Glosse

Präsidentenfeier von Beat Rütsche: Welchem Politiker geht ein Licht auf?

Mit der Wahl der Partylocation hat der neue Parlamentspräsident Beat Rütsche am Dienstagabend klar gemacht, welches politische Thema ihm am Herzen liegt.

Christoph Renn
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Obacht! Beat Rütsche hebt den Finger bei der Rede von Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Obacht! Beat Rütsche hebt den Finger bei der Rede von Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Urs Bucher

Es ist die Tagesbetreuung. Alles, was in der städtischen Politik Rang und Namen hat, hat sich in der Aula des Schulhauses Spelterini zum Apéro eingetroffen.

Mit Beat Rütsche kommen straffe Zeiten auf das Parlament zu. So verwies Stadtpräsident Thomas Scheitlin in seiner Rede auf das neue Zeitmanagement mit der Installation der binären Uhr im Waaghaus, die durch ein Leuchten anzeigt, wann die Zeitlimite der Voten überschritten wird. Er bezweifle aber, dass sich die Politikerinnen und Politiker daran halten werden. Denn: «Politiker sind wie Lehrer, sie reden von einem Läuten bis zum nächsten.» Rütsche hingegen betonte, dass er genau hinschauen werde, bei wem in diesem Jahr ein Licht aufgehen werde.

In seiner Rede gratulierte Scheitlin mit Ehrfurcht zu seinem glanzvollen Resultat bei der Wahl zum höchsten Stadtsanktgaller ohne Gegenstimme. «So ein Ergebnis würde sich jeder Stadtrat auch wünschen.» Und er freue sich auf das kommende Jahr im Parlament. So erwarte er ein noch nie dagewesenes, gemeinsames Jahr. Denn wie die CVP von sich selbst sagt, dass sie die ganze Schweiz zusammenhalte, so erwarte er von Beat Rütsche, das er dieses Versprechen zumindest im Parlament halte.

Mit Beat Rütsche steht laut Scheitlin in diesem Jahr eine ruhige Person an der Spitze des Parlaments. Dies habe er in seinen neun Jahren als CVP-Vertreter gezeigt. Denn er gleiche einem Vulkan. Rütsche sei jeweils ein bis zwei Jahre ruhig geblieben, bis zur Eruption. Dann habe er gleich zwei bis drei Vorstösse nacheinander eingereicht. Und er hält Rütsche zugute, dass er im Parlament ein Rekordhalter ist. «Noch nie hat ein Parlamentarier innerhalb von zwei Monaten die gleiche Anfrage mit dem gleichen Titel eingereicht.» Eine gewisse Hartnäckigkeit sei ihm also nicht abzusprechen. Die Anwesenden gratulierten ihrem neuen Präsidenten mit lautem Gelächter.

Hartnäckigkeit hat an diesem Dienstagabend auch Stadtrat Peter Jans bewiesen. Denn nach dem Apéro sollte die Festgemeinde per Extrabus nach St.Georgen in den Adlersaal transportiert werden. Nur: Vom Bus fehlte jede Spur. Jans legte sich ins Zeug und setzte alle Hebel in Bewegung. Mit Verspätung ist dann der Bus doch noch erschienen. Unterdessen hat sich eine Gruppe aber bereits abgesetzt und ist zu Fuss nach St.Georgen gewandert.

Nach dem Festmahl verabschiedete CVP-Fraktionspräsident Patrik Angehrn die letztjährige Parlamentspräsidentin Barbara Frei. Frau Stichentscheid, wie er sie nannte. Und er schickte eine Hoffnung voraus. «Von mir aus kann es in diesem Jahr wieder vier Stichentscheide geben.» Die Hoffnung, dass ein CVPler das Zünglein an der Waage ist, stirbt also zuletzt.