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Das Abwärmenetz im Westen von St.Gallen läuft warm

Erstmals geben Industriebetriebe im Westen von St.Gallen überschüssige Wärme an benachbarte Firmen ab.
Sandro Büchler
Die Ernst Sutter AG (rechts oben) liefert ab Ende Jahr auch Wärmeenergie an die City-Garage AG (Bildmitte). (Bild: Benjamin Manser -12. Juni 2017)

Die Ernst Sutter AG (rechts oben) liefert ab Ende Jahr auch Wärmeenergie an die City-Garage AG (Bildmitte). (Bild: Benjamin Manser -12. Juni 2017)

Im Industriegebiet in St.Gallen West/Gossau Ost ist ein Pionierprojekt entstanden: Nämlich das erste Abwärmenetz in St.Gallen. Seit einem Monat wird die überschüssige Wärmeenergie von den Kühlanlagen des Fleischverarbeiters Ernst Sutter AG in ein rund ein Kilometer langes Rohrsystem geleitet. Die Abwärme gelangt vom Dach des Betriebs zum Altmetall- und Recyclingverarbeiter Schläpfer AG und dem Schleifmaschinenhersteller Steinemann Technology AG auf der anderen Seite der Bahnlinie.

Bei den beiden Industriebetrieben deckt die transportierte Energie den gesamten Raumwärmebedarf. In den Rohren mit einem halben Meter Durchmesser ist zwischen acht und 28 Grad warmes Leitungswasser. Seit April wurde in Winkeln ein Leitungsnetz zwischen den Firmen gebaut, das nun den Betrieb aufgenommen hat. Es ist ein erster Cluster für ein Anergienetz, das in Zukunft noch grösser werden soll.

Verhandlungen um Rappenbeträge

Bei Anergie handelt es sich um Abwärme, welche in den Betrieben entsteht. Aufgrund der verhältnismässig tiefen Temperatur wird sie deshalb auch als «kalte Fernwärme» bezeichnet. In vielen Betrieben wird die Abwärme heute bereits zum Heizen der eigenen Gebäude verwendet. Ein grosser Teil wird jedoch mangels Eigenbedarf in die Umgebung geblasen und verpufft ungenutzt.

Dies war auch der Grund, weshalb sich vor mehr als sieben Jahren die Industriebetriebe in Winkeln zusammen mit den Stadtwerken von St.Gallen und Gossau, sowie der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) und der Gemeinde Gaiserwald an einen Tisch setzten. Sie alle wollten die Abwärme nutzen, unter den Betrieben und den angrenzenden Wohngebieten verteilen und so den CO2-Ausstoss verringern. Das Projekt Energienetz Gossau-St.Gallen-Gaiserwald (GSG) war geboren.

Doch bis nun die erste Wärme floss, war es ein weiter Weg. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts sei ein Knackpunkt gewesen, sagt Adriano Tramèr, Produktionsleiter und Verwaltungsrat der Energienetz GSG AG. «Unsere Energie aus der Abwärme hatte einen Preis von rund 20 Rappen pro Kilowattstunde.» Doch die Wärmekosten der Kunden bewegten sich beim Projektstart im Bereich von 11 bis 15 Rappen. Dass die Käufer den höheren Preis nicht bezahlen würden, sei klar gewesen. «Die Verhandlungen sind hart gewesen», gibt Tramèr unumwunden zu. Es sei um ein paar Rappen gefeilscht worden. Gefunden habe man sich schliesslich bei 16 Rappen. «Beide Seiten – wir Produzenten und die Energiebezüger – mussten Abstriche machen.»

Das Netz soll ausgebaut werden

Tramèr lobt die Beteiligten. «Alle haben am gleichen Strick gezogen und von Anfang an das Projekt geglaubt.» Denn mit der Nutzung der Abwärme mache man einen Schritt zu einer grünen Energieversorgung. Mit der im Initialcluster abgesetzten Wärmeenergie lassen sich 160 Einfamilienhäuser heizen. Rund 474 Tonnen CO2 oder umgerechnet rund 179000 Liter Heizöl lassen sich pro Jahr einsparen.

Und das Anergienetz wird weiter ausgebaut. Bis Ende des Jahres wird auch die nahe City-Garage AG mit Energie versorgt, bis Herbst 2020 wird der Spielwarenhändler Max Bersinger AG ans Wärmenetz angeschlossen. Und es soll weitergehen: Sofern technisch und wirtschaftlich möglich, ist ein Ausbau Richtung Osten, in die Gebiete Winkeln Nord und die Arena bis ins Jahr 2023 geplant. Bis 2033 sollen auch Betriebe und Haushalte im Kreuzbühl-Quartier und in der Kräzeren vom Wärmeverbund profitieren.

Für Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald, ist der nun eingeweihte Cluster des Wärmenetzes ein erster Meilenstein. Auch Abtwil soll in zehn Jahren an das Anergienetz angeschlossen sein. «Denn der Säntispark könnte auch ein Wärmelieferant für das Netz sein.» Allenfalls baue man eine eigene Zelle, die man später mit dem Winkler Netz verbinde.

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