PARTY OHNE MASKE
«Ein wichtiger Entscheid»: St.Galler Clubs eröffnen dank 2G-Regel wieder

St.Galler Clubs dürfen die 2G-Regel einführen. Das hat der Kanton St.Gallen am Dienstag bekanntgegeben. Eine Erleichterung für die einen Clubbetreiber, für andere kommt dieser Entscheid zu spät.

Dario Brazerol/FM1Today
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Mit der 2G-Regelung kann im Kugl weiterhin ohne Maske gefeiert werden.

Mit der 2G-Regelung kann im Kugl weiterhin ohne Maske gefeiert werden.

Bild: Peer Füglistaller

Nur wer geimpft oder genesen ist, erhält Zutritt zu Clubs. Setzen die Betreiber die 2G-Regelung um, werden getestete Personen vom Lokal ausgeschlossen. Allerdings dürfen sich somit die Genesenen und Getesteten im Club ohne Maske frei bewegen und auch im Stehen konsumieren. Der Kanton St.Gallen gibt den Clubbetreibern am Dienstag die Möglichkeit, diese Regelung umzusetzen und passt seine Corona-Massnahmen somit jenen des Bundes an.

«Ein wichtiger Entscheid», sagt Daniel Weder, Geschäftsführer des St.Galler Clubs Kugl und Vorstandsmitglied der Vereinigung «Nacht Gallen» gegenüber FM1Today. «Wir haben sehr gehofft, dass der Kanton diese Möglichkeit aufgreifen wird.» Direkt nach Bekanntgabe der 2G-Möglichkeit kommuniziert der Club dessen Umsetzung. Allerdings sei 2G auch mit gewissen Bedenken verbunden: «Wir wissen noch nicht, was 2G für uns bedeutet. Brechen uns nun die Leute weg? Wir müssen es ausprobieren, es ist der einzig gangbare Weg.»

Kugl, Ivy und Trischli öffnen wieder mit 2G

Ohne die 2G-Möglichkeit hätte der Club, wie auch viele andere in St.Gallen, schliessen müssen, was als erste Reaktion auf den kantonalen Entscheid von letzter Woche auch geschehen ist. Die Clubs Kugl, Ivy und Trischli empfingen letztes Wochenende keine Gäste. Eine Sitzpflicht für die Konsumation – für die Clubs nicht umsetzbar. Deshalb sei der Entscheid, auf 2G umzustellen auch entsprechend leicht gefallen. Alle drei Clubs werden wieder Partys schmeissen, trotz Angst vor potenziellen Shitstorms. Auch beim Kugl liessen die Kommentare auf Social Media nicht lange auf sich warten. «Auf Facebook ging es nach Bekanntgabe sofort los. Manche Leute sehen die Zusammenhänge nicht. Es gibt aber Kommentare in beide Richtungen», sagt Weder.

Das Wichtigste sei aktuell, dass der Club überhaupt öffnen und Umsatz generieren könne. Gewisse Unsicherheiten im Hinblick auf die nächsten Wochenenden bleiben aber. «Wir haben Angst vor einer Situation, welche nicht umsetzbar ist, dass die Leute wegbleiben und der Umsatz wegfällt», sagt der Kugl-Betreiber. Aktuell überwiege aber die Zuversicht, dass die Gäste die neue Massnahme gut aufnehmen werden. «Ich denke, dass es gut funktionieren kann. Es ist eine schwierige Zeit, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.»

Daniel Weder, Geschäftsführer Kugl St.Gallen und Vorstandsmitglied «Nacht Gallen».

Daniel Weder, Geschäftsführer Kugl St.Gallen und Vorstandsmitglied «Nacht Gallen».

Bild: Michel Canonica

Kein Besucherrückgang im Ivy befürchtet

Auch der Ivy Club in der St.Galler Innenstadt öffnet nach einem geschlossenen Wochenende wieder – einem verlorenen Wochenende, sagt Clubbetreiber René Meier: «Wir sind froh, dass wir wieder öffnen können, gleichzeitig enttäuscht, dass der Kanton St.Gallen dem Bund ein zweites Mal vorgreifen musste. Die verlorenen Einnahmen des letzten Wochenendes bekommen wir nicht mehr zurück.» Ausserdem habe man gesehen, dass die jungen Leute trotz geschlossener Clubs in den Ausgang gehen, sich einfach auf die Bars verteilen.

Dass das Ivy durch die 2G-Regel nun Gäste verlieren wird, befürchtet Meier nicht. «Wir haben in letzter Zeit starke Wochenenden verzeichnet. Das Ivy bietet selbst Coronatests an, welche an einem Samstag aber maximal von 30 Besuchern genutzt wurden. Das sind weniger als 10 Prozent der Besucher.»

BBC: «Wissen nicht, was uns erwartet»

Ebenfalls froh über die 2G-Regelung ist das BBC in Gossau. «Wir werden aufmachen», versichert Mediensprecherin Rita Bolt. Allerdings nur am Freitag und Samstag, unter der Woche bleibt das BBC geschlossen. «Seit der Zertifikatspflicht ging die Besucherzahl unter der Woche sehr stark zurück. Deshalb musste bereits seit Wochen der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen sonntags und montags geschlossen bleiben.»

Trotz Freude über die Möglichkeit, mit 2G zu öffnen, schwingt auch im BBC Unsicherheit mit: «Wir wissen nicht, was uns nächstes Wochenende erwartet. Bleiben die Leute weg? Wir wissen es nicht, da einige 18- bis 25-Jährige nicht geimpft sind. Wir müssen nun Erfahrungen sammeln», sagt Bolt. Zusätzliches Personal, um die Zertifikate zu kontrollieren, sei nicht nötig. «Unsere Securitys haben diese schon bis anhin beim Eingang kontrolliert und dabei wird es auch bleiben.»

«Treppi» in Rorschach bleibt bei 3G – vorerst

Im Treppenhaus in Rorschach wurden schon vor Ankündigung der 2G-Option alle Konzerte für den Dezember abgesagt. Und dabei wird es auch bleiben. Das Lokal verzichtet auf die Einführung der 2G-Regel. «Die Leute kommen auch ohne 2G-Regel nicht zu uns. Das Interesse fehlt. Die jungen Leute gehen lieber in den Club in die Stadt, anstatt an einen Kulturanlass im eher ländlichen Gebiet», sagt Samuel Baumann, Geschäftsführer im Treppenhaus.

Die aktuelle Situation sei zu ungewiss, um nun auf 2G umzustellen. «Ich gehe davon aus, dass die Massnahmen noch weiter verschärft werden», sagt Baumann. Sollte dies nicht passieren, will man im Treppenhaus ab Januar über eine allfällige 2G-Regelung entscheiden. Bis dahin sei es möglich, dass einzelne Veranstaltungen für Genesene und Geimpfte durchgeführt werden.

Mehr Planungssicherheit vom Kanton gewünscht

Auch wenn der Treppenhaus-Chef grundsätzlich mit den aktuellen Massnahmen einverstanden ist, sich zum Teil sogar noch schärfere vorstellen kann, hätte er sich mehr Vorlaufzeit gewünscht. «Der Kanton St.Gallen hat bereits vor zwei Wochen kommuniziert, dass über neue Massnahmen entschieden worden sei. Diese hat er aber nicht direkt mitgeteilt. Planungssicherheit ist in der Gastronomie aber das Wichtigste.» Ticketvorverkäufe seien deswegen nur schleppend vorangekommen, die Leute hätten geahnt, dass etwas kommt, vermutet Baumann.

Allerdings fügt er an, dass die Gästesituation im «Treppi» schon seit Sommer 2021 nicht rosig sei: «Wir haben in diesem Jahr viele Stammgäste aufgrund der Massnahmen verloren. Viele verzichten vermehrt auf lokale Gastronomie- und Kulturangebote oder haben sich neu orientiert und ihre Freizeit neu organisiert.» Die Hoffnung auf eine Besserung der Situation liege nun auf nächstem Frühling. Verläuft die fünfte Welle simultan zur zweiten, sollten die Fallzahlen ab dann wieder abnehmen und allfällige 2G- oder 3G-Regelungen könnten sich erübrigen.

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