Zwei St.Galler CVP-Parlamentarier machen Platz für Jüngere

Die beiden CVP-Stadtparlamentarierer Daniel Stauffacher und Werner Ruppeiner treten Ende Monat zurück. Laute Töne sind nicht ihr Ding, Extrempositionen auch nicht. Sie haben andere Qualitäten.

Daniel Wirth
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Vor ihrer letzten Stadtparlamentssitzung: Daniel Stauffacher (links) und Werner Ruppeiner. (Bild: Benjamin Manser)

Vor ihrer letzten Stadtparlamentssitzung: Daniel Stauffacher (links) und Werner Ruppeiner. (Bild: Benjamin Manser)

Bäckermeister Werner Ruppeiner aus St. Georgen las 2008 im «St. Galler Tagblatt», dass die FDP für die Gesamterneuerungswahlen ins Stadtparlament eine Liste verabschiedet hatte. Das wäre eigentlich etwas für ihn gewesen, dachte er sich.

Der Zug schien abgefahren, als Ruppeiner zwei Tage später von der CVP angefragt wurde, ob er auf der Liste der Christlichdemokraten kandidieren wolle. Ruppeiner sagte zu, wurde gewählt und sitzt seit 2009 im Parlament. Er wurde zweimal wiedergewählt. Ruppeiner gehört der Werkkommission an. Die politischen Schwerpunktthemen des 57-Jährigen: St. Georgen, das Gewerbe, die Parkplätze.

Daniel Stauffacher wuchs im Osten der Stadt auf und zog später in den Westen. Der Architekt war dort aktiv in der Interessengemeinschaft (IG) Wolfganghof und kam auf diesem Weg in Kontakt mit der CVP; Anfang der 2000er-Jahre trat er der Kreispartei West bei. 2004 kandidierte er bei den Gesamterneuerungswahlen. Kurz vor dem Ende der Legislatur rückte er im August 2008 nach. Er wurde dreimal wiedergewählt. Stauffacher war in der Baukommission und von 2015 bis Ende 2018 Präsident der CVP/EVP-Fraktion. Dem 54-Jährigen liegen die Bau-, die Familien- und die Gewerbepolitik am Herzen.

St.Galler Stadtparlament durch vorzeitige Abgänge geschwächt

In den ersten eineinhalb Jahren der laufenden Amtsdauer 2017 bis 2020 sind über zehn Prozent der Mitglieder des St.Galler Stadtparlaments vorzeitig ausgeschieden. Die Meinungen darüber, wie schlimm das ist, gehen weit auseinander. Klar ist, dass sich die Parteien teils schwer tun, starke Nachfolger für ausscheidende Meinungsmacher zu rekrutieren.
Reto Voneschen

Beide treten zurück, weil sie Jüngeren Platz machen und mehr Zeit für sich, ihre Familien und ihre Unternehmen haben wollen, wie sie im Gespräch mit dem «Tagblatt» sagen. Nicht aus Frust. Sie hätten ihre Arbeit im Stadtparlament gerne gemacht – auch wenn der Umgang härter, lauter, angriffiger geworden sei.

Den Spagat der CVP ganz oft mitgemacht

Sowohl Stauffacher als auch Ruppeiner fallen im Stadtparlament nicht mit pointierten Voten auf. Sie sind stille Schaffer und auf Konsens bedacht. Sie sind Pendel zwischen den Polen links und rechts des politischen Spektrums.

Typisch CVP halt, ist der Politikbeobachter versucht zu schreiben. «Das ist richtig», sagt Stauffacher. Die CVP der Stadt St. Gallen sei heterogen. In der Familienpolitik brauche es Forderungen an den Staat, was nicht immer im Sinn der Unternehmer in der Fraktion sei. Diese wiederum wehrten sich gegen den Abbau von Parkplätzen, so wie Ruppeiner es selbst vehement, aber erfolglos getan hat, was nicht Sinn der Christlichsozialen in der Fraktion gewesen war. «Wir müssen stets vermitteln, innerhalb der Fraktion und im Stadtparlament ohnehin, mal mehr mit den Linken, mal mehr mit den Bürgerlichen, so wie jüngst bei der Steuersenkung für 2019», sagt das Duo Ruppeiner/Stauffacher.

Beide waren über zehn Jahre im Stadtparlament

Konsens – das ist es, was sich Ruppeiner für das Stadtparlament wünscht. Und mehr Einwohner für die Stadt. Das werde möglich durch mehr Mut in der Politik. Stauffacher sagt, die Stadt und ihre Politiker dürften selbstbewusster auftreten. St. Gallen habe viel zu bieten, dessen müssten Politiker sich bewusst sein.

Die beiden CVP-Stadtparlamentarier nehmen am 15. Januar nach gut zehn Jahren an ihrer letzten Sitzung im Rat teil.