 Uhr

Der Richter sagt, er habe bei den Ermittlungen den Eindruck gehabt, der Angeklagte wollte nur jene Taten gestehen, welche man ihm nachweisen konnte. Der Angeklagte widerspricht: «Ich war ängstlich, ich habe mich geschämt und konnte deshalb nicht über alles sprechen.»

08:33 Uhr

Wieso habe er sich zu den Übergriffen hinreissen lassen, fragt der Richter weiter. «Da ist sehr schwierig zu sagen», sagt der Angeklagte. Er habe zu Beginn seine Neigungen nicht wahrgenommen, als er sein Berufsfeld gewechselt und als Betreuer angefangen habe. «Ich will in der Therapie nun herausfinden, warum ich das gemacht habe. Ich dachte fälschlicherweise, es sei nur eine Phase.» Daher sei es der grösste Fehler gewesen, seinen Beruf nicht gewechselt zu haben. «Ich habe zunächst jahrelang ohne Übergriffe als Betreuer gearbeitet.» Über den ersten Übergriff sagt er:

«Es war ein dummes Zusammenfallen meiner Neigung und der Gelegenheit.»
08:26 Uhr

Der Angeklagte gesteht, drei Kinder in der Kindertagesstätte Fiorino geschändet zu haben. Der Richter will weiter wissen, ob er ebenfalls 4600 Videos und rund 61'700 kinderpornografische Bilder auf seinem Computer habe. Der Angeklagte sagt: «Ich verstehe, dass die Zahlen erschreckend sind.» Man müsse dazu aber wissen, dass man im Darknet jeweils Pakete herunterlade und man nicht den ganzen Inhalt kenne.

08:24 Uhr

Der Richter befragt den Angeklagten nun zu seinen begangenen Taten.

08:19 Uhr

Der Richter erkundigt sich zunächst über sein Wohlbefinden. Der 34-Jährige gibt zu Protokoll, dass er nervös sei und es ihm «den Umständen entsprechend» gehe. Er habe nicht gut geschlafen. Das Ganze habe ihn belastet, aber er sei hier nicht das Opfer in der Sache.

08:17 Uhr

Zunächst beginnt er mit der Befragung des Angeklagten.

08:10 Uhr

Der Richter hat die Verhandlung eröffnet.

08:02 Uhr

In wenigen Minuten wird der Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, starten. Zugelassen sind lediglich akkreditierte Gerichtsberichterstatter.

07:55 Uhr

Der Beschuldigte befindet sich seit seiner Festnahme im Jahr 2018 in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Vollzug. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten sowie eine Busse von 600 Franken. Zudem soll ein lebenslanges Tätigkeitsverbot für berufliche oder ausserberufliche Tätigkeiten ausgesprochen werden, die Kontakte zu Minderjährigen umfassen.

07:51 Uhr

Laut Anklageschrift hat der 34-Jährige an verschiedenen Orten Foto- und Videoaufnahmen von Kindern gemacht und diese unter einem Pseudonym im Darknet veröffentlicht. Auf den Bildern sind die Gesichter der missbrauchten Kinder teilweise erkennbar. Weiter haben die Ermittler auf mehreren Festplatten 4600 Videos und rund 61'700 kinderpornografische Bilder entdeckt, die der Angeklagte aus dem Darknet heruntergeladen haben soll.

07:45 Uhr

Mit der Erkenntnis, dass auch Kinder aus der Kita betroffen waren, wurde im Februar 2019 die Öffentlichkeit über den Fall informiert. Es folgten eine Medienkonferenz der Kita-Gruppe sowie Aussprachen mit den Eltern, die ihre Kinder dort betreuen liessen. Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG, kämpfte an der damaligen Medienkonferenz immer wieder mit den Tränen. Er konnte sich nicht erklären, wie es dem ehemaligen Betreuer gelungen ist, sich während der Arbeit alleine mit einem Kind aufzuhalten und es zu missbrauchen.

07:40 Uhr

Bevor der Prozess um 8 Uhr startet, blicken wir zurück: Polizisten haben den heute 34-Jährigen am 4. Juli 2018 festgenommen. Er wurde zunächst verdächtigt, nur kinderpornografisches Material im Darknet verbreitet zu haben. Die Staatsanwaltschaft ging zudem davon aus, dass am Arbeitsplatz keine Übergriffe stattgefunden hatten. Im Zuge der Ermittlungen zeigte sich jedoch, dass der Beschuldigte drei Buben missbraucht hatte. Diese Taten filmte er und stellte die Aufnahmen ebenfalls ins Darknet.

07:30 Uhr

Guten Tag und willkommen zum Liveticker zum Prozess gegen einen ehemaligen Betreuer der St.Galler Kindertagesstätte Fiorino. Wir berichten für Sie vor Ort aus dem St.Galler Kreisgericht.