Proberäume statt leere Klassenzimmer: Die alten Wittenbacher Schulhäuser sollen zwischengenutzt werden

Die Zukunft der Schulanlage auf dem Dorfhügel ist umstritten. Was mit den Häusern geschieht, wenn sie nach Bezug des neuen Schulhauses Sonnenrain nicht mehr benötigt werden, ist nach wie vor offen. Die Gemeinde will aber nicht, dass die Häuser einfach leer stehen. Ab 2021 können Interessierte einen Raum für 50 bis 100 Franken mieten.

Perrine Woodtli
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Das gelbe Gebäude ist eines der beiden alten Schulhäuser auf dem Wittenbacher Dorfhügel.

Das gelbe Gebäude ist eines der beiden alten Schulhäuser auf dem Wittenbacher Dorfhügel.

Bild: Ralph Ribi (5. November 2019)

Abbruch, Sanierung, Verkauf, Abgabe im Baurecht oder Zuwarten: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, was mit den zwei über 100-jährigen Schulhäusern Dorf in Wittenbach geschehen könnte. Welche Lösung aber die richtige ist, darüber sind sich viele uneinig.

An der Bürgerinformation im November konnten die Anwesenden ihre Vorschläge aufschreiben. Während einige für «Abreissen» und «einen Neuanfang» waren, wollten andere die historischen Häuser erhalten und diese für soziale, kulturelle oder gesellschaftliche Zwecke nutzen.

Noch gehen in den beiden Schulhäusern zahlreiche Schüler und Lehrer ein und aus. Im Herbst aber zügeln sie ins neue Primarschulhaus Sonnenrain. Geht es nach dem Gemeinderat, sollen die Klassenzimmer dann nicht einfach leer stehen. So lange die Zukunft der Schulanlage offen ist, sollen die Räume anderweitig verwendet werden.

Abbruch oder Verkauf derzeit nicht möglich

Man wolle verhindern, dass die Häuser «in einen Dornröschenschlaf» verfallen, heisst es im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Gemeinderat Bruno Brovelli, der die Arbeitsgruppe Schulhäuser Dorf präsidiert, sagt:

Bruno Brovelli, Wittenbacher Gemeinderat und Präsident Arbeitsgruppe Schulhäuser Dorf.

Bruno Brovelli, Wittenbacher Gemeinderat und Präsident Arbeitsgruppe Schulhäuser Dorf.

Bild: PD
«Leere Häuser sehen einfach schlecht aus, sie verlieren ihren Charme.»

Die Arbeitsgruppe Schulhäuser Dorf befasst sich seit vergangenem Sommer mit der Zukunft der Schulhäuser. Sie soll dem Gemeinderat einen Vorschlag für die weitere Verwendung der Häuser machen. Die Arbeitsgruppe setzt sich nebst Bruno Brovelli aus folgenden Mitgliedern zusammen:

  • Urs Schnelli, Gemeinderat
  • Thomas Meister, Primarschulratspräsident
  • Boris Schedler, Primarschulrat
  • Michel Klein, IG Denk-Mal
  • Carlos Martinez, Architekt und Arealentwickler
  • Kevin Länzlinger, Bauverwaltung und Aktuar

Man habe während und seit der Bürgerinformation zahlreiche Rückmeldungen zu den Schulhäusern erhalten, sagt Brovelli. Die Arbeitsgruppe habe die Szenarien ausgewertet und beurteilt.

Dadurch, dass die Grundstücke sich in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen befinden, komme ein Abbruch oder Verkauf der Liegenschaften zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage und sei rechtlich auch nicht möglich. Auch eine gewerbliche Nutzung ist nicht zonenkonform.

Auch dieses Schulhaus wird ab diesem Herbst leer stehen.

Auch dieses Schulhaus wird ab diesem Herbst leer stehen.

Bild: Ralph Ribi (5. November 2019)

Bis klar sei, was mit der Schulanlage dereinst passieren soll, wird es laut Brovelli noch Jahre dauern. «Das ist eine Frage der Raumplanung.» Es dürfte erst in fünf bis sieben Jahren feststehen, wie man das Gebiet entwickeln und umzonen wolle. «Wir wollen die Schulhäuser nicht isoliert betrachten, sondern das Areal als Ganzes, mit der Grünfläche und der Wiese, wo heute das Migros-Provisorium steht.»

Wittenbacher werden nicht per se bevorzugt

Weil eine Arealentwicklung noch weit weg ist, will der Gemeinderat ab 2021 eine öffentliche zonenkonforme Zwischennutzung ermöglichen. Das Interesse scheint da zu sein. Seit die Mitteilung Ende vergangener Woche publiziert wurde, haben sich laut Brovelli bereits «einige Interessenten», unter anderem Musikbands, gemeldet.

«Solche Räume sind scheinbar in Wittenbach gefragt.»

Beim Grossteil der Interessenten handle es sich um Wittenbacherinnen und Wittenbacher. Das sei aber kein Kriterium, um einen Raum mieten zu dürfen. Falls sich aber unglaublich viele Leute aus der Gemeinde melden, würde man diese natürlich bevorzugen. Brovelli:

«Ich bezweifle aber, dass sich so viele Wittenbacher melden, um zwei Schulhäuser zu füllen.»

Miete beträgt zwischen 50 und 100 Franken

In den beiden Schulhäusern befinden sich laut Brovelli 30 bis 40 Räume. Diese können ab dem 1. Januar 2021 gemietet werden. Die Zwischennutzung soll einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen, als Beispiele werden Probe- oder Bastelräume genannt.

Die Nutzung ist zeitlich auf fünf Jahre begrenzt. Eine Option für Verlängerung (1-Jahr-Rhythmus) kann je nach Stand der Orts- und Raumplanung in Aussicht gestellt werden. Die Mietzinskosten pro Monat/Raum betragen zwischen 50 und 100 Franken.

Wer Interesse hat, kann sich bis 15. Mai unter bauverwaltung@wittenbach.ch melden. Die Arbeitsgruppe wird die Ideen, Wünsche und Anfragen prüfen. «Natürlich kann man sich auch später für Räume melden, die noch frei sind», sagt Brovelli. Man wolle zunächst aber herausfinden, wie gross das Bedürfnis wirklich sei.

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