Parlamentarischer Vorstoss

St.Galler Stadtrat streicht die Hausaufgabenhilfe für Schüler – Sparen ist dabei nicht der Hauptgrund

Schüler sollen ihre Ufzgi alleine lösen. Deshalb kündigt der Stadtrat eine entsprechende Leistungsvereinbarung. Jetzt hat er eine Interpellation dazu beantwortet.

Jolanda Riedener
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Schülerinnen und Schüler sollen ihre Hausaufgaben alleine lösen.

Schülerinnen und Schüler sollen ihre Hausaufgaben alleine lösen.

Bild: Benjamin Manser

Die Stadt will die Leistungsvereinbarung mit dem Verein Arge Integration nicht mehr erneuern. Der Verein hilft den städtischen Schülerinnen und Schülern seit 2012 beim Lösen der Hausaufgaben. Der Stadtrat begründet dies mit einer neuen Empfehlung des Kantons. Die Lehrpersonen sollten die Aufgaben so erteilen, dass die Kinder sie selbstständig lösen könnten. Zur Einstellung des Angebots haben Stadtparlamentarierinnen eine Interpellation eingereicht. Der Stadtrat hat den parlamentarischen Vorstoss nun beantwortet.

Marlene Bodenmann (SP), Andrea Hornstein (PFG), Eva Crottogini (SP) und Gabriela Eberhard (SP) wollten vom Stadtrat unter anderem wissen, wie er die Notwendigkeit des Angebots sehe für Kinder, die dabei keine Hilfe erhalten, keinen ruhigen Platz zu Hause oder Mühe bei der Selbstorganisation haben. Unterschrieben haben die Interpellation 31 Mitunterzeichnende.

Auch wenn Hausaufgaben so gestellt werden, dass sie selbstständig erledigt werden können, gebe es nach wie vor Kinder, welche die Aufgabenstellung nicht verstanden haben und auf Unterstützung angewiesen sind, heisst es im Vorstoss.

Hausaufgaben sollten ohne fremde Hilfe gelöst werden

Eltern seien verpflichtet, die Lehrperson und die Schule in Erziehung und Bildung sowie bei der Umsetzung schulischer Massnahmen zu unterstützen. Dazu gehöre auch, dass die Kinder zu Hause einen ruhigen Platz für die Erledigung der Hausaufgaben vorfinden, heisst es in der Antwort des Stadtrats.

Ausserdem liege der Grund für die Aufhebung der Leistungsvereinbarung zwischen der Stadt und dem Verein Arge Integration per Sommer 2021 in einer Neuausrichtung der Schulen im Thema Hausaufgaben. Internationale Forschungen zeigten, dass Hausaufgaben nur dann zu besseren Leistungen führten, wenn sie motivierend wirkten und selbstständig ohne fremde Hilfe bearbeitet werden könnten, heisst es im Antwortschreiben. Werde bei den Hausaufgaben geholfen, verfälsche dies das Bild vom Lernstand, was sich negativ auf die weitere Gestaltung des Lernprozesses auswirke. Somit bestehe keine Notwendigkeit mehr für das Angebot der Aufgabenhilfe des Vereins.

Wie denn der Stadtrat gewährleiste, dass die Hausaufgaben von allen Kindern selbstständig gelöst werden, wollten die Stadtparlamentarierinnen weiter wissen. Primär würden die jeweiligen Lehrpersonen für Hausaufgaben sorgen, die von allen Kindern selbstständig gelöst werden können. Weiter sei die Hausaufgabenpraxis auch Thema beim Austausch zwischen Lehrpersonen und Schulleitungen.

Schule soll ihre Aufgaben nicht an Dritte delegieren

Alle Schulen im Kanton, darunter auch die städtischen, haben den Auftrag, die Hausaufgabenpraxis entsprechend dem Lehrplan und kantonalen Empfehlungen zu entwickeln, schreibt der Stadtrat. Rahmenbedingungen und Standards seien dabei kantonal vorgegeben und es seien keine städtischen Standards notwendig. Es liege an den Schulen, sich im Rahmen dieser Vorgaben und unter Berücksichtigung des lokalen Qualitätskonzeptes, eine passende Hausaufgabenkultur anzueignen.

Im Vorstoss heisst es weiter, ob der Stadtrat bereit wäre, die Weiterführung des Leistungsauftrages punkto Hausaufgabenhilfe mit der Arge Integration zu überdenken. Und ob der Leistungsauftrag in eine Hausaufgabenbegleitung oder in ein betreutes Lernen umzudefinieren wäre. In der Antwort heisst es:

«Nein, der Stadtrat ist nicht bereit, das Angebot der extern erbrachten Aufgabenhilfe weiterzuführen.»

Der Stadtrat begründet dies einerseits mit der neuen Ausrichtung im Thema Hausaufgaben.

Ursprünglich war Sparen kein Grund für die Kündigung

Andererseits verfüge die Volksschule über Mittel, über gut qualifiziertes Personal, über das nötige Wissen und über die geeigneten Methoden, damit sie die ihr zugewiesenen Aufgaben selber lösen kann. Sie kann und soll ihre Aufgaben nicht an Dritte delegieren. Weder Eltern noch der Verein Arge Integration soll Aufgaben der Schule übernehmen.

Weiter hält der Stadtrat fest, dass beim Zeitpunkt der Verhandlungen der befristeten Leistungsvereinbarung Ende 2018/Anfang 2019 ausschliesslich pädagogische Erwägungen im Vordergrund standen und keine Sparüberlegungen.