Prost

Kein Silvester auf dem St.Galler Klosterplatz: Auf das kollektive Korkenknallen muss in diesem Jahr wegen Corona verzichtet werden

Derzeit sind in St.Gallen Ansammlungen von höchstens zehn Personen erlaubt. Stadt und Kanton appellieren deshalb an die Bevölkerung, an Silvester nicht auf den Klosterplatz zu pilgern und stattdessen zu Hause auf das neue Jahr anzustossen.

Sandro Büchler und Daniel Wirth
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Solche Bilder soll es in diesem Jahr nicht auf dem Klosterplatz geben. Stadt und Kanton appellieren, auf die Silvesterfeier zu verzichten.

Solche Bilder soll es in diesem Jahr nicht auf dem Klosterplatz geben. Stadt und Kanton appellieren, auf die Silvesterfeier zu verzichten.

Bild: Michel Canonica (1. Januar 2018)

Wenn am Donnerstag um Mitternacht die Domglocken das neue Jahr einläuten, muss die grosse Weihnachtstanne auf dem Klosterplatz allein feiern. Der Platz soll zum Jahreswechsel leer bleiben. Wie die Staatskanzlei des Kantons St.Gallen am Montag mitteilt, soll man an Silvester nicht auf dem Klosterplatz anstossen. Wegen Corona wird auf eine Feier verzichtet.

Der Klosterplatz hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem immer beliebteren Treffpunkt entwickelt, um in Gruppen die Korken knallen zu lassen, sich gegenseitig in die Arme zu fallen und freudig das neue Jahr zu begiessen. Hunderte von Menschen hatten sich in der Vergangenheit zum Jahreswechsel auf dem Klosterplatz getroffen, um das alte Jahr ausklingen zu lassen und das neue Jahr gemeinsam zu begrüssen. Darauf muss wegen der Coronapandemie in diesem Jahr verzichtet werden: Wegen der aktuellen epidemiologischen Lage gilt dieses Jahr ein Verbot für Ansammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum.

Ein Appell an die Vernunft

Stadt und Kanton bitten die Bevölkerung deshalb, im privaten und kleinen Rahmen auf das neue Jahr anzustossen. Die Staatskanzlei schreibt in ihrem Communiqué:

«Um zu vermeiden, dass in der Silvesternacht zu viele Personen in kleinen Gruppen auf dem Klosterplatz zusammenkommen, appellieren die Stadt und der Kanton St.Gallen an die Vernunft.»

Stadt und Kanton rufen die Bevölkerung auf, generell zu Hause zu bleiben und nicht auf den Klosterplatz zu gehen. Auch im privaten Rahmen gilt für Treffen eine Obergrenze von zehn Personen. Wer könne, solle gleich ganz auf physische Treffen verzichten.

Einige hatten bis zuletzt gehofft, dass das an Silvester beliebte Stelldichein auf dem Klosterplatz doch noch stattfinden könne. Denn der Klosterplatz ist gross und bietet viel Platz – und ist draussen, wo das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus geringer ist. Stattdessen soll nun auf das neue Jahr möglichst zu Hause im stillen Kämmerlein angestossen werden – mit möglichst wenig Gesellschaft.

Kommen trotzdem zu viele, greift die Stadtpolizei ein

Es ist ein Appell, aber kein Verbot auf dem Klosterplatz zu feiern. «Den Platz in der Silvesternacht abzuriegeln, ist aus logistischen Gründen gar nicht machbar», sagt Philipp Egger, Leiter Informatik und Infrastruktur beim Kanton St.Gallen. Denn so würden sich allfällige Gruppen in die Gassen rundherum verlagern, was auch nicht optimal sei. Kommen trotz des Appells jedoch zu viele Leute zum Klosterplatz, ist es laut Egger an der Stadtpolizei, einzugreifen.

Diese wird in der Silvesternacht mit einem verstärkten Aufgebot in der ganzen Innenstadt präsent sein, wie Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei, auf Anfrage sagt. Weil Bars und Clubs wegen Corona ohnehin geschlossen seien, gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass die Stadt generell weniger Partygäste anziehen werde als in den Jahren zuvor.

Der Klosterplatz war in den vergangenen Jahren nicht der einzige Punkt auf Stadtgebiet, an dem ein Zusammentreffen vieler Menschen stattfand. Beliebt waren verschiedene Orte auf den Hügeln der Stadt, etwa der Hang unter Dreilinden, das Gebiet Falkenburg, die Solitüde oder das Lindeli.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

PD

Die Patrouillen der Stadtpolizei würden auch an Silvester wie im Lockdown im Frühling und auf Sensibilisierung und Dialog setzen, um Ansammlungen von mehr als zehn Personen zu verhindern oder allenfalls aufzulösen. Nütze das nichts, würden Unverbesserliche angezeigt, sagt Widmer. In den vergangenen Jahren habe jeweils auch das Wetter den Ausschlag gegeben, wie viele Leute in der Stadt Silvester gefeiert hätten.

Wie in den Jahren zuvor ist es strikt verboten, Feuerwerk auf dem Klosterplatz abzubrennen. «Der gesamte Stiftsbezirk ist kultur- und bauhistorisch ein sensibler Ort», schreibt die Staatskanzlei in ihrer Mitteilung. Feuerwerk und Knallkörper seien für die kostbaren Bauten des Unesco-Weltkulturerbes eine grosse Gefahr.

Feuerwerk ist wie in den Jahren zuvor tabu auf dem Klosterplatz.

Feuerwerk ist wie in den Jahren zuvor tabu auf dem Klosterplatz.

Bild: Benjamin Manser (31. Dezember 2015)

Deshalb sind wie in früheren Jahren ein Sicherheitsdienst und Brandwachen vor Ort. «Sie haben ein Auge auf den Klosterplatz, aber auch darauf was rundherum geschieht», sagt Egger. Denn auch Feuerwerkskörper, die rundherum gezündet werden, könnten eine Gefahr für das Kloster werden.