Flugplatz Altenrhein: Während der Coronapandemie für Hobbyflieger offiziell geschlossen – dennoch starten regelmässig private Sportflugzeuge

Es handle sich dabei um «zwingende» Flüge, sagt der Flugplatzsprecher.

Martin Rechsteiner
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Die Piste des Flugplatzes Altenrhein bleibt dieser Tage meist leer.

Die Piste des Flugplatzes Altenrhein bleibt dieser Tage meist leer.

Bild: OT-Archiv

Die Coronakrise trifft die Fliegerei. So herrscht derzeit ein Flugverbot für Kleinflugzeuge in Altenrhein. Allerdings starten und landen auf dem Flugplatz regelmässig kleine Maschinen und Helikopter.

Dabei hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) im März Vorschriften erlassen, die den Flugplatz Altenrhein mit seiner verhältnismässig grossen Zahl an Privatflügen betreffen. So sind Vereinsaktivitäten wie Schulungen oder Rundflüge nicht mehr erlaubt. Sämtliche privaten, nicht zwingenden Flüge sollen auf ein Minimum reduziert werden.

Flugplatz macht praktisch dicht

Die Gesellschaft People’s, die den Flugplatz betreibt, reagierte damals rasch: Sämtliches Fluggerät, das leichter ist als drei Tonnen, darf während der Coronazeit nicht mehr verkehren. Und was mehr wiegt, beziehungsweise ein maximales Abfluggewicht von über drei Tonnen auf die Waage bringt, darf nur mit einer Bewilligung abheben oder landen. Das schrieb die Gesellschaft in einer Medienmitteilung am 18. März, zwei Tage nach Lockdownbeginn. Ihre Linienflüge hat People’s bis mindestens am 2. Juni eingestellt.

Demnach müsste derzeit Ruhe eingekehrt sein auf dem Altenrheiner Flugfeld. Das ist allerdings, laut den Anwohnern, nicht der Fall. Zum Beispiel ein Herr aus Staad, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt:

«In Altenrhein wird nach wie vor weitergeflogen.»

Er will regelmässig kleine Propellermaschinen beobachtet haben, die starten und landen. «Auch Helikopter sind immer mal wieder unterwegs», sagt der Mann, der laut eigenen Angaben in der Anflugschneise lebt.

Zehnmal weniger Flüge

Ein Blick auf die Flugpläne des Schweizer Flugsicherungsunternehmens Skyguide, das Flugbewegungen im Luftraum des Landes registriert, zeigt: Viel läuft in Altenrhein im Vergleich zu sonst nicht mehr. Seit dem Lockdown und den Weisungen des Bazl wird massiv weniger geflogen. Waren es zwischen dem 16.März und dem 22. April 2019 rund 990 Flugbewegungen, die am Flugplatz am See stattfanden, gab es dieses Jahr im gleichen Zeitraum noch deren 100 – also rund zehnmal weniger.

Thomas Mary ist Pressesprecher der Airline und Flugplatzbetreiberin  People's,

Thomas Mary ist Pressesprecher der Airline und Flugplatzbetreiberin  People's,

PD

Nicht erfasst sind in dieser Zählung aber die Flugbewegungen auf Sichtflug – und damit jene der kleinen Sport- und Segelflieger von Privaten, die grösstenteils tagsüber und bei klarem Wetter unterwegs sind. Diese registriert nicht Skyguide, sondern die Flugplatzbetreiberin People’s selbst. Mediensprecher Thomas Mary spricht von «einem extrem stark reduzierten Flugbetrieb auch bei Kleinflugzeugen». Dort seien es etwa zehn Starts wöchentlich.

Flüge sind «zwingend»

Diese dürften derzeit, nach eigener Regelung der People’s, aber gar nicht stattfinden. Nimmt es die Betreiberin des Flugplatzes Altenrhein hier mit den bundesrätlichen Weisungen und vor allem mit den eigenen Hausregeln tatsächlich nicht so genau? «Natürlich halten wir uns an die Regeln», sagt Mary. Das Bazl verbiete Flüge, auch von kleineren Flugzeugen, nicht grundsätzlich. Der Flugplatz-Sprecher sagt:

«Diese Flüge müssen sogar stattfinden, weil private Piloten ihre Lizenzen verlieren, wenn sie nicht auf genügend Flugstunden kommen.»

Weiter müssten Flugzeuge aus Sicherheits- und Wartungsgründen in gewissen Abständen geflogen werden. Deshalb gebe es am Flugplatz Altenrhein einige Starts und Landungen. «Es handelt sich somit um zwingende Flüge. Die Bazl-Vorschriften, etwa zur Besatzungsgrösse und Abständen im Cockpit, müssen die Piloten einhalten.»

Zeitfenster für Privatpiloten

Weil es sich wirtschaftlich aber nicht lohne, den derzeit auf Ruhemodus gelegten Flugplatz wegen einzelner, kleiner Flugzeuge hochzufahren, habe man das grundsätzliche Verbot für Maschinen unter drei Tonnen eingeführt, sagt Mary.

Stattdessen gebe es jetzt Zeitfenster, in denen der Flugplatz für Kleinflugzeuge und Helikopter, die in die Luft müssen, geöffnet ist. «Das geschieht etwa einmal die Woche während zwei bis drei Stunden.» Die Anzahl teilnehmender Flugzeuge schwanke, belaufe sich durchschnittlich aber auf etwa zehn. «Das sind massiv weniger als sonst. Die Coronakrise betrifft uns stark.»