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Protestanten eine Stimme geben: Evangelisch-reformiertes Forum feiert 100-Jahr-Jubiläum

Vor 100 Jahren wurde ein Verein gegründet, der den Zusammenhalt der Protestanten in der Stadt stärken sollte.
Christoph Renn
1918 vereinigte sich die Stadt zu Gross-St. Gallen. Somit wurde St. Gallen mehrheitlich katholisch. Aus Angst, die reformierte Stimme in der Gesellschaft untergeht, entstand 1919 die «Freie protestantische Vereinigung St. Gallen». (Bild: Benjamin Manser (23. August 2017))

1918 vereinigte sich die Stadt zu Gross-St. Gallen. Somit wurde St. Gallen mehrheitlich katholisch. Aus Angst, die reformierte Stimme in der Gesellschaft untergeht, entstand 1919 die «Freie protestantische Vereinigung St. Gallen». (Bild: Benjamin Manser (23. August 2017))

Das Evangelisch-reformierte Forum St. Gallen feiert morgen Sonntag sein 100-jähriges Bestehen. Am 15. September 1919 wurde in der Stadt das Forum unter dem damaligen Namen «Freie protestantische Vereinigung St. Gallen» gegründet. Der Verein sollte den Zusammenhalt der Protestanten stärken. «Zudem war es das Ziel, die Kraft des Evangeliums für die Gesellschaft in Erinnerung zu rufen», sagt Pfarrer Andreas Schwendener, Präsident des Forums. Zur Blütezeit im Jahr 1926 zählte der Verein 1648 Mitglieder. «Heute sind es noch rund 150.» Aber der Grundgedanke sei derselbe geblieben. Zudem setzt sich Schwendener mit der Zukunft des Vereins und der Religion auseinander.

Die Vereinigung der St. Galler Protestanten hängt eng mit der Stadtverschmelzung von 1918 zusammen. Vor der Fusion zu Gross-St. Gallen entstanden im Westen und Osten der Stadt eigene Kirchgemeinden: 1902 Straubenzell St. Gallen West und 1906 St. Gallen Tablat mit je eigener Kirche. Damit vollzog sich bei den Protestanten eine gegenläufige Entwicklung zur politischen Stadtvereinigung. Mit der Vereinigung 1918 wurde St. Gallen zu einer mehrheitlich katholischen Stadt. Um den Zusammenhalt der Protestanten zu demonstrieren, entstand für die drei Kirchgemeinden die «Freie protestantische Vereinigung St. Gallen».

Innere Zersplitterungen verhindern

Der Verein wollte den Protestanten aber nicht nur eine Stimme in der Gesellschaft geben, sondern auch innerer Zersplitterungen entgegenwirken. «In Bezug auf Predigten, kirchliche Blätter oder Vorsteherschaften war man entweder ‹liberal›, also eher wissenschaftlich orientiert, oder ‹positiv›, sprich treu dem Bibelwort folgend», sagt Andreas Schwendener. Es wurden damals globale und soziale Fragen diskutiert wie Völkerbund, Gewerkschaften, Altersversicherung oder Pazifismus.

Der Verein nahm sich in der Anfangszeit vor protestantischer Bildungsanliegen zu fördern. «Es ging darum, was die Aufgaben des Protestantismus in Kultur und Politik sein kann», sagt Schwendener. So sei beispielsweise im Verein die Schulfrage diskutiert worden und alle grossen Schweizer Theologen wurden zu verschiedenen Vorträgen eingeladen.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es in der Stadt mehrere Lesegruppen reformatorischer Schriften. «Von grosser Bedeutung war die gesamtstädtische Reformationsfeier, die bis in die 70er-Jahre in der Tonhalle stattgefunden hat.»

Im Jahr 1945 gründete die «Freie protestantische Vereinigung» zudem die schweizweit erste Eheberatungsstelle, die bis heute dem Forum untersteht. «Neu wird sie aber durch Gemeinden im Kanton und von der Kantonalkirche finanziert», sagt Schwendener.

Aus einem Verein wird ein Forum

1991 hat sich der Verein unter der Leitung von Pfarrer Frank Jehle einen neuen Namen gegeben. Er heisst jetzt «Evangelisch-reformiertes Forum St. Gallen». «Der Wechsel von der ‹Vereinigung› zum ‹Forum› zeigt auf, dass es hier nicht mehr um die Vereinigung einer konfessionellen Bevölkerungsgruppe geht», sagt Schwendener. Neu gehe es um eine gemeinsame Suche nach der Aktualität der evangelischen Botschaft, welche das Leben des Einzelnen, der Gesellschaft wie auch der Kirche reformieren könne.

Der Präsident des Evangelisch-reformierten Forums nimmt das 100-Jahr-Jubiläum zum Anlass, um nach vorne zu schauen. «Ich strebe eine Neuausrichtung an», sagt er. Das Forum solle zwar weiterhin ein Debattierklub bleiben. «Wir machen keine Kirche», sagt Schwendener. Jedoch wolle er das Profil des Vereins in eine gewisse Richtung öffnen: «Mich interessiert die Kirche im Zusammenspiel mit säkularer Spiritualität.»

Die 100-Jahr-Feier

Weil morgen Sonntag auf dem Klosterplatz die interreligiöse Bettagsfeier stattfindet, verschiebt das Evangelisch-reformierte Forum die 100-Jahr-Feier auf den 4. November. Um 18.30 Uhr spricht der Präsident des Forums, Andreas Schwendener, im Kirchgemeindehaus St. Mangen über die Zukunft religiösen Lebens. Zudem singt der Chor Inscriptum. Die Vortragsreihe im Februar 2020 beschäftigt sich dann mit Möglichkeiten spiritueller Vertiefung in Wissenschaft, Kultur, Theologie und Kirche. (ren)

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