PILOTPROJEKT
Charmeoffensive auf zwei Rädern: Lieferdienst «Via Velo» buhlt ein Jahr nach dem Start um mehr Kundschaft

Ein Jahr nach der Einführung des Lieferdienstes viaVelo.sg ziehen Politik und Detailhandel ein positives Zwischenfazit. Trotzdem gibt's Luft nach oben. Mit der Acrevis-Bank soll nun ein neuer Hauptsponsor helfen, das Projekt zu etablieren.

Luca Ghiselli
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Seit einem Jahr kann man sich nach einem Einkauf in der St.Galler Innenstadt die Ware für fünf Franken vom Velokurier nach Hause liefern lassen.

Seit einem Jahr kann man sich nach einem Einkauf in der St.Galler Innenstadt die Ware für fünf Franken vom Velokurier nach Hause liefern lassen.

Bild: PD

Es ist weder Stadtbummel- noch Velowetter am Montagnachmittag. Es nieselt und zieht bei Temperaturen knapp über der Zehn-Grad-Marke. Nicht die idealen Bedingungen also, um unter freiem Himmel über den aktuellen Stand beim Lieferdienst «Via Velo» zu informieren.

Genau das tut Stadtpräsidentin Maria Pappa am Montag gemeinsam mit Stadtrat Peter Jans, Pro-City-Präsident Ralph Bleuer und Sebastian Schefer, dem Co-Geschäftsleiter des Velokuriers «Die Fliege» beim Brunnen in der Marktgasse. Anlass ist das einjährige Bestehen des Lieferservice, auf den seit einigen Wochen auch Plakate in der Altstadt aufmerksam machen. Eine der Werbebotschafterinnen? Die Stadtpräsidentin selbst.

Das Prinzip von viaVelo.sg ist simpel: Ausgewählte Geschäfte in der St.Galler Innenstadt bieten die Möglichkeit, die Einkäufe ihrer Kundinnen und Kunden nach Hause liefern zu lassen. Via App wird der Auftrag ausgelöst, via Velo wird geliefert – und dies noch am selben Tag. Beliefert werden Adressen auf Stadtgebiet. Die Kosten: fünf Franken pro Lieferung für maximal zwei Einkaufstaschen mit insgesamt 20 Kilogramm Gewicht. Entstanden ist das Projekt aus dem Forum «Zukunft St.Galler Innenstadt», ausgelegt ist es auf drei Jahre – ein Drittel ist also bereits um.

Dank Sponsoring für Geschäfte neu kostenlos

Stadtpräsidentin Maria Pappa spricht an der Medienorientierung in der Marktgasse von einem erfolgreichen Start. Neu gebe es auch Jahresabos für regelmässige Nutzerinnen und Nutzer des Lieferservice. Laufend kommen neue Geschäfte hinzu, Coop City und Aldi etwa – sogar der Bauernmarkt macht neu mit. Und: Dank der Acrevis-Bank, die «Via Velo» neu sponsert, ist die Dienstleistung für Geschäfte neu gratis.

Von links: Michael Steiner (Acrevis), Stadtrat Peter Jans, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Sebastian Schefer (Die Fliege) und Ralph Bleuer (Pro City) nach der Medienorientierung in der Marktgasse.

Von links: Michael Steiner (Acrevis), Stadtrat Peter Jans, Stadtpräsidentin Maria Pappa, Sebastian Schefer (Die Fliege) und Ralph Bleuer (Pro City) nach der Medienorientierung in der Marktgasse.

Bild: Luca Ghiselli (30. August 2021)

Zahlten im ersten Jahr die Kundschaft, das Geschäft und der städtische Energiefonds je fünf Franken pro Lieferung, übernimmt Acrevis jetzt den Betrag der Händler. «Die Innenstadt hat es mit Corona und Onlinehandel nicht leicht. Der Lieferservice gibt hier Gegensteuer. Mit dem Sponsoring können wir den lokalen Handel gezielt unterstützen», begründete Michael Steiner, Vorsitzender der Acrevis-Geschäftsleitung, das Engagement der Bank. Pro-City-Präsident Ralph Bleuer dankte und sagte: «Das ist ein Puzzlestück im grossen Mosaik einer attraktiven Innenstadt.»

Es gibt noch Luft nach oben

Auch Stadtrat Peter Jans bekundet seine Freude über den umweltfreundlichen Lieferservice. Dieser passe nicht nur zu Energie- und Mobilitätskonzept der Stadt, er trage auch zur cleveren Mobilität bei. «Deshalb wollen wir mit Beiträgen aus dem Energiefonds helfen, das Projekt zum Fliegen zu bringen.» Über die dreijährige Pilotphase gesehen sind es 60'000 Franken, die aus dem Energiefonds in viaVelo.sg fliessen. Die Acrevis-Bank beteiligt sich im gleichen Zeitraum mit 27'000 Franken.

29 Geschäfte sind aktuell Teil des Netzwerks von viaVelo.sg. Laufend kommen neue hinzu, sagte Sebastian Schefer, Co-Geschäftsführer des Velokuriers «Die Fliege». Er blickt auf einen erfreuliches erstes Jahr zurück, sagt aber auch: «Wir haben noch Luft nach oben.» Im ersten Jahr wurden etwa 1500 Sendungen über viaVelo.sg getätigt, also durchschnittlich etwa eine Handvoll pro Tag.« Es ist eine spannende Dienstleistung», sagte Schefer. Und er ermutigt, sie kreativ zu nutzen – beispielsweise, indem man einen Blumenstrauss am Bauernmarkt kauft und seinem Liebsten gleichentags via Velokurier nach Hause schickt.

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