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Der neue Pfarrer in Eggersriet und Grub ist auch Pilger und Psychologe

Eugen Wehrli ist am Sonntag in Eggersriet-Grub zum Priester gewählt worden. Bereits kurz nach seiner Ankunft steht der nächste Aufbruch an. Der Jakobsweg ist nicht der einzige steinige Weg in seinem Leben.
Noemi Heule
Bevor Eugen Wehrli regelmässig durch die Gruber Kirchtüre tritt, schnürt er die Wanderschuhe und nimmt den Jakobsweg unter die Füsse. (Bild: Michel Canonica)

Bevor Eugen Wehrli regelmässig durch die Gruber Kirchtüre tritt, schnürt er die Wanderschuhe und nimmt den Jakobsweg unter die Füsse. (Bild: Michel Canonica)

Kaum angekommen, bricht Eugen Wehrli wieder auf. Vor zwei Wochen zügelte der Priester mit Sack und Pack ins Gruber Pfarrhaus, nun packt er nur soviel ein, wie in seinen Rucksack passt. Neben der Eingangstür warten Wanderschuhe, Wanderstöcke und eine feuerrote Regenjacke. Heute treten sie ihren Dienst an. Und werden fortan jeden Tag gebraucht, zwei Monate lang. Bis Eugen Wehrli nach 1150 Kilometern auf dem Jakobsweg die spanische Stadt Burgos erreicht.

Eugen Wehrli ist der neue Pfarrer in Eggersriet, Grub, Rehetobel, Heiden, Walzenhausen und Oberegg. Am Sonntag wählten ihn die Kirchbürger von Eggersriet an einer ausserordentlichen Versammlung zum neuen Priester. Zuvor stand Wehrli zum ersten Mal vor den hiesigen Kirchbürgern. Er hielt seine Antrittspredigt und stellte sich vor: Wie er im Toggenburg aufwuchs, Theologie studierte und im Rheintal eine Stelle als Kaplan annahm. Wie er später 18 Jahre lang als Pfarrer in Eschenbach wirkte und nun eine neue Herausforderung sucht. «Mit 54 Jahren bin ich bereit, nochmals durchzustarten.» Bevor er aber im November durchstartet, will er nochmals zur Ruhe kommen.

Sich selbst, den Menschen und Gott begegnen

Nicht zum ersten Mal nimmt Eugen Wehrli den Jakobsweg unter die nagelneuen Wanderschuhe. Er sei ein regelrechter «Jakobsweg-Junkie», sagt er. Die Strecke von Rorschach bis Santiago hat er bereits zurückgelegt und alle Hauptwege beschritten. Mit einer Ausnahme: die Via Tolosana. Der südlichste der vier Jakobswege in Frankreich fehlt noch auf seiner Wanderkarte. Er beginnt in Arles, streift den Namensgeber Toulouse und biegt nach den Pyrenäen in den Hauptweg, den Camino Francés, ein. Wandern auf dem Jakobsweg sei für ihn die beste Form der Auszeit für Leib und Seele.

«Man begegnet sich selbst, man begegnet seinen Mitmenschen und man begegnet Gott.»

Zusammen einem grossen Ziel entgegen zu laufen, entwickle eine eigene Dynamik. Ja, der Jakobsweg ist für Wehrli gar ein Gleichnis für das Leben. Es bestehe nicht nur aus Sahnehäubchen, sondern auch aus teerigen Wegstrecken und kiesigen Partien.

Pfarrer, Lehrer, Musiker oder doch Psychologe?

Von einem steinigen Weg spricht Wehrli auch, wenn er von seinem Werdegang zum Priester spricht. Zwar war er sich schon in der Primarschule sicher, dass er einmal Pfarrer werden wollte. Später hätte er sich auch Lehrer, Musiker oder Elektroingenieur vorstellen können. Auch als er mit dem Studium begann, schwankte er zwischen Psychologie und Theologie. Er wählte beides, das eine im Neben- das andere im Hauptfach. Bald aber merkte er, dass die entscheidenden Fragen für ihn nicht in der Psychologie, sondern in der Theologie beantwortet werden. Dennoch fiel ihm Entscheidung nicht leicht, zweifelte er vor allem in der Jugend an Gott. Ganz aufgegeben hat er aber auch die Psychologie nicht.

«Als Pfarrer geht es immer um die Beziehung zu Menschen.»

Das ist für ihn denn auch der schönste Moment seiner Arbeit, wenn Menschen sich öffnen, von ihrem Leben erzählen. Doch auch die Gottesdienste, der Unterricht, die Seelsorge gefällt ihm. «Als Pfarrer kann man Allrounder sein», sagt er. Dazu gehört auch das Organisatorische.

Und davon gibt es rund um Eggersriet-Grub genug zu tun. Vor drei Jahren wurde die Seelsorgeeinheit über dem Bodensee gegründet. «Der Zusammenschluss ist jung, vieles muss noch organisiert werden», sagt er und spricht von Prozessoptimierung und neuen Strukturen, um die vier Pfarreien aufeinander abzustimmen. Mit einem solchen Zusammenschluss hat Wehrli Erfahrung. Auch in Eschenbach baute er eine Seelsorgeeinheit. Ein fertiges Konzept hat Wehrli aber nicht in der Tasche. «Ich schaue zuerst, was hier läuft und was hier lebt.» Wenn er dann die rote Regenjacke wieder gegen das Priestergewand tauscht.

Fünf Pfarreien, drei Kantone, eine Einheit

Vor drei Jahren wurde die Seelsorgeeinheit über dem Bodensee von Bischof Markus Büchel ins Leben gerufen. Sie erstreckt sich über drei Kantone – St. Gallen und beide Appenzell – und umfasst fünf Pfarreien: Oberegg-Reute, Walzenhausen, Heiden-Rehetobel, St. Anna in Eggersriet und Johannes der Täufer in Grub SG. Zwischen den beteiligten Pfarreien soll ein intensiver Austausch und eine enge Zusammenarbeit stattfinden. (nh)

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