Presseschau
Maria Pappas Wahl ins St.Galler Stadtpräsidium macht auch in der Heimat ihrer Eltern Schlagzeilen: «Vom tiefen Süden des Stiefels auf die verschneiten Gipfel der Alpen»

Eine Woche ist es her, dass Maria Pappa als neue St.Galler Stadtpräsidentin gewählt wurde. Ihre Wahl wurde nicht nur in Schweizer Medien als historisch kommentiert: Auch in der Heimat ihrer Eltern, der süditalienischen Region Kalabrien, hat man von ihrer Wahl Notiz genommen.

Luca Ghiselli
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Die kalabresische Tageszeitung «Quotidiano del Sud» ist auf den Wahlsieg Maria Pappas aufmerksam geworden.

Die kalabresische Tageszeitung «Quotidiano del Sud» ist auf den Wahlsieg Maria Pappas aufmerksam geworden.

Screenshot: Il Quotidiano del Sud

Sie hat es sogar auf die Titelseite geschafft: Maria Pappa lächelt zufrieden von der Frontseite von «Il Quotidiano del Sud». Die süditalienische Tageszeitung widmet der neu gewählten St.Galler Stadtpräsidentin in seiner Sonntagsausgabe reichlich Platz. Der Grund ist klar: Pappas Eltern stammen aus der Region Kalabrien – ihre Mutter aus der 30'000-Einwohner-Stadt Vibo Valentia, ihr Vater aus dem rund 15 Kilometer entfernten Dorf Rombiolo. Grund zu Freude und zu Stolz. Die Zeitung schreibt mit einer Extraportion Pathos:

«Vom tiefen Süden des Stiefels auf die verschneiten Gipfel der Alpen. Eine Geschichte der Migration, der Befreiung und des Stolzes. Eine Geschichte, welche die hochgelegenen Gipfel der Bergkette überschritten hat und es bis zum südlichsten Zipfel des Apennins geschafft hat.»

Maria Pappa, schreibt die Zeitung, habe mit ihrer Wahl gleich zwei Premieren gefeiert: Sie sei einerseits die erste Bürgermeisterin aus Vibo im Ausland, andererseits die erste Frau des «heiteren Städtchens auf der Alpennordseite». Es folgt eine mehr oder weniger detaillierte Aufarbeitung von Pappas Familiengeschichte (ihre Eltern wanderten Ende der 1960er-Jahre nach St.Gallen aus, der Vater arbeitete als Maler, die Mutter war Hausfrau und schaute zu den drei Kindern).

Die Ochsentour im Schnelldurchgang

Pappa habe ihre politische Karriere, schreibt das Blatt weiter, erst in den vergangenen zehn Jahren in Angriff genommen (Anm. d. Red. Pappa wurde 2012 als Quereinsteigerin ins Stadtparlament gewählt). Dazu heisst es, sie sei aufs Ganze gegangen und habe als «überzeugte Sozialistin» die Ochsentour begonnen, und damit ihren stetigen Aufstieg. Sie habe sich den Respekt der eigenen Partei und der Gegner verschafft, indem sie auf den Dialog gesetzt habe.

Vom Süden des Stiefels, über 1400 Kilometer von St.Gallen entfernt, gibt's gleich auch noch eine Einschätzung zum Wahlausgang: «Wahrscheinlich war Pappa nicht die Favoritin für den finalen Sieg, aber ihre Bekanntheit, gerade im Vereinswesen, bei sozialen Organisationen und in der Politik, haben ihr ermöglicht, die Konkurrenz hinter sich zu lassen.»

Verwandte und Lokalpolitik voll des Lobes

Auch Maria Pappa selbst kommt im Artikel zu Wort. Zu Kalabrien etwa («Ich kehre zurück, wann immer ich kann. Üblicherweise im Sommer, und es ist immer ein grosses Fest»), zum Verhältnis zu ihren Wurzeln («Es ist wichtig, die Verbindung zum eigenen Herkunftsort lebendig zu halten, weil man nie vergessen sollte, wer man ist») und zu ihrer Wahl («Eine schöne Genugtuung»). Ihre Verwandten in Kalabrien haben für die neue St.Galler Stadtpräsidentin auch nur lobende Worte übrig. Sie sei «eine intelligente, starke Frau, die fest an das glaubt, was sie tut und gleichzeitig offen für den Dialog ist», auch wenn dieser mal hart ausfalle.

Gratulationen gibt es schliesslich auch aus der kalabresischen Lokalpolitik. Domenico Petrolo, Bürgermeister der 4400-Einwohner-Gemeinde Rombiolo, wo Maria Pappas Vater herkommt, sagt gegenüber der süditalienischen Zeitung: «Eine Tochter dieses Fleckchens Erde hät den Namen Rombiolos auf der anderen Seite der Alpen hoch. Das ist Grund zum Stolz für uns alle.»