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Pro/Contra: Ist der «Tatort » altbacken oder legendär?

Die «Tatort»-Krimis gehören für viele zu einem perfekten Sonntagabend, für andere auf keinen Fall zum Abendprogramm. Seit den 70er-Jahren beschert die beliebte Serie noch immer gute Quoten. Zwei Meinungen aus der Redaktion.
Jolanda Riedener/Rudolf Hirtl
Ulrike Folkerts spielt Hauptkommissarin Lena Odenthal (links) .(Bild: Sabine Hackenberg/SWR)

Ulrike Folkerts spielt Hauptkommissarin Lena Odenthal (links) .(Bild: Sabine Hackenberg/SWR)

Die Einschaltquoten sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der «Tatort» nach wie vor gerne gesehen. Die Episode aus Franken vom vergangenen Sonntag verzeichnete sogar die besten Zuschauerzahlen seit 2015: 9,09 Millionen schalteten ein, um sich «Ein Tag wie jeder andere» anzuschauen. In der Episode erschiesst der Bayreuther Rechtsanwalt im laufenden Gerichtsprozess den Richter. Exakt eine Stunde später tötet er eine Universitätsmitarbeiterin. Es ist der fünfte Fall, den das Team um die Hauptkommissaren Felix Voss und Paula Ringelhahn in Franken löst.
Neben den Ermittlern Franken gibt es mehrere Kripo-Teams in verschiedenen Städten Deutschlands. Schon länger dabei sind unter anderem die Kölner Bellauf und Schenk oder Batic und Leitmayr in München. Zurzeit gibt es ein Team in Luzern. Schon deutlich länger ermitteln dagegen die Wiener Eisner und Fellner.

Über 1000 Folgen des «Tatorts» sind bereits im Kasten. Seit den 70er-Jahren wird die Gemeinschaftsproduktion der öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen ARD, ORF und SRF ausgestrahlt. Mit bis zu zehn Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung bricht die Krimiserie noch immer Rekorde.

Auf Twitter rege diskutiert

Heiss diskutiert werden die Krimifilme jeweils auf Twitter. Unter dem Hashtag #Tatort verfolgt und kommentiert die Community das Geschehen jeweils in Echtzeit. Neben Meinungen werden insbesondere Filmfehler gerne aufgedeckt und geteilt. «Ein Tag wie jeder andere» kam auf Twitter ziemlich gut weg: «Von der ersten bis zur letzten Minute spannend» oder «genial, weil das Ende nicht vorhersehbar war» lobten Fans in den Sozialen Medien. «Es gab schon schlimmere», relativierten andere.

Nicht nur auf Twitter gehen die Meinungen auseinander. Für einige gehört der «Tatort»-Krimi zu einem gemütlichen Sonntagabend, andere hingegen finden die Filme nur langweilig und verzichten gerne.

Pro: Sofa, Pizza, «Tatort» - so sieht ein gemütlicher Sonntagabend aus - findet Jolanda Riedener

Jolanda Riedener, Redaktorin Rorschach (Bild: Peter Käser)

Jolanda Riedener, Redaktorin Rorschach (Bild: Peter Käser)

Die Krimiserie «Tatort» hat längst Kultstatus erreicht. Noch immer schaffen es die Macher, Mord und Totschlag in abwechslungsreiche Episoden zu verpacken. Ob neurotisch oder teamunfähig – bei der Vielfalt an Charakteren unter den Ermittlerteams findet jeder seinen Liebling.

Mord, Currywurst und Unmengen an Kaffee sind sichere Werte in der Krimiserie «Tatort». Genau diese Wiederholung und Voraussehbarkeit, ist das, was den «Tatort» seit den 70er-Jahren ausmacht. Wer am Sonntagabend um 20.15 Uhr einschaltet, der weiss, was ihn erwartet: Nicht raus aus der Komfortzone, sondern entspannen, bevor am Montagmorgen wieder die Arbeit ruft. Komplett wird der einzig wahre TV-Abend der ganzen Woche mit einer Pizza und einem Glas Rotwein.

«Tatort» ist retro. Schon die Grossmutter schwor auf diese Sonntags-Routine, später versammelte sich die ganze Familie um den Bildschirm. In den deutschsprachigen Ländern stiftet die Krimiserie eine gemeinsame Identität. Weder beim Fussball noch beim Skirennen und schon gar nicht während des Eurovision Songcontests fiebern Österreicher, Deutsche und Schweizer auf der gleichen Seite mit. Anders beim «Tatort»: Dort erhalten die Kommissarinnen und Kommissare Sympathien, egal in welchem Land sie ermitteln.
Dass die Figuren ihr Leben öfters selbst nicht im Griff haben, macht sie umso sympathischer. Übermenschen oder Superhelden zuzuschauen, das macht nicht so viel Spass. Wenn zwei Welten aufeinanderprallen, wird es hingegen spannend. Das beste Beispiel dafür ist das ungleiche Duo Thiel und Boerne aus Münster oder die mit sich selbst völlig überforderten Berliner Rubin und Karow.

Trotz der über 1000 erschienenen Krimis lassen sich die Drehbuchautoren und Produzenten noch immer Neues einfallen, wie das vor zwei Wochen erschienene Beispiel «Murot und das Murmeltier» zeigt. Auch die Schweizer müssen sich nicht mehr verstecken. Mit den Ermittlern Flückiger und Ritschard in der Luzerner Episode «Die Musik stirbt zuletzt» ist ein Meisterwerk geglückt. Von den Schauspielern verlangte der an einem Stück gedrehte Streifen einiges ab. Keine Pausen, Szenenwechsel oder Schnitte schaffen eine besondere Dynamik. Diese Mischung aus Kreativität und klassischem Krimi macht den «Tatort» jede Woche aufs Neue zum TV-Genuss.

Contra: Ein Murmeltier macht noch lange keinen Sommer - findet Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl, Redaktionsleiter Rorschach (Bild: Ralph Ribi)

Rudolf Hirtl, Redaktionsleiter Rorschach (Bild: Ralph Ribi)

Früher war nicht alles besser, aber mit Bestimmtheit der sonntagabendliche «Tatort». Da verkörperten noch echte Kerle die Kommissare. Heute haben die Ermittler vor allem psychisch die grösseren Probleme als die Kriminellen. Wirklich gute Folgen sind selten geworden.

Was die «Tatort»-Produzenten seit Jahren auf die TV-Zuschauer loslassen, würde auch gut in die Serie «Dr. Psycho» passen. Im wirklichen Leben müssten die lieben Fernsehkommissare ihren Job nämlich an den Nagel hängen und wären vermutlich in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht.

Die Spannung im «Tatort» wird heute nicht mehr mit der Frage, ob die bösen Buben erwischt werden, erzeugt, sondern mit den Krankenakten der vom Schicksal gebeutelten, kaputtesten Ermittler. Halten die überhaupt bis zum Ende des Films durch? Diese Ungewissheit ist meistens der einzige Grund, nicht doch umzuschalten.

Überfordert, unbeholfen, einsam, reizbar, arrogant, verzweifelt – dies nur einige der Charakterzüge der TV-Kommissare. Dabei wäre alle Voraussetzungen da, um einen spannenden Krimi zu machen. Etwa in Wien. Allerdings kämpft Kommissarin Bibi Fellner gegen den Alkohol. Und das in jeder Folge. Irgendwann wird das ätzend. Oder beispielsweise der Kieler Kommissar Klaus Borowski, der erschiesst schon mal sein Auto oder tanzt im Wald Tango. Wenn ich das sehen will, dann schaue ich «Let’s Dance».

Ich gehöre zu den «Tatort»-Fans, die es nicht leiden können, wenn sie mit dem Privatleben und den Problemchen der Ermittler «gelangweilt» werden. Heute scheint es nicht mehr angesagt, einen schlichten Ermittler zu spielen, dessen Ego hinter dem spannenden Kriminalfall zurückzustehen hat.

Doch es gibt sie noch, die «Tatort»-Folgen, die mich fesseln und unterhalten. Etwa wenn Hauptkommissar Frank Thiel mit seinem schrulligen Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne auf Spurensuche geht. Oder kürzlich «Murot und das Murmeltier», bei dem Ermittler Felix Muro in einer Zeitschleife gefangen ist. Auch das ein Lichtblick, auch wenn die Story in Hollywood «Und täglich grüsst das Murmeltier» abgekupfert wurde. Aber eben, ein Murmeltier macht noch lange keinen Sommer.

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