Über 50 Platanen am Rorschacher Seeufer fallen der Kettensäge zum Opfer: Ein Gartendenkmal von kantonaler Bedeutung verliert sein Gesicht

In Rorschach wird das Spazieren am See zum Risiko. Daher müssen gemäss Einschätzung von Fachleuten zahlreiche Bäume gefällt werden – aus ästhetischen Gründen auch gesunde.

Rudolf Hirtl
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Es ist deutlich sichtbar: Eine Vielzahl der Platanen an der Rorschacher Seeuferpromenade ist krank.

Es ist deutlich sichtbar: Eine Vielzahl der Platanen an der Rorschacher Seeuferpromenade ist krank.

Bild: Rudolf Hirtl

In Frühling sitzen, vor allem in der Dämmerung, frisch verliebte Pärchen auf den Bänken unter den Bäumen, im Sommer spenden sie Spaziergängern willkommenen Schatten, im Herbst spielen Kinder mit dem Laub, das von den Bäumen fällt und im Winter widerstehen sie heroisch Kälte und Schnee. Die Platanen, die das Seeufer östlich und westlich des Kornhauses säumen, kennt wohl jeder, der schon einmal in Rorschach war.

Die majestätische Erscheinung dieser Baumgruppen, die beim Pavillon und beim Kornhaus als Allee angeordnet sind, wird in kommenden Jahren arg zerzaust werden. Im Zeitraum von zehn Jahren werden die bis zu 20 Meter hohen Bäume mit der Kettensäge gefällt und durch Neupflanzungen ersetzt.

Abgestorbene Bereiche erneuern sich nicht mehr

Die Tage der Platanen-Allee beim Kornhaus sind gezählt.

Die Tage der Platanen-Allee beim Kornhaus sind gezählt.

Bild: Rudolf Hirtl

Wie an der heutigen Medieninformation bekannt wurde, hat die Baumart AG aus St. Gallen sämtliche Platanen entlang des Seeufers geprüft. Sie kommt dabei zum Schluss, dass viele der Kopfplatanen weitreichende Rindennekrosen aufweisen. Insbesondere im Bereich der Köpfe oder um Schnittflächen von grösseren Astabnahmen. Zudem seien ältere Schnittstellen teilweise stark zersetzt oder es seien gar grössere Höhlungen entstanden. Gerade bei älteren Kopfplatanen seien dies Alterserscheinungen. Diese absterbenden Gewebebereiche würden einen erneuten Austrieb verunmöglichen und im Laufe der Zeit finde eine Holzzersetzung statt.

Der Stadtrat betont, dass er sich des Werts des Seeparks und der Gefährdung der historischen Anlage, die als Gartendenkmal von kantonaler Bedeutung eingestuft werden könne, bewusst sei. Darum habe er bereits vor einigen Jahren die Planung mit ausgewiesenen Fachleuten an die Hand genommen, um die notwendigen Massnahmen zu treffen.

Achtzehn Bäume werden alleine beim Seepark gefällt

Der Seepark wird als Gartendenkmal von kantonaler Bedeutung eingestuft.

Der Seepark wird als Gartendenkmal von kantonaler Bedeutung eingestuft.

Bild: Res Lerch

Gleichwohl müssten zahlreiche Platanen aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil sie ihrer gestalterischen Funktion nicht mehr gerecht würden, gefällt werden. Werden Bäume nur einzeln ersetzt, ist es laut Landschaftsarchitekt Martin Klauser fraglich, ob die Ersatzpflanzungen zwischen den bestehenden Exemplaren ausreichend Entwicklungspotenzial haben. Dem Totalersatz der Platanen würden daher meist auch gesunde Bäume zum Opfer fallen.

Beim Abschnitt Pavillon bis Seerestaurant erfolgt die Fällung von 18 Platanen im November und Dezember, die Neupflanzung im Frühling des kommenden Jahres. Beim Pavillon erfolgt der Baumersatz in drei bis fünf Jahren und beim Abschnitt Bunker bis Kornhaus erfolgen Fällung und Neupflanzung in fünf bis zehn Jahren. Gesamt werden über 50 Bäume gefällt.

Historische Anlage soll erhalten bleiben

Aufgrund des schlechten Zustands der Bäume ist laut Stadtrat ein zeitnahes Handeln notwendig. Die Massnahme helfe, die historische Anlage zu erhalten und verloren gegangene Qualitäten wiederherzustellen. Die Kosten für den Ersatz der Platanen belaufen sich auf rund 60'000 Franken.

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