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Podium zur Stadtentwicklung: Impulse aus anderen Städten nach Rorschach holen

Wohnbauten schiessen in Rorschach zurzeit aus dem Boden. Wird sich die Stadt zum Wohl der Bevölkerung oder zum Profit von Investoren entwickeln? Ein öffentliches Podiumsgespräch zeigt Lösungen auf.
Otmar Elsener
Die hochkarätigen Referenten des Podiums André Odermatt (v. l.), Maria Pappa, René Hornung, Reto Müller und Guido Etterlin. (Bild: Res Lerch)

Die hochkarätigen Referenten des Podiums André Odermatt (v. l.), Maria Pappa, René Hornung, Reto Müller und Guido Etterlin. (Bild: Res Lerch)

Die Rorschacher Bevölkerung will wissen, wie ihre Stadt in Zukunft lebenswert bleiben wird. Eine unerwartet grosse Zahl von 150 Einwohnerinnen und Einwohnern hat sich am Montagabend im Saal der HPV für die Strategien von auswärtigen Schweizer Stadträten interessiert. Eingeladen zum Podium «Stadtentwicklung – Rendite, Qualität, Identität» hat die regionale SP. Der Anlass war die Kandidatur von Stadtrat Guido Etterlin für das Stadtpräsidium, als sachkundiger Moderator wirkte der St. Galler Volkswirtschafter und Journalist René Hornung.

In ihrer Begrüssung freut sich Stadträtin Ariane Wenger, dass prominente Politiker aus St. Gallen, Zürich und Langenthal den weiten Weg an den Bodensee gefunden hatten. Reto Müller, Stadtpräsident von Langenthal, ist für seine Stadt mit dem Wakker-Preis ausgezeichnet worden. Nicht wegen des Ortsbildes, sondern wegen der Steuerung der Stadtentwicklung und Wohnqualität. Wie in Rorschach sind in der Berner Kleinstadt durch den Auszug von Industrien Brachen entstanden, die grosse Investoren anzogen, wie Müller erklärt. Es habe jahrelange, hartnäckige Verhandlungen und manches klare Nein des Stadtrates gebraucht, bis die Investoren gewillt waren, auf die Bedürfnisse der Einwohner und die Wünsche der Stadt für preisgünstige Wohnungen in neuen Quartieren einzugehen und ihre Renditevorstellungen zurückzuschrauben. Nötig sei ein beidseitiges Verständnis für Wohnen und Arbeiten in der Stadt, sagt Müller.

Rorschachs öffentliches Seeufer – ein Kapital

André Odermatt, Stadtrat von Zürich und Vorsteher des Hochbaudepartements, erlebte auch in der grössten Stadt der Schweiz den Verlust von Industrien und Einwohnern. «Dann wurden die Industriebrachen von Investoren mit Wohnbauten aufgefressen», stellt er fest. Eine Investorenstadt sei jedoch keine gute Stadt. Der Zwang zur Rendite verhindere zahlbare Wohnungen. Nun wird Zürich aber von Familien überrannt; es ist im Trend, wieder in die Stadt zu ziehen. Der aktuelle Babyboom wird die Stadt zum Bau von 14 Schulhäusern zwingen. Eine Wohnstadt brauche «weiterhin Industrieland und Grünflächen», sagt Odermatt. Ermunternd war seine Aussage, dass Zürichs öffentliches Seeufer Einwohner anziehe und Rorschach ja das gleiche Kapital besitze. Ebenfalls interessant mit Blick auf Rorschach: Die Stadt Zürich setzt für den Bau von erschwinglichen Wohnungen vor allem auf Genossenschaften.

Maria Pappa, St. Galler Stadträtin und Direktorin Planung und Bau, überrascht mit einer Erklärung in eigener Sache: «Man hat sich nach meiner Wahl vor zwei Jahren gewundert: Wie kann das gut gehen mit einer gelernten Sozialpädagogin?» Ihre Ausbildung aber habe sie befähigt, so Pappa, Lösungen im Dialog zu finden. Das Gespräch mit allen Beteiligten bei der Überbauung eines Gebiets oder im aktuellen Fall der Gestaltung des Marktplatzes könne nur durch Abwägung aller Meinungen zu befriedigenden Lösungen führen. Allen recht tun kann man nie, aber im Einbeziehung der Bevölkerung könne ein mehrheitliches Einverständnis gefunden werden.

Gemeindegrenzen würden Entwicklung verhindern

Als Letzter auf dem Podium betonte Guido Etterlin, dass es wieder gelingen sollte, Wohnen und Arbeiten einander näher zu bringen. Die Stadtentwicklung sei immer im Kontext zur Entwicklung unserer Region zu sehen. Langfristig behinderten die Gemeindegrenzen die regionale Entwicklung, erklärt Etterlin. Alle drei Gemeinden müssten aufeinander zugehen. Die Verdichtung mit gesichtslosen Bauten ohne Grünflächen habe Grenzen. Und es könne nicht das Ziel sein, die Bevölkerung auf 14000 Einwohner zu forcieren.

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