Bälle putzen, Snacks verteilen, VIPs empfangen: Als Helfer am Rorschacher Beachevent

Es ist ein beliebter Sportanlass, der Coop-Beachevent lockt von Donnerstag bis Montag hunderte an. Ohne freiwillige Helfer geht es nicht am Rorschacher Grossanlass - ein Erfahrungsbericht.

Anne-Sophie Walt
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(Bild: Jolanda Riedener)
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(Bild: Jolanda Riedener)
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(bild: Rudolf Hirtl)

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Die Temperaturen hätten auf 23 Grad klettern sollen, verharrten stattdessen am ersten Turniertag bei kühlen 18 Grad. Mit kurzen Hosen, etwas fröstelnd und gleichermassen nervös warte ich beim Eingang zur Beacharena auf dem Rorschacher Hafenplatz und halte Ausschau nach dem Turnierdirektor. Der grossgewachsene Michael Bleiker betraut mich sogleich mit der ersten Aufgabe der siebenstündigen Schicht, bevor ihn schon der Nächste anhaut. «Velos parkieren verboten», steht auf den laminierten Schildern, die mit Kabelbindern an den Gittern um das Areal angebracht werden sollen. «Chunsch jo gar nöd ufe», kommentiert ein älterer Herr meine Tätigkeit. Er bekommt ein schiefes Lächeln.

Als Nächstes geht es ans Klatschpappenfalten. Die Fächer, die zum Applaudieren auf die Hand geklatscht werden, machen einen Höllenlärm. Für meine enthusiastischen acht- bis dreizehnjährigen Arbeitskollegen gilt: Fünfmal klatschen, dann ist Ruhe. Mit ihren kleinen Fingern knicken und biegen sie wie Weltmeister und es ist schwer, dem Tempo standzuhalten. Nach 40 Minuten liegen rund 400 sauber gefaltete Klatschpappen auf dem Tisch.

Zeit für einen Eistee und eine kurze Verschnaufpause. Es ist 16.30 Uhr und auf dem Center Court kämpfen zwei Frauenteams um die Qualifikation ins Hauptfeld. Immer mehr Zuschauer strömen auf die Tribüne, die ersten angeheiterten Gäste bewegen sich etwas steif zu den wummernden Bässen des DJs.

Velofahren und Kleidung entgegennehmen

Die nächste Tätigkeit erfordert Beinmuskulatur und Durchhaltevermögen. Auf einem ungelenkigen Velo inklusive Anhänger, gefüllt mit zweierlei Sorten Nussriegeln, geht es entlang der Seepromenade und ins Stadtzentrum von Rorschach. Gratismuster lassen einige Passanten wahrlich ihre Moral und Sitte vergessen. Manche stürzen sich auf die Snacks als wären sie Gold. Nichtsdestotrotz stelle ich den halb vollen Anhänger nach einer Stunde zurück an seinen Platz. Erleichtert streife ich das Holzfällerhemd und die Hip-Hop-Kappe ab, die während des Einsatzes zu meinem Outfit gehörten.

Zurück auf dem Gelände macht sich mein Magen mit einem lauten Knurren bemerkbar: Eine St.Galler Bratwurst mit Bürli gehört zu jeder Sportveranstaltung. Die Stimmung im Beach-Village ist heiter und sogar die Sonne scheint.

Zwei charmante Frauen stehen am Eingang zum VIP-Bereich, meinem Arbeitsort für die nächste Stunde. Heidi und Astrid geben herzliche Anweisungen und bestärken mich in meiner Arbeit. Fast ein wenig wehmütig verlasse ich die beiden um 19.30 Uhr und begebe mich ins Zentrum des Geschehens – dem Center Court. Einen Match lang stehe ich in einer Ecke des Platzes und befreie die Bälle vom Sand, ehe ich sie mit weichen Knien den gut 15 Zentimeter grösseren Spielerinnen zuwerfe.

Gemütlicher Ausklang eines anstrengenden Tages

Mit Holländer Nout und Österreicher Hubert lasse ich mich zu einem Schwatz hinreissen. Die zwei Weltenbummler, die schon einige Orte ihr Zuhause genannt haben, beeindrucken mich. Es ist kurz vor Feierabend, viel zu tun gibt es ohnehin nicht mehr. Ich mache mich gegen 22 Uhr auf dem Heimweg. Von der Beach-Bar hallt noch immer Ava Max’s «Sweet But Psycho».