Portugiese erhält bedingte Geldstrafe wegen mehrfacher harter Pornografie

Ein Mann, der kinderpornografische Inhalte aus dem Internet heruntergeladen hat, ist knapp einer Landesverweisung entkommen.

Claudia Schmid
Hören
Drucken
Teilen
Die Untersuchungsbehörden fanden auf einem Laptop, einer Festplatte und einen USB-Stick 3570 Bilder und 26 Videos mit kinderpornografischem Inhalt.

Die Untersuchungsbehörden fanden auf einem Laptop, einer Festplatte und einen USB-Stick 3570 Bilder und 26 Videos mit kinderpornografischem Inhalt.

Getty

Dem 39-jährigen beschuldigten Portugiesen wird vorgeworfen, er habe sich über ein verbotenes Netzwerkprogramm und über allgemein zugängliche Quellen im Internet eine Sammlung von kinderpornografischem Bildmaterial angelegt, die Mädchen zwischen 5 und 13 Jahren zeigt.

Die Untersuchungsbehörden fanden auf seinem Laptop, einer Festplatte und einen USB-Stick 3570 Bilder und 26 Videos. Diese wurden anderen Personen online zur Verfügung gestellt.

Beschuldigter bestreitet Vorwürfe

In der Befragung des vorsitzenden Richters am Kreisgericht St.Gallen bestritt der Mann die Vorwürfe. Er habe keineswegs bewusst nach kinderpornografischen Bildern gesucht und heruntergeladen, erklärte er. Als er bemerkt habe, dass er zufällig auf entsprechende Seiten komme, habe er Bilder nur deshalb auf einen USB-Stick geladen, um der Polizei zu melden, dass diese im Netz kursierten.

Während der Befragung kam eine frühere Verurteilung aus dem Jahre 2008 zur Sprache. Auch damals ging es um pornografische Bilder, die auf seinem PC gefunden wurden. In diesem Zusammenhang sei er seit längerem in psychologischer Behandlung, erzählte er. Er leide unter Angst- und Panikattacken. Er wisse heute, dass ihm das Anschauen der illegalen Bilder mit kinderpornografischem Inhalt nicht guttun würde und meide sie deshalb. Als er per Zufall wieder auf entsprechende Seiten geraten sei, habe er nicht nur die Dateien, sondern auch das entsprechende Programm sofort gelöscht.

Bedingte Strafe und Landesverweisung

Der Staatsanwalt beantragte eine Verurteilung wegen mehrfacher harter Pornografie und als Strafe eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr, eine Busse, eine Landesverweisung von fünf Jahren und ein Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen. Der Beschuldigte habe ganz gezielt mit entsprechenden Codewörtern nach hart pornografischen Bildern mit Kindern gesucht. Die Dateien stammten von einem als Künstleragentur getarnten ukrainischen Unternehmen. Es sei unter pädophil veranlagten Personen bekannt. Die Ausführungen des Beschuldigten zu seiner Unschuld bezeichnete der Staatsanwalt als Schutzbehauptung. Es sei schlichtweg nicht möglich, ohne Wissen so viel Bilder auf seinem PC zu speichern und anderen zur Verfügung zu stellen.

Posttraumatische Kindheitserlebnisse berücksichtigen

Die Vorwürfe der Anklage werden von der Verteidigung nur teilweise anerkannt, erklärte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Sein Mandant habe zwar Bilder auf seine Datenträger geladen, sie jedoch nicht bewusst Dritten zur Verfügung gestellt. Er sah eine bedingte Geldstrafe als gerechte Strafe. Von Landesverweisung und einem Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen sei abzusehen. Sein Mandant habe posttraumatische Erlebnisse aus der Kindheit zu bewältigen, die strafmildernd berücksichtigt werden müssten. Er sei freiwillig in Therapie und wisse, dass er etwas ändern müsse.

Der vorsitzende Richter sprach den Mann in seinem Urteil der mehrfachen harten Pornografie schuldig. Als Sanktion fällte er eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 90 Franken. Während der Probezeit von drei Jahren muss der Beschuldigte Bewährungshilfe in Anspruch nehmen. Zudem erhielt er ein lebenslanges Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen.

Von einer Landesverweisung sah das Kreisgericht hingegen ab. Der Beschuldigte sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen, arbeite regelmässig und lebe in einer beständigen Beziehung, begründete der Richter seinen Entscheid. In Portugal könne er auf kein Beziehungsnetz zurückgreifen und er beherrsche die portugiesische Sprache nur bedingt. Damit sei ein Härtefall gegeben. Die Verfahrenskosten von rund 11000 Franken hat der Beschuldigte zu zahlen.