Postulat
«Studie ist rausgeworfenes Geld»: Das St.Galler Stadtparlament lässt am Bericht zu den Wohnmobilstellplätzen kein gutes Haar

Ein über 100 Seiten starker Bericht zum Wohnmobiltourismus in der Stadt führt in der Parlamentssitzung vom Dienstagabend zu hitzigen Voten.

Sandro Büchler
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Die beiden Stellplätze im Krontal sind in die Jahre gekommen und müssten saniert oder durch alternative Standorte ersetzt werden.

Die beiden Stellplätze im Krontal sind in die Jahre gekommen und müssten saniert oder durch alternative Standorte ersetzt werden.

Bild: Ralph Ribi
(6. August 2019)

Es war zweifelsohne das umstrittenste Geschäft im Stadtparlament am Dienstag. Dabei ging es um Wohnmobilstandplätze in der Stadt St.Gallen. Aufgrund eines Postulats hatte die Stadt in einer Studie abklären lassen, ob sich ein attraktives Angebot an Wohnmobilstellplätzen lohnt. Dies löste bereits vor der Debatte im Stadtparlament kontroverse Reaktionen aus.

Denn der Stadtrat stellt sich im Bericht – abgestützt auf den Expertenbefund – auf den Standpunkt, dass das wertschöpferische Potenzial von Wohnmobiltouristinnen und -touristen auf Stadtgebiet klein sei. Entsprechend will der Stadtrat die zwei bestehenden, sanierungsbedürftigen Stellplätze im Krontal nicht ersetzen – und hofft stattdessen, dass die Olma-Messen ihr temporäres Sommerangebot aus den vergangenen beiden Jahren weiterführen.

In den vergangenen zwei Jahren konnte in den Sommermonaten auf dem Olma-Areal campiert werden.

In den vergangenen zwei Jahren konnte in den Sommermonaten auf dem Olma-Areal campiert werden.

Bild: Ralph Ribi
(17. Juli 2020)

Drei bis fünf Stellplätze auf der Kreuzbleiche

Patrik Angehrn, Stadtparlamentarier Die Mitte

Patrik Angehrn, Stadtparlamentarier Die Mitte

Bild: PD

Patrik Angehrn von der Mitte/EVP-Fraktion liess kein gutes Haar am Stadtrat. Er habe vor zwei Jahren als Postulant einige überschaubare Fragen gestellt. Dass nun eine umfangreiche, 104 Seiten starke Potenzialstudie präsentiert werde, nehme die Fraktion freudig zur Kenntnis – es schiesse aber weit übers Ziel hinaus.

Denn statt eines Luxuscampings habe man lediglich gefragt, wo «bessere Parkplätze» für Wohnmobile möglich seien. «Es geht um drei bis fünf einfache Stellplätze mit Anschlüssen für Strom, Frisch- und Abwasser – ohne Schnickschnack.» Mit 20'000 Franken liesse sich dies auf der Kreuzbleiche rasch realisieren.

Marcel Baur, GLP-Stadtparlamentarier.

Marcel Baur, GLP-Stadtparlamentarier.

Bild: PD

Veronika Meyer (Grüne) brachte zusätzlich das Güterbahnhofareal ins Spiel. «Die mobil Reisenden sind ein ruhiges Völklein.» Marcel Baur (GLP) kritisierte den Vorschlag des Stadtrats, ein Angebot auf dem Olma-Areal weiterzuverfolgen. Dieses stehe wegen Veranstaltungen nicht durchgehend zur Verfügung. Der Bericht sei zudem überrissen, aber mangelhaft, so Baur.

«Ernstgemeinter Tourismus für diese zahlungskräftige Kundschaft geht anders.»
SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli ist nicht der einzige, der die Studie kritisiert.

SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli ist nicht der einzige, der die Studie kritisiert.

Bild: PD

Auch SVP-Parlamentarier Donat Kuratli, selbst «Wohnwagencamper», wie er unterstrich, kritisierte, der Stadtrat habe mit der Studie nicht über den Tellerrand geschaut. «Sie ist herausgeworfenes Geld.»

Energisch verteidigte Stadtpräsidentin den 17400 Franken teuren Bericht. Beim Wort Camping denke sie ans Zelten in der Natur, an lauschige Grillplätze, ans Campieren und gar Begegnungen mit Wildtieren, etwa einem Bär. Mit der Studie habe man die geforderte «Berichterstattung» erfüllt. Ähnliche Fragen seien schon ein Jahr zuvor in einer Anfrage beantwortet worden. Für die Beantwortung des Postulats gen habe man folglich eine Grundlage gebraucht.

«Der Stadtrat kann sich neue Erkenntnisse nicht aus den Fingern saugen.»

Olma-Messen sammeln bereits Erfahrungen

Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Bild: Tobias Garcia

Man habe eine einfache Variante für die Wohnmobiltouristen gesucht. Die Olma-Messen hätten bereits Erfahrungen gesammelt, es gelte aber auch den Betrieb sicherzustellen. Beispielsweise sei eine Auskunftsperson nötig. Dies habe Angehrn bei seinem Vorschlag für die Kreuzbleiche nicht berücksichtigt. An die Adresse der Bürgerlichen zeigte sich Pappa überrascht. Jetzt, da die Stadt Aufgaben mit Privaten anschaue, um kein Geld einzusetzen, sei es wieder nicht recht.

Marcel Baur ergriff erneut das Wort. «Der Stadtrat geht zu weit. Bitte buchstabieren Sie zurück.» Wer eine Person mit ihrem fahrbaren Hotel vergraule, vergraule fünf weitere Wohnmobiltouristen. «Da spielt die Mund-zu-Mund-Propaganda.»

Und auch Patrik Angehrn enervierte sich über Pappas Votum.

«Da werde ich etwas temperiert.»

Mit dem Postulat habe man ja nichts Ungeheuerliches gefordert. Am Schluss wurde das Postulat trotzdem emotionslos mit 53 Ja- und einer Nein-Stimme bei einer Enthaltung abgeschrieben.

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