Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Projekt-Werkstatt ist der Neustart geglückt

Seit etwas mehr als einem Jahr funktioniert die Projekt-Werkstatt, die Arbeitslosen den Schritt zurück in den Arbeitsmarkt ermöglichen soll, nach einem neuen Konzept. Dieses hat sich bewährt, einige Schwierigkeiten sind aber geblieben.
David Gadze
Der Projekt-Werkstatt im Güterbahnhofgebäude drohte die Schliessung. Mit neuem Konzept konnte der Betrieb gerettet werden. (Bild: Urs Bucher)

Der Projekt-Werkstatt im Güterbahnhofgebäude drohte die Schliessung. Mit neuem Konzept konnte der Betrieb gerettet werden. (Bild: Urs Bucher)

In der Projekt-Werkstatt im Güterbahnhofgebäude herrscht reger Betrieb. An den Arbeitsplätzen in der Halle wird an Velos oder an Teilen davon geschraubt und gewerkelt. Hier reparieren die Angestellten Velos, welche Kunden vorbeibringen. Oder herrenlose Velos, welche die Polizei, Hausverwaltungen oder Werkhöfe anliefern. Sie werden weiterverkauft. Was kaputt oder sonst unbrauchbar ist, wird recycelt.

Doch in der Projekt-Werkstatt ist das Velo auch in einem anderen Sinn ein Fortbewegungsmittel: Es soll dazu beitragen, Personen ohne Job in den Arbeitsmarkt zu bringen. Denn jene, die hier arbeiten, sind – oder waren – alle arbeitslos. Sie bekommen hier während sechs Monaten die Chance, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen.

Das Geld reicht für den laufenden Betrieb

Seit etwas mehr als einem Jahr funktioniert die Projekt-Werkstatt nach neuem Konzept. Dieses war nötig geworden, weil der Kanton dem Projekt für die Reintegration von Arbeitssuchenden per Anfang 2018 die finanzielle Unterstützung gestrichen hatte. Statt von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsprogramme heute von den Sozialen Diensten der Stadt St. Gallen und der Gemeinden in der Region zugewiesen. Die Gemeinden bezahlen dafür einen Beitrag an die Projekt-Werkstatt. Mit verkleinertem Team und auf kleinerer Fläche erfolgte im März 2018, nach dreimonatiger Pause, der Neustart. Der 1994 gegründete Betrieb wurde ausserdem von einer Einzelfirma in einen Verein umgewandelt. Gründer Andreas Frank war zu Beginn Vereinspräsident, inzwischen ist er altershalber ausgeschieden. Neuer Präsident ist Hansueli Salzmann, der vor der Umstrukturierung Geschäftsleiter und danach Vorstandsmitglied war.

Dem geschäftigen Treiben zum Trotz sei die Sicherung des Fortbestands «immer noch eine Herausforderung», sagt Salzmann. Denn damit das Budget aufgeht, ist die Projekt-Werkstatt auf durchschnittlich 15 Teilnehmer angewiesen. Derzeit gelinge es, diese Zahl zu erreichen, doch die Belegung der Arbeitsplätze schwanke, sagt Betriebsleiter Hanspeter Berweger. Es sei möglich, den laufenden Betrieb zu finanzieren, sobald aber grössere Investitionen notwendig seien, etwa in ein neues Fahrzeug, sei man auf zusätzliche finanzielle Mittel durch Spenden angewiesen. «Das Eis knirscht immer noch unter unseren Füssen und wir können uns nicht so locker bewegen», sagt Salzmann.

Auch in der täglichen Arbeit hat das Team verschiedene Herausforderungen zu bewältigen. Es gebe immer mehr Junge, die den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt nicht schafften, etwa wegen einer abgebrochenen Ausbildung, sagt Berweger. «Häufig haben Teilnehmer auch psychische Beeinträchtigungen.» In der Projekt-Werkstatt seien sie zwar «nahe am ersten Arbeitsmarkt». Sie hätten Kundenkontakt, arbeiteten im Verkauf, im Lager, in der Logistik oder neuerdings auch im Büro. Und doch seien sechs Monate eine sehr kurze Zeit, um den Teilnehmern den (Wieder-)Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen, sagt Berweger. Entsprechend tief ist die Quote der Personen, denen dies gelingt.

«Gewisse Faktoren sind nicht messbar»

Den Erfolg der Projekt-Werkstatt könne man indes nicht bloss daran messen, sagt Hansueli Salzmann. Während der sechs Monate arbeite man mit den Teilnehmern auch im persönlichen Bereich, beispielsweise an der Konfliktfähigkeit, am Umgang mit Kritik oder mit Autoritäten, an Verbindlichkeiten oder an der Kommunikation. «Das alles sind Faktoren, die nicht messbar sind, die unsere Teilnehmer aber weiterbringen.»

Ausserdem profitieren die Sozialen Dienste laut Vorstandsmitglied Annette Nitsche, die hauptberuflich bei der kantonalen Fachstelle für betriebliche Gesundheitsförderung von Zepra arbeitet, vom Intermezzo der Teilnehmer in der Projekt-Werkstatt. Das Team der Projekt-Werkstatt könne in dem halben Jahr dank der engen agogischen Begleitung weitere Abklärungen machen bezüglich Arbeitsintensität, psychischer Belastbarkeit, den Auswirkungen der Wohnsituation auf die Arbeit – etwa wenn jemand noch bei seinen Eltern wohne – und Ähnlichem. Diese Einschätzungen könnten hilfreich sein für die Beurteilung der Möglichkeiten einer allfälligen Reintegration in den Arbeitsmarkt. Und nicht zuletzt sei ein fester, wenn auch temporärer Arbeitsplatz auch «ein Ort der Zugehörigkeit und der Sinnhaftigkeit».

Das Hoffen auf weitere Gemeinden

Die Verantwortlichen hoffen, dass weitere Gemeinden den Sinn eines Einsatzes in der Projekt-Werkstatt erkennen und ihr zusätzliche Teilnehmer vermitteln. Nicht nur für die Sicherung des Betriebs, sondern auch für eine Verbesserung der Betreuung. Bei Vollbesetzung, also mit rund 20 Teilnehmern, könnte die Projekt-Werkstatt nochmals einen Arbeitsagogen anstellen, der die Teilnehmer betreut, sagt Nitsche. «Diese Leute brauchen eine sehr enge Begleitung, deshalb ist die Arbeit mit ihnen sehr personalintensiv.»

Hinweis

www.projekt-werkstatt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.