Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Proben für die dritte Rosenberg-Röhre: Spezialisten bohren auf dem Olma-Areal

Auf dem Olma-Gelände vor und unter Halle 9 bohren Fachleute über 20 Meter in die Erde. Die Proben aus der Tiefe sind wegweisend für die dritte Tunnelröhre durch den Rosenberg: Sie bestimmen, wie und wo in den nächsten Jahren gebaut wird.
Seraina Hess
Bohrmaschine im Einsatz: 1500 Umdrehungen pro Minute bei einem Druck von 20 bar. (Bild: Michel Canonica)

Bohrmaschine im Einsatz: 1500 Umdrehungen pro Minute bei einem Druck von 20 bar. (Bild: Michel Canonica)

Zum Scheitern bringen können sie den geplanten Bau der dritten Tunnelröhre nicht. Doch die wissenschaftlichen Daten, die Geologin Anja Pestalozzi in den nächsten Wochen auswerten wird, dienen dem Bundesamt für Strassen (Astra) als Grundlage für das 460 Millionen Franken teure Projekt. Sie geben Aufschluss darüber, wie, wo und unter welchen Sicherheitsvorkehrungen der Tunnel aufgefahren werden kann. «Weiches Material oder Risse im Untergrund sind tückisch und entscheiden darüber, ob gebohrt oder gesprengt, ob die Linienführung beibehalten oder minim verschoben wird», sagt die 31-Jährige. Unmöglich, einen Tunnel zu erstellen, sei es nie:

«Technisch gesehen kann man ihn überall bauen – am Ende ist es eine Frage des Geldes.»

Vor der Halle 9 ist eines der Zweierteams am Werk: Bohrmeister und Bohrgehilfe bedienen die Maschine der Kibag Bohrungen AG. (Bild: Michel Canonica)
Die Rohre des Bohrgeräts werden zusammengesteckt, bis sie die gewünschte Tiefe erreichen. (Bild: Michel Canonica)
Geologin Anja Pestalozzi leitet die Arbeiten und wird die Bohrkerne später auswerten. (Bild: Michel Canonica)
Am Ende des letzten Rohres befinden sich Industriediamanten, die sich Zentimeter um Zentimeter in die Tiefe schleifen. (Bild: Michel Canonica)
Präzisionsarbeit bei der Zusammenführung der Doppelkernrohre. (Bild: Michel Canonica)
Bedient wird die Maschine vom Bohrmeister... (Bild: Michel Canonica)
... die anderen Arbeiten übernimmt der Bohrgehilfe. (Bild: Michel Canonica)
Die gesamte Bohrung wird stets mit Wasser gekühlt - die Doppelkernrohre würden sonst schmelzen. (Bild: Michel Canonica)
Sind die Bohrkerne erst einmal entnommen, landen sie in Holzkisten, bis es weiter ins Zwischenlager im Neudorf geht. (Bild: Michel Canonica)
Dort werden schliesslich Proben entnommen, auf die Anja Pestalozzi ihre wissenschaftlichen Auswertungen stützen kann. (Bild: Michel Canonica)
10 Bilder

Olma-Areal: Fachleute bohren bis zu 35 Meter in die Tiefe

Ob ein Projekt teurer oder günstiger wird, hängt nicht nur, aber auch von der Beschaffenheit des Gesteins ab. Das Astra will die dritte Rosenberg-Tunnelröhre voraussichtlich ab 2031 verwirklichen, um den prognostizierten Verkehrsengpass zu beseitigen. Einer der ersten von unzähligen Schritten bis dahin sind die 21 Sondierbohrungen auf städtischem Boden, geleitet von Anja Pestalozzi und Dirk Alfermann, Ingenieur der Kibag Bohrungen AG. Mit ihren Geräten dringen sie in Tiefen zwischen 15 und 120 Metern ein und entnehmen dem Erdreich Material – unter anderem beim Werkhof Wiedacker und auf der Kinderfestwiese. Oder, wie vergangene Woche, auf dem Olma-Areal.

Ingenieur Dirk Alfermann und Geologin Anja Pestalozzi leiten die Bohrarbeiten in der Stadt. (Bild: Michel Canonica)

Ingenieur Dirk Alfermann und Geologin Anja Pestalozzi leiten die Bohrarbeiten in der Stadt. (Bild: Michel Canonica)

Die Röhre, an deren Ende heisse Luft ins Freie dringt und die das Treppenhaus hinunter in die Tiefgarage führt, verrät bereits, dass unter der Halle 9 mit schwerem Gerät gearbeitet wird. Die Röhre mündet in einem Generator, der die Maschine antreibt, um die sich heute alles dreht: das Bohrgerät, das den Spezialisten Einblick in den Untergrund St. Gallens gewährt. In der Tiefgarage liegen bereits mehrere Meter Bohrkerne in Holzkisten verpackt, bereit zum Abtransport ins Zwischenlager im Neudorf, wo Proben entnommen und im Labor untersucht werden. Auf die Widerstandsfähigkeit gegen Druck etwa, um die Stabilität des Felsens zu ermitteln. Oder auf ihren Quarzgehalt, der Rückschlüsse auf den zu erwartenden Werkzeug-Verschleiss beim bevorstehenden Tunnelbau zulässt.

Die Gesteinsschichten direkt unter den Olma-Hallen bestehen aus Kies, danach aus lockerem Material der Moräne; ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen die Stadt noch vom Gletscher bedeckt war. Weil die geplante Tunnelröhre auf Höhe der Bohrstelle beginnen und erst später in die Tiefe abfallen soll, müssen Bohrmeister und -gehilfe mit ihrer Maschine hier nur 19 Meter überwinden.

Ständig gekühlt, um nicht zu schmelzen

Zentimeter um Zentimeter schleifen sich die Industriediamanten am Ende des Doppelkernrohres in den Untergrund der Garage, ständig mit fliessendem Wasser gekühlt, damit das Rohr nicht schmilzt. Ist die gewünschte Schicht erreicht und die Probe von etwa eineinhalb Metern Länge im Rohr enthalten, werden die Elemente zurückgefahren und auseinandergeschraubt, sodass dem letzten Abschnitt der Bohrkern entnommen werden kann – die Bohrung in die nächste Schicht beginnt.

Die Facharbeiter bedienen die Maschine stets zu zweit.(Bild: Michel Canonica)

Die Facharbeiter bedienen die Maschine stets zu zweit.
(Bild: Michel Canonica)

Das wiederholen die beiden Facharbeiter, bis sie schliesslich auf den Fels treffen, durch den die Tunnelröhre führen soll: in diesem Fall durch ein Gemisch aus Mergel und Sandstein. «Letzterer ist uns der liebste», sagt Dirk Alfermann durch den Lärm der Maschine, der in der Tiefgarage von den Wänden hallt. Anja Pestalozzi ergänzt: «Sandstein ist in dieser Region das idealste vorzufindende Gestein.» Das stabile Material habe allerdings den Nachteil, stark abrasiv zu wirken. Kurz: Beim Bau der dritten Tunnelröhre ist mit einem hohen Materialverschleiss zu rechnen.

Je nach Standort der Bohrung kann das Vordringen bis auf Tunnelniveau etwas dauern – so auch auf der Kinderfestwiese mit einer Bohrtiefe von 120 Metern. Die Geräte der Kibag Bohrungen AG, die in der Stadt im Einsatz sind, drehen 1500 mal pro Minute bei einem Druck von 20 bar. Draus resultiert eine Bohrgeschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Arbeitstag, stets abhängig von den Eigenschaften des Untergrundes.

Ein Mandat über Jahrzehnte

Das Team auf dem Olma-Gelände vor der Halle 9 muss mit 35 Metern etwas tiefer bohren als jenes in der Garage. Es wird das Ziel aber noch am Abend des gleichen Tages erreicht haben, mit ähnlichen Ergebnissen wie die Kollegen ein paar Stockwerke tiefer. Damit sind die Arbeiten noch nicht beendet: Das mit etwa 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser zwar unauffällige, aber nicht minder tiefe Bohrloch wird mit einem Piezometer ausgestattet, mit dem sich der hydrostatische Druck messen lässt. Danach füllen es die Arbeiter mit Kies, Tonkugeln und Sand auf und schliessen es mit einem Schacht.

Die entnommenen Bohrkerne werden in Kisten verpackt, bis Proben davon zur Untersuchung im Labor eintreffen. (Bild: Michel Canonica)

Die entnommenen Bohrkerne werden in Kisten verpackt, bis Proben davon zur Untersuchung im Labor eintreffen. (Bild: Michel Canonica)

Auch Geologin Anja Pestalozzi wird das Projekt nach Abschluss der rund eine halbe Million Franken teuren Bohrarbeiten noch eine Weile weiterbeschäftigen. Ihrem Arbeitgeber, der CSD Ingenieure AG, obliegt das Mandat der geologischen Begleitung, bis die dritte Rosenberg-Röhre eröffnet wird. Und dieser Zeitpunkt steht im aktuellen Stadium der Vorarbeiten noch nicht fest.

Die dritte Röhre: Eines von vier Autobahn-Projekten

Auf der Stadtautobahn A1 gibt es derzeit vier Projekte, die zwar koordiniert, aber teils separat bearbeitet werden. Dazu gehört die Instandsetzung des Autobahnabschnitts zwischen Winkeln und Neudorf inklusive der Anschlüsse Kreuzbleiche und St. Fiden. Zudem ist der der Bau einer dritten Röhre durch den Rosenberg sowie der Neubau einer Teilspange zum Güterbahnhof und weiter in die Liebegg geplant. Die Projekte werden auf ein viertes abgestimmt, auf die Überdeckung der Autobahn im Bereich St. Fiden. Die Olma-Messen planen hier eine Erweiterung des Messegeländes. Der bestehende Rosenbergtunnel soll deshalb um etwa 180 Meter verlängert werden. (seh)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.