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«Trauerkleidung erwünscht»: Trauergäste nehmen an einer Gedenkfeier Abschied vom Pizol-Gletscher

Der Pizolgletscher schwindet rasant, und könnte bereits 2030 weggeschmolzen sein. Nun haben verschiedene Organisationen eine Gedenkfeier organisiert.
Laura Widmer
Glaziologe Matthias Huss von der ETH misst das Eis des Gletschers vor der Gedenkfeier. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Glaziologe Matthias Huss von der ETH misst das Eis des Gletschers vor der Gedenkfeier. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Der Pizol ist ein 2844 m hohes Bergmassiv im Sarganserland im Kanton St. Gallen. Der nordexponierte Pizolgletscher zählt zu den kleinsten im Land, gilt aber als repräsentativ für die andern Zwerggletscher in der Ostschweiz. Er ist in den vergangenen Jahren so stark geschrumpft, dass er künftig nicht mehr vom Bund vermessen wird.

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Schmelze des Pizolgletschers

Verlust der mittleren Eisdicke seit Messbeginn 2007, Angaben in Meter
200720082009201020112012201320142015201620172018-2,0-1,5-1,0-0,50,0

Am frühen Sonntagnachmittag fand für den schwindenden Gletscher eine Gedenkfeier statt, die vom Verein Klimaschutz Schweiz, Fastenopfer, Brot für alle, der Gletscher-Initiative, Greenpeace und «Oeku Kirche und Umwelt» organisiert wurde. Trauerkleidung war laut den Organisatoren erwünscht, Wanderschuhe sind Pflicht: Die Feier fand am Fuss des Gletschers statt und war nur nach einer 1,5-stündigen Wanderung zu erreichen. Stefan Salzmann, Co-Präsident der Klima-Allianz, war in der Gondel, als er das Telefon abnahm.

Was ist das Ziel der Gedenkfeier für den Pizol-Gletscher?

Stefan Salzmann: Wir möchten die lokalen Auswirkungen des globalen Phänomens Klimawandel zeigen. Dessen Auswirkungen sind dramatisch. Es ist wichtig, dass es etwas wie die Gletscher-Initiative gibt.

Gletscher-Initiative

Die Gletscher-Initiative fordert netto null Emissionen bis 2050. Sie will die Ziele des Pariser Klimaabkommens in der Verfassung verankern und die Schweiz auf Klimakurs bringen. Ab dann dürften in der Schweiz keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden, verlangt der Initiativtext. Gemäss der Homepage hat die Initiative bereits 120'633 registrierte Unterschriften. Die Sammelfrist für die Initiative läuft bis 30. Oktober 2020. www.gletscher-initiative.ch

Die Initiative hat bereits über 120'000 Unterschriften gesammelt. Weshalb der Erfolg?

Es gibt immer mehr Personen, die sich der Problematik bewusst sind. Dazu beigetragen haben sicher auch die weltweiten Schülerbewegungen mit den Klimastreiks. Ein neuer Teil der Gesellschaft wurde aufmerksam auf den Klimawandel, und die Jugendlichen haben häufig auch die Eltern ins Boot geholt.

Stefan Salzmann ist Co-Präsident der Klima-Allianz und Verantwortlicher für Klimafragen bei der Hilfsorganisation Fastenopfer.

Stefan Salzmann ist Co-Präsident der Klima-Allianz und Verantwortlicher für Klimafragen bei der Hilfsorganisation Fastenopfer.

Kritiker sagen, es reiche nicht, wenn die kleine Schweiz etwas gegen den Klimawandel unternehme. Was sagen Sie dazu?

Die grossen Ziele werden global gesteckt, für die Umsetzung sind die einzelnen Länder verantwortlich. Die Schweiz hat eine grosse Verantwortung, nicht nur für die eigene Bevölkerung, sondern auch für andere Weltregionen. Sie verursacht nicht nur hier Emissionen, sondern auch im Ausland. Dabei handelt es sich um Treibhausgase, die der Konsum und die Produktion von Waren und Dienstleistungen der Schweiz ausserhalb der Landesgrenzen auslösen. In New York findet aktuell der UNO-Klimagipfel statt. Wir hoffen auf einen weiteren Schritt, um die geforderten Klimaziele zu erreichen.

Wie wurden die Redner für die Gedenkfeier ausgewählt?

Bei der Gedenkfeier sprechen der Glaziologe Matthias Huss von der ETH; Khonemany Innoukham, Fastenopfer-Koordinatorin aus Laos und Eric Petrini, Pfarreiseelsorger von Mels. Wir haben keine Politiker eingeladen, uns ist es sehr wichtig, dass es kein parteipolitischer Anlass ist. Stattdessen sind Vertreter der Wissenschaft, des Alpenschutzes und der Kirche vor Ort. Es sind unterschiedliche Organisationen, die sonst nicht unbedingt zusammenarbeiten. Das zeigt, dass der Klimawandel alle etwas angeht.

In der Einladung stand, dass Trauerkleidung erwünscht sei. Halten sich die Teilnehmer daran?

Wahrscheinlich haben sich viele für die Kompromisslösung schwarzer Windbreaker entschieden. Ich habe noch einen Tschoopen dabei, den ziehe ich jedoch erst nach der Wanderung an.

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