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«Politik ist für mich Neuland»:
Bäuerin Irene Räss will in den Andwiler Gemeinderat

Die SVP-Frau lässt sich nicht davon abschrecken, dass ihre Gegnerin mehr Erfahrung hat.
Interview: Melissa Müller
Irene Räss: «Wenn es mit meiner Wahl klappt, ist es ein Riesenerfolg und eine Megafreude.»

Irene Räss: «Wenn es mit meiner Wahl klappt, ist es ein Riesenerfolg und eine Megafreude.»

Irene Räss tischt Schoggikuchen auf und nimmt auf der rustikalen Eckbank in ihrer Küche Platz. Die SVP-Frau will am 20.Oktober in den Andwiler Gemeinderat gewählt werden. Doch sie hat eine starke Konkurrentin, die ebenfalls Bäuerin ist.

Ihre Gegnerin ist seit 15 Jahren CVP-Kantonsrätin, Sie hatten noch nie ein politisches Amt. Wie wollen Sie diesen Rückstand wett machen?

Irene Räss: Ich muss gar nichts wett machen, Seline Heim macht einen guten Job. Ich bin schon 20 Jahre in Andwil, bin hier gut verankert, meine Kinder gehen hier zur Schule.

Haben Sie nicht Respekt davor, gegen eine erfahrene Politikerin anzutreten, die als seriöse Schafferin gilt?

Für mich ist Politik Neuland. Ich habe aber keine Angst und keinen übertriebenen Respekt vor Seline Heim. Wenn es mit meiner Wahl klappt, ist es ein Riesenerfolg und eine Megafreude.

Und wenn Sie nicht gewählt werden?

Eine Enttäuschung wäre sicher da. Aber ich würde akzeptieren, dass der Bürger von Andwil es anderes gewollt hat.

Sie präsentieren sich im «Andwiler» mit einem grossen, bunten Inserat. Seline Heim wirbt hingegen nur mit einer kleinen, unscheinbaren Annonce ohne Foto.

Ich wusste im Vorfeld nicht, dass Seline so klein inseriert. Wir haben in einem kleinen Gremium besprochen, dass wir das Inserat so machen, mit einem Bild von mir. Ich bin gespannt, ob die CVP im nächsten «Blättli» auch eine grössere Anzeige bringt.

Warum sollen die Andwilerinnen und Andwiler Sie wählen?

Ich stehe mitten im Leben, das ist auch mein Wahlslogan. Ich werde bald 39, habe drei Töchter, die in Andwil zur Schule gehen. Meine Generation ist am Ruder: Wir erziehen einerseits unsere Kinder und andererseits haben wir Eltern, die langsam kürzer treten dürfen. Ich will meine Generation im Gemeinderat vertreten.

Ihr Dorf ist beliebt bei Familien, da es hier ruhig, ländlich und idyllisch ist. 2018 wurde die 2000- Einwohner-Grenze geknackt. Wie sollen Neuzu­züger in Andwil integriert werden?

Wir haben über 20 Vereine für Jung und Alt. Etwa einen Frauenverein und einen Männerchor, man kann tanzen und singen. Wenn man sich in ein Dorf integrieren will, ist es gut, wenn man in einen Verein geht.

Hofhund Zottel ist der treue Begleiter von Irene Räss im Andwiler Weiler Hölzli. (Bild: Benjamin Manser)

Hofhund Zottel ist der treue Begleiter von Irene Räss im Andwiler Weiler Hölzli.
(Bild: Benjamin Manser)

In Andwil gibt es immer wieder Probleme mit Vandalismus. Bushäuschen und Fassaden wurden angesprayt, auf dem Spielplatz blieben Glasscherben und Dosen zurück. Wie soll man damit umgehen?

Ich habe nicht das Gefühl, dass Vandalismus in Andwil ein Riesenproblem ist. Vielfach sind das Bubenstreiche. Man könnte im «Blättli» einen Bericht schreiben. Und auch das Gespräch mit Eltern suchen, damit sie ihren Jugendlichen auf den Zahn fühlen. Ich frage mich, ob es nötig ist, deswegen Kameras zu installieren.

Bei der Schulanlage Ebnet wurden im Hinblick auf eine mögliche Überwachung bereits Leerrohre verlegt.

Es muss nicht alles videoüberwacht werden. Wir sind schon genug überwacht von Handys und Kameras.

In Andwil war ein Pumptrack geplant, eine hügelige Velobahn. Der Verein Bikepark hat das Gesuch vor drei Jahren zurückgezogen. Was für Angebote braucht es für die Jugend?

So ein Bikepark wäre schon sensationell. Warum kam er nicht zustande?

Es gab Einsprachen.

Ich finde, Andwil macht sehr viel für die Jugend. Seis’ der Blauring oder Turnverein, wo Kinder und Jugendliche sinnvoll beschäftigt werden. Und dann haben wir noch ein schönes Naherholungsgebiet mit dem Andwiler Moos.

Etliche Familien wünschen sich eine ausserschulische Kinderbetreuung. Soll die Gemeinde dies anbieten?

Eine Kinderkrippe in der Gemeinde ist etwas Wunderbares für Eltern, die sich eine Fremdbetreuung für ihre Kinder wünschen. Ich weiss nicht, wie gross die Nachfrage in Andwil ist. Für zehn Kinder würde es sich nicht lohnen. Wenn die Nachfrage grösser wäre, fände ich es optimal, wenn man jemanden finden würde, der einen Bauernhof in Dorfnähe hat, mit Tieren und der Möglichkeit, sich draussen auszutoben. Das wäre für die Kinder ein Highlight.

Würden Sie Ihre Kinder fremdbetreuen lassen?

Ich will selber für meine Kinder da sein. Aber ich verstehe jede Mutter, die sich auch beruflich betätigen will. Das gibt einem eine ganz andere Bestätigung.

Das Andwiler Gemeindehaus aus den 1970er-Jahren ist zu klein, energietechnisch eine Katastrophe und nicht behindertengerecht. Was müsste da passieren?

Das Gemeindehaus ist sanierungsbedürftig. Es ist Aufgabe des Gemeinderats abzuwägen, ob sich eine Sanierung lohnt oder es einen Neubau braucht.

Die Andwiler Stimmbevölkerung hat eine Fusion mit Gossau abgelehnt. Was bringt es Andwil, eigenständig zu bleiben? Und soll das in den nächsten zehn Jahren so bleiben?

Ich finde es schön, wenn wir eigenständig bleiben. Andwil ist gut strukturiert und organisiert. Ich finde es schade, wenn man Gemeinden an grössere Städte anheftet. Wenn man bei den Behörden in der Stadt anrufen muss, ist es anonymer. Das fände ich schade.

Was sind Ihre Visionen für das Dorf?

Ich finde nicht, dass ich etwas Neues bewegen muss. Ich will bei den aktuellen Themen, die der Gemeinderat erarbeitet hat, anknüpfen und mich dort einsetzen.

Welche Themen liegen Ihnen besonders?

Ich sehe mich im Sozialen, bei den Schulen und natürlich der Landwirtschaft.

Wie halten Sie es mit den digitalen Medien?

Ich habe einen Facebook-­Account, mehr nicht. Ich muss mich nicht überall präsentieren.

Geniessen Sie es denn nicht, im Rampenlicht zu stehen?

Das ist gar nicht mein Ding. Ich will auch nicht unbedingt mit Fotos in die Zeitung. Aber wenn man so ein Amt anstrebt, gehört es halt dazu. Ich bin eher die stille Schafferin.

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