Podiumsdiskussion zu den St.Galler Marktplatzmillionen: Viel weniger emotional und ruhiger als bei den ersten zwei Anläufen

Am 27. September entscheidet das Stadtsanktgaller Stimmvolk über den dritten Anlauf zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl. Es soll für den städtischen Anteil an den Kosten einen Rahmenkredit von gut 29 Millionen Franken sprechen. Am Dienstag kreuzten Befürworter und Gegner des Projektes im Pfalzkeller die Klingen.

Reto Voneschen
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Tagblatt-Podium zu den Marktplatzmillionen im Pfalzkeller (von links): GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur, Stadträtin Maria Pappa und SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli. Links aussen Daniel Wirth, rechts aussen Luca Ghiselli von der «Tagblatt»-Stadtredaktion.

Tagblatt-Podium zu den Marktplatzmillionen im Pfalzkeller (von links): GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur, Stadträtin Maria Pappa und SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli. Links aussen Daniel Wirth, rechts aussen Luca Ghiselli von der «Tagblatt»-Stadtredaktion.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Eines ist nach der «Tagblatt»-Podiumsdiskussion klar: Der dritte Anlauf für einen neuen St.Galler Marktplatz könnte am 27. September eine Mehrheit beim städtischen Stimmvolk finden. Es gibt zwar Kritiker, die Vorlage ist aber erheblich weniger umkämpft als es noch ihre beiden Vorgängerinnen waren. Im Pfalzkeller ging's am Dienstagabend zwar lebhaft, aber erheblich weniger emotional zu und her als an Podien vor den Abstimmungen von 2011 und 2015.

Das mag einerseits daran liegen, dass die Gegnerschaft damals erheblich lauter sowie besser sortiert und munitioniert war als jetzt vor dem Urnengang vom 27. September. Das dürfte aber auch daran liegen, dass die aktuelle Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl seriöser vorbereitet wurde als die ersten beiden Anläufe. Der partizipative Prozess, an dem Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen abgeholt und teils ins Projekt eingebaut wurden, zahlt sich offenbar aus.

Lebhafte und trotzdem sachliche Debatte

Auf dem Podium standen am Dienstagabend Stadträtin Maria Pappa, fürs Nein-Komitee SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli sowie als kritischer Befürworter der grünliberale Stadtparlamentarier Marcel Baur. Vor rund 60 Zuschauerinnen und Zuschauern fühlten ihnen Daniel Wirth und Luca Ghiselli von der Stadtredaktion des «St.Galler Tagblatt» auf den Zahn.

Maria Pappa erläutert das Projekt, Donat Kuratli vom Nein-Komitee schaut etwas skeptisch zu.

Maria Pappa erläutert das Projekt, Donat Kuratli vom Nein-Komitee schaut etwas skeptisch zu.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Alle Beteiligten schlugen sich dabei wacker: Die Debatte war über weite Strecken lebhaft, blieb aber - im Gegensatz zum Schlagabtausch vor den beiden früheren Vorlagen - wohltuend sachlich. Mitverantwortlich für Letzteres sind mit Sicherheit die Argumente des Nein-Komitees: Dessen Vertreter lieferte keinen Totalverriss der Marktplatzvorlage. Dass es eine Sanierung braucht und auch viele Elemente des vorliegenden Projektes stossen auf Zustimmung.

Hauptkritikpunkt: die Kosten

Kritisiert werden vom Nein-Komitee vor allem die Kosten, die mit 33,8 Millionen Franken viel zu hoch seien. Umstritten ist einmal die Reserve von 25 Prozent, die die Stadt angesichts des frühen Stadiums der Planung in die Kostenberechnung eingebaut hat. Umstritten ist zum anderen der Marktpavillon für geschätzte sieben Millionen. Das Nein-Komitee will zudem die Umsetzung des Vorhabens mit Rücksicht auf die coronagebeutelte Stadtkasse stärker etappieren.

Da ist sofort klar, wer anwesend ist: Der Stadtrat und damit auch Schuldirektor Markus Buschor kam am Dienstagabend geschlossen in den Pfalzkeller.

Da ist sofort klar, wer anwesend ist: Der Stadtrat und damit auch Schuldirektor Markus Buschor kam am Dienstagabend geschlossen in den Pfalzkeller.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Maria Pappa hielt dezidiert dagegen: Das Marktplatzprojekt sei vergleichsweise günstig. Die 29 Millionen Franken, die es die Stadt kosten könnte, seien ein Rahmenkredit und damit ein Kostendach:

«Teurer wird uns der Marktplatz auf jeden Fall nicht zu stehen kommen!»

Es sei gut möglich, dass es günstiger werde. Im Vorhaben seien nämlich 25 Prozent Reserven eingeplant. Das sei nötig, weil es sich in einem frühen Stadium befinde und man keine bösen Überraschungen erleben wolle.

Zuerst Volk befragen, danach Geld für Detailplanung ausgeben

Man habe sich für diesen Weg entschieden, um nicht das Risiko einzugehen, Planungskosten von rund 1,5 Millionen Franken in den Sand zu setzen, sagte Baudirektorin Pappa. Man frage zuerst das Volk, was es vom Projekt halte, danach werde man die Details projektieren. Nachteil bei diesem Weg sei, dass die Kosten noch eine relativ grobe Schätzung seien.

Rund 60 Personen verfolgten das Marktplatz-Podium am Dienstagabend vor Ort. Mehrere Dutzend Personen taten dies zudem im Liveticker von «Tagblatt online».

Rund 60 Personen verfolgten das Marktplatz-Podium am Dienstagabend vor Ort. Mehrere Dutzend Personen taten dies zudem im Liveticker von «Tagblatt online».

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Es stimme auch nicht, dass die Stadt teuer baue und Rahmenkredite immer ausschöpfe, sagte Pappa auf entsprechende Kritik. Die Stadt schliesse neun von zehn Bauvorhaben innerhalb der bewilligten Kreditlimite oder darunter ab. Als mit dem Marktplatz vergleichbare Projekte gelte das etwa auch für die südliche Altstadt mit dem Gallusplatz oder den Bahnhofplatz.

Ein Pavillon oder eine modulare Lösung für den ständigen Markt?

GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur befürwortet das Marktplatzprojekt.

GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur befürwortet das Marktplatzprojekt.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Ein Streitpunkt auf dem Podium war der geplante zweiteilige Pavillon für den ständigen Markt. Angesichts von sieben Millionen dafür geplanten Franken sei das eine Luxuslösung, kritisierte Donat Kuratli vom Nein-Komitee. Er bezweifelte auch, dass man die bis zwei Dutzend darin vorgesehenen kleinen Läden tatsächlich werde vermieten können. Statt eine Freifläche voll zu bauen, sei eine modularen Lösung vernünftiger, die man für ein grosses Fest auch einmal wegräumen könne, sagte Kuratli.

Das 2015 abgelehnte Projekt habe gar keinen ständigen Markt mehr vorgesehen. Es sei ausdrücklich deswegen von Parteien und Verbänden von rechts der Mitte bekämpft bekämpft worden, schoss Marcel Baur zurück. Jetzt plane man mit festen Marktpavillon und prompt gebe es wieder Opposition:

«Euch kann man's auf dem Marktplatz einfach nicht mehr recht machen!»
Donat Kuratli vom Nein-Komitee bezweifelt, dass die Pavillonlösung für den ständigen Markt funktioniert.

Donat Kuratli vom Nein-Komitee bezweifelt, dass die Pavillonlösung für den ständigen Markt funktioniert.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Auch das Projekt des Marktpavillons müsse man noch im Detail projektieren, sagte Stadträtin Maria Pappa. Dies werde man zusammen mit den Markthändlerinnen und Markthändlern tun, versprach sie. Man wolle eine Lösung, die den Bedürfnissen des Marktes entspreche. Grundsätzlich sei «Marktfrisch St.Gallen», der Verein der Märktler, mit der angedachten Lösung einverstanden. Seine Vertreterinnen und Vertreter hätten am Partizipationsverfahren für den Marktplatz teilgenommen.

Die Stadt will sparen, muss aber weiter investieren

Gut 29 Millionen Franken als Anteil der Stadt an den Marktplatzkosten sind tatsächlich ein grosser Brocken. Für Stadträtin Maria Pappa allerdings ist der Betrag, der nach einem ja über mehrere Jahre verteilt ausgegeben wird, angesichts des Gegenwerts gerechtfertigt, den ein neu gestalteter Marktplatz für die Stadt darstellen wird.

Baudirektorin Maria Pappa will trotz Coronakrise weiter investieren.

Baudirektorin Maria Pappa will trotz Coronakrise weiter investieren.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

Pappa wie Baur sprachen sich gegen eine Etappierung im Sinne von Donat Kuratli aus. Eine massive Streckung des Zeitplans mache aus mehreren Gründen keinen Sinn. Das sei einmal wegen der dadurch drohenden Dauerbaustelle auf Marktplatz und Bohl der Fall. Zum anderen drohe mit einer Etappierung ein Flickenteppich im zentralen öffentlichen Raum der St.Galler Altstadt.

Es sei zudem an der Zeit, die Lücke zwischen den neu gestalteten Bereichen der nördlichen und der südlichen Altstadt rasch mit einem Projekt «aus einem Guss» zu schliessen. Der Stadtrat habe Massnahmen angedacht, um die Stadtkasse trotz Corona im Lot zu halten, sagte Maria Pappa. Man wolle aber, nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Auftragslage des Gewerbes, am Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Franken pro Jahr festhalten. Und dazu gehöre das Projekt für Marktplatz und Bohl.

Keine Parkplatzdiskussion mehr

Bereits im Frühling 2019 hat die Stadt die Parkplätze auf dem Marktplatz abgeräumt. Die Kritik an diesem Schritt aus gewerblichen Kreisen ist bis heute nicht ganz verstummt. Eine Parkplatzdiskussion gab's am Dienstagabend aber nicht mehr, obwohl Donat Kuratli kritisierte, dass die Möglichkeit fehle, oberirdisch vorzufahren, um kleine Besorgungen zu machen oder Waren einzuladen.

Will nicht mehr über die aufgehobenen Parkplätze auf dem Marktplatz diskutieren: GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur.

Will nicht mehr über die aufgehobenen Parkplätze auf dem Marktplatz diskutieren: GLP-Stadtparlamentarier Marcel Baur.

Bild: Nik Roth (1.9.2020)

In Gehdistanz zum Marktplatz gebe es genügend unterirdische Parkplätze, gab Marcel Baur zurück. Und es dürfe Besucherinnen und Besuchern des Stadtzentrum sehr wohl zugemutet werden, diese zu benutzen. Er sei das Thema leid. Emotionale Parkplatzdiskussionen fernab von Fakten brächten niemandem etwas. Für ihn sei das Thema endgültig abgehakt.