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Pro & Contra:
Jetzt startet die Grümpelisaison

Die ersten Grümpelturniere beginnen in diesen Wochen in und rund um St.Gallen. Damit startet die grosse Zeit der Hobbykicker, aber auch der Verletzungen. Die Redaktoren Adrian Lemmenmeier und Christoph Renn argumentieren für und gegen das Grümpeli.
Christoph Renn, Adrian Lemmenmeier
Auf 1000 Hobbykicker gibt es an Grümpelturnieren 3,5 Unfälle. (Bild: Michel Canonica)

Auf 1000 Hobbykicker gibt es an Grümpelturnieren 3,5 Unfälle. (Bild: Michel Canonica)

(ren) Mit dem Heimspiel gegen den FC Lausanne geht am Samstag die Saison 2017/2018 für die Profifussballer des FC St.Gallen zu Ende. Kaum gehen die bezahlten Kicker in ihre Ferien, startet die Saison für die Hobbykicker. Denn ab Mitte Juni spielen sie wieder um Ruhm und Ehre an etlichen Grümpelturnieren in Stadt und Umgebung.

Für viele haben die Fussballturniere in ihrem Quartier oder ihrem Dorf Tradition. Die Bevölkerung versammelt sich rund um den Fussballrasen. Auf dem Feld versuchen Jung und Alt den Ball ins Tor zu bringen. Neben dem Rasen fliesst Bier aus dem Zapfhahn und Bratwürste brutzeln auf dem Grill. Das gesellige Beisammensein steht im Zentrum.

Die Lust am runden Leder kann jedoch schnell zu Frust werden. Denn auf 1000 Teilnehmer hat die Unfallversicherung Suva im vergangenen Jahr 3,5 Unfälle registriert. Diese Zahl ist in den letzten Jahren stark rückläufig geworden. So haben sich vor 20 Jahren gemäss Suva noch 15 von 1000 Hobbykickern an einem Fussballturnier verletzt. Über das ganze Jahr gibt es auf den Schweizer Fussballplätzen rund 45000 Unfälle. (ren)

Pro: Grümpeliturniere sind die perfekte Zeitmaschine

Redaktor Adrian Lemmenmeier

Redaktor Adrian Lemmenmeier

Hobbyfussballer, die in sengender Hitze dem Ball nachstolpern, in den Pausen Würste verdrücken und danach Bier trinken. So ein Grümpelturnier ist etwas Feines. Dabei geht es nicht um den Sport. Auch nicht ums Bier. Und schon gar nicht um die Wurst. Nein, wie immer beim Fussball geht es um viel mehr: Grümpelturniere erleichtern uns das Leben.

Der Reihe nach. «Sind Sie älter als 25?» Das fragte mich eine Ärztin, als ich sie wegen einer Sportverletzung aufsuchte. Als ich mit «Ja» antwortete, sagte sie: «Dann sollten Sie nicht mehr Fussball spielen, wenn Sie kein Profi sind.» Natürlich. Mit dem Alter steigt das Verletzungsrisiko. Und mit ihm steigen die Versicherungsprämien. Rechnerisch gesehen sind Grümpelturniere also ein Unding.

Wieso aber treffen sich Amateurfussballer (Männer wie Frauen) bis ins hohe Alter auf dem Bolzplatz? Simpel: Sie entfliehen ihrem Dasein. Denn Hobbyfussballer haben eine spezielle Eigenschaft. Ihre Existenz beginnt erst im 16. oder 17. Lebensjahr. Davor sind sie alle potenzielle Profis. Ihr verborgener Traum von der Weltkarriere stirbt meistens dann, wenn sie merken, dass die Spieler der Nationalmannschaft in ihrem Alter sind. Eine ähnliche Erkenntnis hatten übrigens viele Hobbypolitiker, als Sebastian Kurz österreichischer Bundeskanzler wurde.

Das Grümpelturnier lässt den Hobbykicker vergessen, dass der Zug längst abgefahren ist. Gleitet der Ball von seinem schütter behaarten Haupt ins lange Eck, fühlt er sich eine Sekunde lang wie mit 14 – als die Profikarriere vielleicht unrealistisch weit, aber theoretisch möglich war. Die perfekte Zeitmaschine.

Was aber geschieht, wenn sich der Hobbyfussballer verletzt? Wenn er schreiend, gestützt auf die Schultern der Kameraden, vom Feld humpelt – im Ohr bereits die Standpauke der Freundin, er solle es doch endlich sein lassen mit dem Fussball? Dieses Moment ist ebenso wichtig. Denn dann findet der Hobbyfussballer in die ungeschminkte Realität zurück – und wird mit seiner Vergänglichkeit konfrontiert.

Im Mittelalter stellte man sich einen Totenschädel auf den Tisch, um sich seiner Nichtigkeit bewusst zu werden. Heute genügt das Grümpelturnier. Man muss sich übrigens nicht einmal verletzen. Schon ein übers Tor gehauener Elfer hilft manchem zur Erkenntnis, dass es im Leben Wesentlicheres gibt.

Contra: Blutgrätschen und übereifrige Amateure

Redaktor Christoph Renn

Redaktor Christoph Renn

Grümpeli haben Tradition. Ganze Dörfer versammeln sich um den Fussballrasen. Die Kleinsten jagen dem runden Leder nach, die Älteren betrinken sich gemütlich. Eigentlich alles schön und recht. Doch haben Grümpeli auch unschöne Traditionen: übertrieben aggressive Hobbykicker – auf und neben dem Platz – und Verletzungen am Laufmeter.

Gegen die Grundidee des Grümpelis ist zugegebenermassen nur schwer etwas einzuwenden. Quartiere und Dörfer treffen sich zum gemeinsamen Kicken. Doch so idyllisch verlaufen die meisten Grümpeli dann leider doch nicht. Denn es gibt gewisse Hobbykicker, die nicht zwischen Ernstkampf und Freundschaftsspiel unterscheiden können. Normalbürger verwandeln sich in fluchende und aggressive Zeitgenossen. Alles unter den Augen der Kleinen.

Leider bleibt es oft nicht nur bei verbalen Beleidigungen. Blutgrätschen in die Waden des schnelleren Gegners sind ein gern gewähltes Mittel. Ob absichtlich oder nicht spielt dabei nicht einmal eine Rolle. Den kaputten Bändern ist’s egal, ob der Dorfmessi oder der Stadtronaldo beim Einsteigen eine Verletzung in Kauf genommen hat oder nicht. Die Übeltäter sind meist die ewig jungen Mittdreissiger, die nicht einsehen wollen, dass sie ihren Zenit überschritten haben und es nicht ertragen, wenn ein Jüngerer sie schwindlig spielt. Sie wissen sich oft nur noch mit einem Foul zu wehren.

Die Zahlen der Unfallversicherung Suva sprechen eine deutliche Sprache. Auf 1000 Hobbykicker gab es im vergangenen Jahr 3,5 Unfälle. Natürlich ist die Chance klein, das es einem selbst trifft. Ist der Preis jedoch ein gebrochener Fuss oder ein zertrümmertes Knie, ist die «Gewinn»-Quote dann aber doch zu hoch.

Wer es sich leisten kann, sich bis zum Grümpeli im kommenden Jahr auszukurieren, den mag das nicht stören. Doch wer in seiner Freizeit regelmässig Sport treibt, der kann schon lange nicht mehr an Grümpeli teilnehmen. Wer möchte schon seine ganze Saison von einem Holzfuss aus dem Dorf zerstören lassen. Zum Glück gibt es auch Handball- oder Volleyball-Plauschturniere. Ihr Vorteil: Übertriebener Ehrgeiz, übereifrige Amateure und Aggressionen bleiben von Anfang an vor der Halle.

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