Den Verkehr regeln darf nur, wer geschult ist: Vereine müssen mit Anzeigen rechnen, wenn sie sich nicht daran halten

Vereine dürfen bei Anlässen nicht mehr Parkeinweiser spielen. Die Gemeinden springen in die Bresche.

Perrine Woodtli
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Den Verkehr regeln darf nur, wer geschult ist.

Den Verkehr regeln darf nur, wer geschult ist.

Bild: Reto Martin

Plauschturniere, Turnunterhaltungen, 1.-August-Feiern, Räbeliechtli-Umzüge. Solche Veranstaltungen ziehen oft viele Besucher an. An Grossanlässen entsteht aber auch Verkehr. Viele Organisatoren regeln diesen selbst, Vereins- und Familienmitglieder oder auch Schüler helfen mit. Erlaubt ist dies eigentlich nicht. «Bislang wurde diesem Thema aber nur wenig Beachtung geschenkt», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Seit einiger Zeit aber werde die Verkehrsregelung nun «systematisch angegangen». Die Gemeinden oder einzelne Organisationen müssen sich deshalb anderweitig organisieren.

Wer den Verkehr regelt, benötigt eine Bewilligung der Polizei. Und dafür müssen bereits vier Kriterien erfüllt werden: Haftpflichtversicherung über drei Millionen Franken, eigene Bekleidung nach europäischen Normen, permanente Aus- und Weiterbildung sowie eigenes Signalisationsmaterial für Tag und Nacht. Dass Privatpersonen nicht den Verkehr regeln sollen, habe mehrere Gründe.

Es sei wichtig, dass nur Organisationen mit einer Bewilligung diese Aufgabe übernehmen, weil die Handzeichen der Verkehrsregler korrekt sein müssten, damit es nicht zu Verwirrung oder zu Unfällen kommt. Zudem sei es versicherungstechnisch ein Risiko, Laien für solche Arbeiten einzustellen. Bislang habe die Polizei nur belehrend eingegriffen, sagt Florian Schneider.

«Es gab einzelne Vereine, die von uns kontaktiert und auf Missstände aufmerksam gemacht wurden.»

Diese Praxis führe man weiter. «Wird allerdings trotz unserer Aufforderung kein geschultes Personal eingesetzt, so müssen die verantwortlichen Personen mit einer Anzeige rechnen.»

Vereinsmitglieder können sich ausbilden lassen

Auch in Waldkirch regelten Vereinsmitglieder den Verkehr selber. «Das war zwar nicht korrekt, haben aber alle jahrelang so gehandhabt», sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari. Man habe sich 2018 Gedanken diesbezüglich gemacht und eine Leistungsvereinbarung mit einem Verkehrsdienst aus Gossau abgeschlossen. Ab 2020 bietet die Gemeinde nun einen eigenen an. Im ehemaligen Feuerwehrkommandanten Oliver Dux fand sie einen Verantwortlichen.

Dux hat im Sommer den Verkehrsdienst-Grundkurs absolviert und kann damit auch selber weitere Verkehrsregler ausbilden. Der Verkehrsdienst Waldkirch zählt laut Zaccari derzeit sechs Leute. Diese werden künftig von Oliver Dux auf Anfrage von Vereinen, Organisationen oder Gemeinde aufgeboten und sind entsprechend ausgerüstet.

«Je nach Anlass braucht es im Schnitt zwei bis drei Verkehrsregler.»

Die Vereine haben die Möglichkeit, ebenfalls Teil der Verkehrsgruppe zu werden. Vereinsmitglieder können sich bei Dux ausbilden lassen und bei Vereinsanlässen den Dienst unterstützen. Seine eigenen Mitglieder muss der jeweilige Verein nicht bezahlen. So könne jeder Verein Kosten sparen. Wer die Verkehrsregelung aufbietet, zahlt der Gemeinde ansonsten 35 Franken pro Stunde und Person. Mit der Leistungsvereinbarung mit dem Gossauer Anbieter waren es 45 Franken. Bei öffentlichen Anlässen wie Viehschauen übernimmt die Gemeinde die Kosten.

Waldkircher kennen sich besser aus als Auswärtige

Zaccari sieht mehrere Vorteile im gemeindeeigenen Verkehrsdienst. «In Waldkirch gibt es über 65 Vereine und Organisationen. Diese leisten wertvolle Arbeit. Mir ist es wichtig, dass wir ihnen einen kostengünstigen Verkehrsdienst anbieten können.» Zudem sei es ein Gewinn, wenn Waldkircher den Verkehr in Waldkirch regelten. «Sie kennen sich im Gegensatz zu Auswärtigen bestens aus.» Zaccari stellt klar, dass jeder Verein entscheiden könne, ob er den Verkehrsdienst nutzen will oder nicht. «Es ist ein Angebot. Sie können auch einen bestehenden Anbieter beauftragen.» Die Rückmeldungen der einzelnen Vereinspräsidenten seien aber positiv. «Es kommt gut an, dass die Vereine und Organisationen sich einbringen können. Bei einem externen Anbieter ginge das nicht.»

Nicht nur Gossau übernimmt die Kosten

In Gossau trägt die Stadt seit einem Jahr den Aufwand für den Verkehrsdienst bei grösseren Veranstaltungen örtlicher Vereine oder gemeinnützigen Organisationen. Sie rechnete damals mit jährlichen Kosten von 15000 Franken. Auch in Muolen trägt die Gemeinde die Kosten von 1000 Franken für den Verkehrsdienst. Dort regeln seit Sommer die Verkehrskadetten St.Gallen den Verkehr. Häggenschwil hat den Verkehrsdienst bei Vereinsanlässen ebenfalls neu organisiert. Ab Januar werden ausgebildete Personen der Feuerwehr Wittenbach-Häggenschwil eingesetzt. Auch hier trägt die Gemeinde die Kosten.