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Pilzkontrolle: Fast in jedem Körbchen liegt ein Giftpilz

Die Pilz-Saison ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die St.Galler Kontrollstelle wird überrannt: Jeden Abend bringen Dutzende Sammler ihr Körbchen vorbei. Angesichts des Vergiftungsrisikos tun sie auch gut daran.
Seraina Hess
Erna Bayer aus Wittenbach hat am Gübsensee Frauentäubling gefunden – ganz zufällig. (Bild: Ralph Ribi)

Erna Bayer aus Wittenbach hat am Gübsensee Frauentäubling gefunden – ganz zufällig. (Bild: Ralph Ribi)

Für Mehlbeeren ist Erna Bayer am Nachmittag an den Gübsensee gefahren, mit Frauentäubling und Düsteren Röhrlingen kehrte sie zurück. Auf die Pilze ist die Wittenbacherin rein zufällig gestossen, ohne stundenlange Suche im Wald.

So ist es in den letzten Tagen einigen Sammlern ergangen, die an diesem Abend ihr Körbchen zur Pilzkontrolle in den Botanischen Garten St.Gallen bringen. Pilze schiessen derzeit aus dem Boden. Und das, obschon die Medien erst vor ein paar Wochen von einer miserablen Saison sprachen, zurückzuführen auf die anhaltende Trockenheit.

Doch die Bedingungen haben sich geändert: Der Niederschlag nach dem Hitzesommer hat die Schwämme regelrecht aus dem Boden getrieben – ähnlich wie 2003, als vor allem der Wiesenchampignon prächtig gediehen war.

Was nicht tötet, kann Bauchweh machen

Des Sammlers Glück bekommt auch die Pilzkontrolle zu spüren: Bereits Mitte der Saison, die von August bis Oktober dauert, haben so viele Kontrollen stattgefunden wie 2017 insgesamt. Und auch damals sprach man von einem guten Pilzjahr. In 421 Kontrollen wurden total 230 Kilogramm gesammelte Pilze vorgewiesen – also etwas mehr als ein halbes Kilo pro Person. «Obwohl es offenbar viele Pilze gibt, sammeln die meisten bescheiden und sind nicht gierig», sagt Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens und in dieser Funktion auch Pilzkontrolleur.

In dieser Saison kommen dem Leiter des Botanischen Gartens St.Gallen, Hanspeter Schumacher, auch Pilze auf den Kontrolltisch, die er sonst seltener sieht: Hier etwa die Schleiereule, gesammelt im Thurgau bei Dussnang. (Bild: Ralph Ribi)
Diesem Sammler ist es gelungen, fast anderthalb Kilo Steinpilze zusammenzutragen. Fündig wurde er auf der Schwägalp. (Bild: Ralph Ribi)
Frische Steinpilze sind in der Küche besonders beliebt und sollten möglichst rasch verarbeitet werden. (Bild: Ralph Ribi)
Ein Paar mit grosser Beute: Leider ist ein Drittel der Hexenröhrlinge, die sie in die Kontrolle gebracht haben, nicht geniessbar. (Bild: Ralph Ribi)
Hanspeter Schumacher gelingt es, Pilze aufgrund ihres Geruches zu bestimmen. (Bild: Ralph Ribi)
Der Frauentäubling ist geniessbar - Erna Bayer will ihn noch am selben Abend zu einem Nachtessen verarbeiten. (Bild: Ralph Ribi)
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Pilzkontrolle St.Gallen: In fast jedem Körbchen ein Giftpilz

Nur wenige Pilze aus dem Boden gezogen hat auch Erna Bayer, zumal sie sich nicht sicher war, ob es sich dabei um geniessbare Exemplare handelt. Und tatsächlich: Schumacher identifiziert mit nur einem Blick fast die Hälfte der Ernte als Düsteren Röhrling. «Umbringen würde Sie der Pilz nicht – Bauchschmerzen bereiten aber allemal», sagt er. Selbst Pilze, die nur bei regelmässigem Verzehr schädlich wirken, behält die Kontrollstelle zurück und entsorgt sie auf dem Kompost.

Der Unterschied zwischen giftigen und geniessbaren Pilzen ist manchmal selbst für geschulte Augen schwer erkennbar. Längst nicht jeder Schwamm warnt so deutlich wie der bekannte rote und weiss gepunktete Fliegenpilz. Ein junges Paar mit beinahe kindlicher Euphorie ob seiner riesigen Pilzernte legt Schumacher ein ganzes Kilo Hexenröhrlinge vor. 350 Gramm entpuppen sich als netzstielige Variante des Pilzes und somit als unverträglich. Erkennbar ist diese Variante des Hexenröhrling durch das netzartige Muster am roten Stil.

Ab auf den Kompost: Der typisch blauende Netzstielige Hexenröhrling gilt heute nicht mehr als Speisepilz. Zu Unverträglichkeiten kommt es bei ihm vor allem in Kombination mit Alkohol. (Bild: Ralph Ribi)

Ab auf den Kompost: Der typisch blauende Netzstielige Hexenröhrling gilt heute nicht mehr als Speisepilz. Zu Unverträglichkeiten kommt es bei ihm vor allem in Kombination mit Alkohol. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Kontrolleur irrt sich nicht

Es zeigt sich nach nur fünf Minuten im gut frequentierten Raum: Verzichteten die Sammler auf die Pilzkontrolle, wäre das in den meisten Fällen gefährlich oder zumindest unangenehm. Ungünstig sei es deshalb, wenn gewisse Gemeinden im Kanton keine Experten finden oder an Kontrollstellen sparen, weil sie zu dieser Dienstleistung nicht verpflichtet sind. Schumacher sagt:

«Viel teurer als eine Kontrollstelle ist eine Nacht im Spital, wenn einer Person der Magen ausgepumpt werden muss.»

Falsch identifiziert habe der Leiter des Botanischen Gartens bisher noch keinen Pilz. Zwar habe ein Sammler einmal eine gewisse Sorte nicht vertragen – doch nur, weil er sie in zu grossen Mengen verzehrt hatte. Auch an diesem Kontrollabend erkennt Schumacher die jeweilige Pilzsorte innert Sekunden. Nur bei einer im Thurgau gesammelten Schleiereule, die ihm an diesem Abend ebenfalls unter die Augen kommt, überlegt er zweimal: «Ein eher seltener, aber geniessbarer Pilz.»

Steinpilze, wohin das Auge reicht

Keinen einzigen Giftpilz in den Korb gepackt hat ein Sammler, der am Fusse des Säntis fündig wurde. Fast eineinhalb Kilo Steinpilze, die derzeit besonders gedeihen, hat er von der Schwägalp mitgebracht. Bescheidener ist Erna Bayers Ertrag: Verblieben sind ihr nach der Kontrolle gerade einmal 130 Gramm Frauentäubling. In Butter angebraten und mit einem Stück Brot serviert kommt der Znacht aus dem Wald aber trotzdem noch am gleichen Abend auf den Tisch.

Öffnungszeiten

Die Pilzkontrolle im Botanischen Garten St. Gallen findet noch bis Ende Oktober statt. Mo: 7.30 – 8.30 Uhr, 16.30 – 17 Uhr. Di bis Fr: 16.30 – 17 Uhr.

Sammeln in der Stadt

Zwar geben Pilzlerinnen und Pilzler ihre ertragreichsten Gebiete nur ungern preis. Wer Pilze finden will, muss aber nicht weit fahren: Es genügt, einen Wald auf Stadtgebiet aufzusuchen. Wichtig sei gemäss Hanspeter Schumacher vor allem, naturnahe Bestände mit alten Bäumen aufzuspüren, weil diese mit Pilzen in Symbiose leben. «Wer Lärchen oder Birken entdeckt, sollte aufmerksam sein», sagt Schuhmacher – dort würden sich besonders viele Pilze ansiedeln. (seh)

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