Mörschwiler stehen dem neuen Postauto zwiespältig gegenüber

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember wird Mörschwil nicht mehr vom St. Galler Stadtbus, sondern vom Postauto bedient. Pendler ziehen eine durchwachsene Bilanz.

Laura Widmer
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Seit Dezember fährt das Postauto durch Mörschwil. (Bild: Benjamin Manser)

Seit Dezember fährt das Postauto durch Mörschwil. (Bild: Benjamin Manser)

An den Anblick haben sich die Mörschwiler mittlerweile gewöhnt: Seit dem Fahrplanwechsel fährt nicht mehr der St. Galler Stadtbus durch das Dorf, sondern das Postauto. Auch die Linienführung hat sich am 9. Dezember geändert: Statt eines direkten Kurses von Mörschwil nach St. Gallen gibt es jetzt zwei. Die Linie 210 kommt von Steinach, die Linie 211 führt von Steinach über Horn und Mörschwil nach St. Gallen. Der Viertelstundentakt ist Mörschwil erhalten geblieben, nur die Abfahrtszeiten haben sich verschoben.

Freitagmorgens um 7.45 Uhr ist die Zahl der wartenden Fahrgäste bei der Haltestelle Mörschwil Kirche im Dorfzentrum klein, offensichtlich sind viele noch in den Ferien. Zu Stosszeiten unter der Woche sieht das anders aus, und die Sitzplätze im Postauto sind bereits belegt, bevor es vom See kommend rechts nach Mörschwil abbiegt. Nicht nur Berufstätige, sondern auch viele Maturanden der Kantonsschule am Burggraben aus Steinach oder Horn pendeln Richtung St.Gallen.

«Ich trauere der Linie 11 hinterher»

«Der neue Kurs ist in Ordnung», sagt eine Passagierin um die 50. Sie pendelt beruflich nach Rorschach und hat Mitleid mit Passagieren aus Horn und Steinach. «Für sie ist es eine zusätzliche Schlaufe, die nicht nötig wäre.» In Mörschwil gibt es sechs Haltestellen, zwei davon liegen im Dorfzentrum und sind häufig frequentiert. Seltener steigen Fahrgäste bei den Haltestellen Fahrn oder Bitzi/Lantschen zu.

«Eigentlich ist es lächerlich, dass es sechs Haltestellen auf so engem Raum gibt», sagt die Frau. Sie verlängerten nur die Fahrzeit. Ähnlich sehen das zwei Fahrgäste, die bereits in Horn zugestiegen sind: «Für uns hat sich die Situation mit dem Fahrplanwechsel nur verschlechtert.»

Uneins sind sich die Passagiere, wenn es um den Wechsel des Fahrzeugs geht. «Eigentlich macht es für mich keinen Unterschied, ob Bus oder Postauto», sagt eine KV-Lernende, die täglich von Mörschwil nach St.Gallen pendelt. Einen Vorteil des neuen Fahrplans hat sie trotzdem schätzen gelernt: «Im Postauto habe ich immerhin WLAN.» Ein grosser Pluspunkt, denn Mörsch­wil liegt für viele Handybesitzer in einem Funkloch.

Wehmütiger ist ein 63-jähriger Passagier. «Ich trauere der alten Linie 11 schon hinterher.» Er kann sich seine Arbeitszeit freier einteilen, und meidet deshalb die Stosszeiten frühmorgens. Zufrieden ist der 63-Jährige mit der Frequenz der Postautos an Sonn- und Feiertagen: Seit dem Fahrplanwechsel gilt in Mörschwil der Halbstundentakt für beide Richtungen.

Zu kurze Frist für ein Fazit

Gemeindepräsident Paul Bühler hat bis jetzt nur wenige Rückmeldungen auf den neuen Fahrplan erhalten. Für ein Fazit ist es aus seiner Sicht noch zu früh. «Seit der Umstellung war der Kurs erst etwa zwei Wochen regulär in Betrieb.» Die Ferienzeit sei nicht aussagekräftig. «Erst in ein paar Monaten wird sich zeigen, wie sich das Postauto bewährt.»

Bedenken hatte Bühler vor der Umstellung wegen der Fahrplanstabilität. Aufgrund des weiteren Weges, den die Postautos zurücklegen, kommt es häufiger zu Verspätungen.

Ein Ärgernis, sagen die befragten Personen, auch wenn es sich meist um Verspätungen von wenigen Minuten handelt. Ob sich das in Zukunft verbessert, ist fraglich, denn die Verspätungen sind nicht in allen Fällen auf ein hohes Verkehrsaufkommen zurückzuführen. Die Postautos der Linie 211 kreuzen den Weg am Horner Bahnhof, wenige Meter vom Bahnübergang entfernt. Zwischen der Abfahrtszeit des Postautos und des Zuges liegen nur zwei Minuten. Wenn die Bahnschranke früh gesenkt wird, hat das Postauto Pech, und muss bereits nach wenigen Metern den ersten Stop einlegen.

Paul Bühler hat unter anderem zu den überfüllten Postautos zu Stosszeiten Rückmeldungen erhalten – und war nicht überrascht: «Ich hatte schon vor der Umstellung Zweifel, ob die Kapazitäten ausreichen würden», sagt er.

Trotz vereinzelter Kritik überwiegen laut dem Gemeindepräsidenten die positiven Veränderungen: «Eindeutig verbessert hat sich die Anbindung in Richtung Bodensee.» Vorher hätte eine direkte Linie schlicht nicht existiert. Den Stadtbus vermisst Bühler nicht:

«Mir ist ziemlich egal, ob das Fahrzeug rot-weiss oder gelb angemalt ist. Wichtig ist nur, dass es mich schnell von A nach B bringt.»

Die Begeisterung über das Postauto in Mörschwil hält sich noch in Grenzen. Stattdessen sehen Fahrgäste die neuen Verbindungen pragmatisch. «Man arrangiert sich damit, eine Alternative gibt es sowieso nicht», bringt es der 63-jährige Pendler auf den Punkt.

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