Platznot

In den Schulräumen wird es eng: Mehr Raum für eine noch bessere Bildung, heisst die Devise der Schule Gaiserwald

Der Gemeinde- und Schulrat von Gaiserwald haben eine gemeinsame Projektgruppe eingesetzt. Ihr Ziel war es, den Schulraum der Schule Gaiserwald zu erfassen. Mit dem Ergebnis, dass die Schule Ebnet in Abtwil bald umgestaltet werden muss.

Theepan Ratneswaran
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Projektwettbewerb: Ein regionales Architekturbüro soll in den nächsten Jahren helfen, die Schule Ebnet umzugestalten.

Projektwettbewerb: Ein regionales Architekturbüro soll in den nächsten Jahren helfen, die Schule Ebnet umzugestalten.

Bild: Ralph Ribi (23. Dezember 2020)

Der Mitschüler ist der erste, der Lehrer der zweite und der «Schulraum ist der dritte Pädagoge», pflegte der italienische Erziehungswissenschafter Loris Malaguzzi zu sagen. In Abtwil werden diese pädagogischen Räume jedoch immer knapper. Der jetzt ausgearbeitete Grundlagenbericht «Raum- und Investitionsplanung 2020 bis 2035» der Schule Gaiserwald ist deshalb ein erster Akt, um dieses Problem anzugehen.

Zur Schule Gaiserwald gehören die Primarschulen in Abtwil und Engelburg sowie das Oberstufenzentrum in Abtwil. Rund 170 Lehrpersonen und 900 Kinder und Jugendliche werden in den Schulanlagen unterrichtet.

Matthias Luterbacher, Gemeinderat von Gaiserwald und Projektleiter.

Matthias Luterbacher, Gemeinderat von Gaiserwald und Projektleiter.

Bild: Urs Bucher (14. Juni 2019)

Die Tendenz bei der Schülerschaft ist jedoch steigend. Die Geburtenrate in Gaiserwald lag in den vergangenen Jahren im Schnitt bei etwa 1,2 Prozent, sagt Matthias Luterbacher, Gemeinderat von Gaiserwald.

«Es gibt auch relativ viele Familien mit Kindern, die nach Abtwil ziehen.»

Mit einem realistischen Szenario berechnet, werde in Abtwil für den Kindergarten und die Primarschule in den nächsten Jahren ein zusätzlicher Schulraum im Umfang von etwa 23 Raumeinheiten à 75 Quadratmetern benötigt.

Die Projektgruppe Gaiserwald schliesst sich zusammen

In der Gemeinde Gaiserwald besteht also zusätzlicher Raumbedarf. Zwei Gemeinderäte, zwei Schulräte und Personen aus der Gemeindeverwaltung mit Expertise in Immobilienbewirtschaftung schlossen sich deshalb zu einer Projektgruppe zusammen.

Der Projektleiter Matthias Luterbacher sagt: «Anstatt zu sagen, wir bauen jetzt einfach irgendwas, haben wir die ganze Situation gründlich angeschaut, um die richtigen Entscheide zu treffen.» Unterstützt wurde die eingesetzte Projektgruppe vom Architektur- und Ingenieurbüro Schällibaum AG aus Herisau, die als externe Fachpersonen für die Schulraumplanung wirkte.

Die Gebäude sind mehrheitlich im guten Zustand

Als Basis des Grundlagenberichts diente der Projektgruppe die durchgeführte Analyse des Istzustands aller in Abtwil und Engelburg verfügbaren Schulräume für Kindergarten, Primarschule und Oberstufe. Dieser wurde im Anschluss mit den Empfehlungen des Kantons für Schulräumlichkeiten verglichen.

Weil die Gemeinde während der vergangenen Jahre kontinuierlich kleine und grössere Unterhaltsarbeiten vornahm, sind die meisten Gebäude der Schule in einem relativ guten Zustand, sagt Luterbacher. Deren Lebensdauer kann bedeutend verlängert werden, ohne dass eine Gesamtsanierung vorgenommen werden müsste.

«Einzig die beiden Pavillons des Oberstufenzentrum Mühlizelg in Abtwil und der Schulanlage Engelburg sowie der Kindergarten Dorf in Engelburg, befinden sich in keinem guten Zustand.»

Zukünftige Strategie für Massnahmen nötig

Bis ins Frühjahr wird noch ein konkreteres Papier ausgearbeitet. Wie und in welchem Zeitraum der zusätzliche Schul- und gegebenenfalls Sportraum in Abtwil zu schaffen sei und wie allfällig vorhandene kurzfristige Raumdefizite mit Provisorien überbrückt werden könnten, sagt Luterbacher.

Der Fokus liege dabei bei der Schulanlage Ebnet in Abtwil, sagt er. Das nächste Ziel der Projektgruppe ist es dementsprechend, in das Budget 2021 einen Kredit in der Höhe von 250'000 Franken «vorzuschlagen», um im nächsten Jahr einen Projektwettbewerb zu lancieren.

«Mit dem Projektwettbewerb möchten wir dann die regionalen Architekturbüros dazu animieren, uns visionäre Lösungsvorschläge für die Raumbedürfnisse in der Schulanlage Ebnet zu präsentieren.» Dabei stehe nebst der Wirtschaftlichkeit, vor allem auch die Nachhaltigkeit und die Flexibilität im Vordergrund, sagt der Gemeinderat.

Empfehlungen für Schulbauten der Volksschule

Die Verantwortung für den Bau von Schulanlagen liegt bei den Schulträgern, wie zum Beispiel bei der Schule Gaiserwald. Der Bildungsrat des Kantons St.Gallen hingegen unterstützt mit unverbindlichen Empfehlungen die Schulraumplanung. Das hauptsächliche Ziel der Empfehlungen ist die Schulqualität zu sichern oder gar zu steigern. Flexibilität und Variabilität sind hierbei die obersten Maxime.

Der Grundtenor ist, dass der stete gesellschaftliche Wandel eine flexible und situative Nutzung der Räumlichkeiten verlangt. Der Lehrplan und die Ausbildung der Lehrpersonen zum Beispiel betonen immer mehr die Methodenvielfalt. Vor diesem Hintergrund wird ein variables Arrangement des Lernraumes angestrebt, in dem ganze beziehungsweise halbe Klassen unterrichtet werden oder Schülerinnen und Schüler in Leseecken oder an PC-Arbeitsplätzen individuell oder in Gruppen lernen können.