Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

SP-Politiker will mehr Informationen zu einem Namensgeber des Scherrerplatzes in St.Gallen - und zur Historie der umstrittenen Atomenergie

SP-Stadtparlamentarier Guido Berlinger-Bolt stört, dass beim Scherrerplatz nicht ausführlich über Paul Scherrer und kritisch über die Atomenergie informiert wird. Der Stadtrat findet, es brauche nicht mehr.
Daniel Wirth
Der noch junge Scherrerplatz in St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Der noch junge Scherrerplatz in St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Seit dem 3. Dezember vergangenen Jahres heisst der Platz, an dem die Spital-, Kugel- und Brühlgasse zusammenkommen, Scherrerplatz. Die Stadt nahm die Neugestaltung der östlichen Altstadtgassen und des Platzes, um den bestehenden Brunnen zum Anlass, dem Platz im Stadtzentrum einen Namen zu geben.

Vier mit Namen "Scherrer"

Mit dem Scherrerplatz wurde 100 Jahre nach der Stadtverschmelzung 1918 der erste Stadtammann und Mitinitiator der vereinigten Stadt, Eduard Scherrer, geehrt, wie die Stadt seinerzeit mitteilte. Eduard Scherrer (1862–1947) war neben seinem Engagement für die Stadt auch Kantons-, Regierungs- und Nationalrat der FDP. Dem noch jungen Scherrerplatz geben drei weitere Persönlichkeiten mit St.Galler Bezug seinen Namen.

Heinrich Scherrer (1847–1919), als Anwalt in der Stadt tätig, war Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat des Kantons St.Gallen. Der Sozialdemokrat setzte sich für die Kranken- und Unfallversicherung sowie den Arbeiterschutz ein.

Hedwig Scherrer (1878–1940) widmete sich in der Stadt und in ihrem selbst entworfenen Atelierhaus insbesondere der Druckgrafik und der Landschafts- und Porträtmalerei. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 betätigte sich die Künstlerin pazifistisch und leistete Einsatz in der Flüchtlingshilfe.

Paul Scherrer verbrachte seine Kindheit in der Stadt

Paul Scherrer (1890–1969), der seine Kindheit und Schulzeit in St. Gallen verbrachte, machte sich als Professor für Experimentalphysik an der ETH Zürich insbesondere für die Erforschung der Kernphysik verdient. Mit seinem fachlichen und politischen Engagement für die Atomwissenschaft nahm er grossen Einfluss auf die wesentlichen Linien der schweizerischen Nuklearpolitik der Nachkriegszeit. All dieses Informationen zu Paul Scherrer stammen aus einer Medienmitteilung der Stadt vom 3.  Dezember 2018.

Nur ganz wenige Informationen gibt es zu Paul Scherrer. (Bild: Michel Canonica)

Nur ganz wenige Informationen gibt es zu Paul Scherrer. (Bild: Michel Canonica)

Am Scherrerplatz selbst machen auf einem Schildchen jedoch lediglich die Lebensdaten und eine dünne Charakterisierung auf die Biografie der Namensgeber aufmerksam. Daran stört sich Guido Berlinger-Bolt im Fall von Paul Scherrer. Der SP-Stadtparlamentarier reichte deswegen im Februar eine Interpellation ein. Die Antwort des Stadtrates liegt nun vor. Um es vorwegzunehmen: Der Sozialdemokrat hätte sich eine anderslautende Antwort des Stadtrats gewünscht.

Dieser schreibt, er betrachte es weder als Aufgabe noch in der Kompetenz des Gremiums, eine historische Deutung des Lebens und Wirkens der namengebenden Persönlichkeiten vorzugeben. Der Stadtrat versteht die Benennung von Wegen, Strassen und Plätzen nach Persönlichkeiten als Einladung an die Öffentlichkeit, sich mit der vielfältigen Geschichte der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner auseinanderzusetzen, wie er in seiner Antwort schreibt.

Kernkraft werde heute anders betrachtet

Berlinger-Bolt erwartet vom Stadtrat weder eine Deutung noch eine politische Stellungnahme zum Schaffen Paul Scherrers. «Aber eine etwas breitere Grundlage, das hätte ich mir gewünscht, als lediglich Name, Geburtsjahr, Todesjahr, Beruf», sagt Berlinger-Bolt. Eine etwas breitere Grundlage dafür, dass sich die Öffentlichkeit mit den namensgebenden Persönlichkeiten und deren Schaffen auseinandersetzen könne. Paul Scherrer dürfe seinen Platz haben in der Stadt St. Gallen, sagt der SP-Politiker.

Aber: Heute sei der Blick auf Paul Scherrers Atomforschung und deren Ergebnisse ein anderer als vor 70 Jahren. Heute stünden die ungelösten Fragen angesichts gelb angemalter Fässer mit radioaktivem, schier zeitlos weiter strahlendem Abfall im Zentrum. Berlinger-Bolt: «Diese Veränderung in den letzten fünf Jahrzehnten aufzuzeigen, das wäre die Chance einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit durch die Stadt. Nicht Zeiten ausblenden! Zeit sichtbar machen.»

Das Parlament wird die Antwort der Stadtregierung an seiner Sitzung am 25. Juni behandeln.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.