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Goldacher Künstler Jonny Müller blickt zurück auf 50 Jahre kreatives Schaffen

Jonny Müller aus Goldach ist seit 50 Jahren im Kunstbusiness. Seinen Kunststil verändert er fortlaufend. Auch Kritik muss er gelegentlich einstecken. Dieses Jahr zeigt er seine Werke an drei Ausstellungen.
Laura Manser
18.02.2019 (Bild: Laura Manser)
04.10.2010 (Bild: Marco Kamber)
Bild aus dem Archiv, Jahr 1995
06.07.2011 (Bild: Urs Bucher)
19.09.2002 (Bild: Rudolf Hirtl)
25.09.2017 (Bild: PD)
04.04.2012 (Bild: Urs Bucher)
25.09.2017 (Bild: PD)
20.10.2011 (Bild: Urs Jaudas)
25.09.2017 (Bild: PD)
19.09.2002 (Bild: Rudolf Hirtl)
11 Bilder

Jonny Müller aus Goldach ist seit 50 Jahren in der Kunstbranche

Jonny Müller steht in seinem Atelier in Goldach. Über das knallrote T-Shirt trägt er eine himbeerfarbene Lederjacke. Mit seinen schulterlangen Haaren erzählt er voller Euphorie die Geschichte seiner Bilder: Müller ist seit 50 Jahren Kunstschaffender.

Mit frischen 19 Jahren hat alles begonnen: Zuvor war er noch Mechaniker in Bern, im nächsten Moment widmet er sich vollkommen der Kunst. «In meinem Lehrbetrieb sind viele Berner Künstler vorbeigekommen und haben ihre Kunstwerke aus unseren Drehbänken und Fräsmaschinen herstellen lassen», sagt Müller. Da habe es in dem heute 69-Jährigen Klick gemacht.

30 Jahre alter Artikel vom «Tagblatt»: Jonny Müller stellte im Dezember 1989 in der Galerie «Café-Elite» in Rorschach aus. («Tagblatt» 1989)

30 Jahre alter Artikel vom «Tagblatt»: Jonny Müller stellte im Dezember 1989 in der Galerie «Café-Elite» in Rorschach aus. («Tagblatt» 1989)

Vom Beatles-Hippie zum Künstler

1969 erlebte der Goldacher zwei Schlüsselerlebnisse für seinen Werdegang: Damals durfte er bei einer Jugend-Kunstausstellung ein Objekt aus Draht, Stahl, Kupfer und Haaren ausstellen. «Lange Haare haben mich immer fasziniert. Auch, weil ich ein riesen Beatles-Fan bin», sagt der Künstler. Durch seine Beatles-Phase befasste er sich vor allem mit poppigen Themen: Sein erstes Werk heisst «Gefangenes Pop-Girl».

Das zweite prägende Ereignis erlebte Müller auf seinem Arbeitsweg. Jeden Abend um 18 Uhr blieb er am Kaufhaus Loeb in Bern stehen und beobachtete ein im Schaufenster ausgestelltes Werk von Jean Tinguely, welches ein Kunststudent bediente: Ein Förderband transportierte Teller zu einer Plattform, wo ein Hammer das Geschirr zertrümmerte. «Da habe ich mir gedacht: Wenn Kunst so spielerisch ist, kann ich gar nicht anders, als Künstler zu werden», sagt Müller.

Gemischte Reaktionen

Die Eltern des Malers reagierten gut auf seine Metier-Wahl: «Eigentlich sollte ich das Velogeschäft der Familie übernehmen. Aber meine Eltern haben gemerkt, dass ich nicht dafür geschaffen bin. Sie haben mich immer unterstützt.» In der Region kam Müllers Schaffen allerdings nicht überall gut an. Einmal, 1983, erhielt er einen anonymen Hassbrief. Dieser enthielt Kritik an die Nötigkeit von Malerei in der Bodenseeregion und an sein künstlerisches Talent. Das gehöre jedoch zum Künstlerberuf:

«Ich habe es lieber, wenn die Leute meine Kunst entweder lieben oder hassen. Etwas dazwischen ist heikel für mich.»

Müllers Kunst durchlief mehr als nur eine Stilrichtung: Von destruktiv, über abstrakt und gradlinig-geometrisch, bis zu wilder Malerei hat er schon alles ausprobiert. Seinen momentanen Kunststil definiert Müller als neue Pop-Art. «Ich experimentiere ständig und suche neue Ausdrucksformen. Ich könnte nicht ein Leben lang zum selben Thema malen», sagt der Künstler. Zum Beispiel hat der Goldacher 1994 jeden Tag ein «wildes Bild» gemalt. In Tagesthemen aufgeteilt gestaltete er Werke wie der damalige Flugzeugabsturz in den Bodensee. Irgendwann wurde es Müller «zu wild» und er wandte sich definitiv der neuen Pop-Art zu. Zwischendurch arbeitete Müller temporär als Industriefotograf.

Vor 43 Jahren stellte Müller zusammen mit Guido Caminada in der Kursaal-Galerie in Heiden aus. («Tagblatt »Mai 1976)

Vor 43 Jahren stellte Müller zusammen mit Guido Caminada in der Kursaal-Galerie in Heiden aus. («Tagblatt »Mai 1976)

Inspiriert durch Zufälle

Inspiration für seine Bilder holt Müller aus dem Alltag: «Ich erlebe etwas und gebe es auf meine Art wieder.» Zum Beispiel sieht der Künstler etwas interessantes im Fernsehen. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema, entwirft er verschiedene Bild-Varianten und wählt die beste aus. «Ich arbeite immer in Zyklen. Das heisst, dass ich an einem Thema über eine lange Zeit arbeite», sagt der Goldacher. «Ich verwende auch Symbole.» So stehen die Tiere in seinen Malereien für unterschiedliche Dinge: Schmetterlinge für das frohe im Leben, Raben für den Tod. Teile des Werkes macht Müller dreidimensional und durch Magnete analog-interaktiv. Wichtig sind dem Maler vor allem aktuelle Weltgeschehen und neue Medien. Aber auch Aspekte wie der Vietnamkrieg, der Unfall bei der Matterhorn-Erstbesteigung oder Dieter Meier als Sänger des Elektropop-Duos Yello integriert er in seine Bilder. Momentan arbeitet Müller am Werk «Das schnelle Leben und langsame Sterben des Syd Barrett» und an Malereien seines Ururgrossvaters.

«Ich habe zu viele Ideen und zu wenig Zeit. Das macht mir Sorgen», sagt der Künstler. Jedoch lerne er ständig interessante Menschen kennen. Diese Treffen würden seinen Freiberuf einzigartig machen. «Ich werde einfach so lange arbeiten, wie ich Lust habe.» Und das beste an seinem Beruf sei, wenn er sieht, dass seine Bilder schön platziert werden in den Wohn- oder Arbeitsräumen seiner Kunden.

Apropos ausstellen: In diesem Jahr zeigt Jonny Müller ab Ende März einige Werke an drei verschiedene Ausstellungen in Goldach, Wil und Rorschach.

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