Panzerotti bleiben den Gossauern erhalten

Jeden Freitagabend verkauft die Familie Scheiwiller Panzerotti in Gossau. Sie beerben damit ein italienisches Ehepaar, das wieder zurück in seine Heimat gezogen ist.

Fabian Egger
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Familie Scheiwiller aus Gossau verkauft jeweils am Freitagabend Panzerotti vor ihrem Haus. (Bild: PD)

Familie Scheiwiller aus Gossau verkauft jeweils am Freitagabend Panzerotti vor ihrem Haus. (Bild: PD)

Wer an einem Freitagabend in die Kirchstrasse in Gossau einbiegt, dem schlägt sofort Fritteusen-Geruch entgegen. Die wartenden Kunden drängen sich gerade unter den Pavillon, um sich vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Gegenüber von ihnen stehen die beiden Schwestern Bettina Binks und Deborah Scheiwiller und verkaufen Panzerotti. Normalerweise werden die beiden von ihrer Mutter Rosmarie unterstützt, doch diese geniesst einen freien Abend.

Panzerotti bei jedem Wetter

Unabhängig von Wetter und Jahreszeit verkauft die Familie Scheiwiller seit Mai jeden Freitag ab 17 Uhr frisch zubereitete Panzerotti. Der Stand ist jeweils während rund dreieinhalb Stunden geöffnet. Bisher sind sie ziemlich zufrieden wie das Geschäft angelaufen ist. «Der grosse Ansturm blieb noch aus, aber langsam spricht sich herum, dass wir hier einen Stand eröffnet haben», sagt Bettina Binks. Der Stand soll aber nicht nur vor der eigenen Haustüre im Einsatz sein. Bei speziellen Anlässen, wie dem Strassenfest vom kommenden Wochenende, wollen die Scheiwillers ebenfalls Panzerotti verkaufen.

Speise für arme Leute

Panzerotti sind mit einem Tomaten-Mozarella-Gemisch gefüllte Brotteige. Optisch erinnern sie stark an Calzone. «Der wesentliche Unterschied ist, dass Panzerotti nicht gebacken, sondern frittiert werden», erklärt Bettina Binks. Das Gericht ist vor allem in Süditalien verbreitet und entstammt der sogenannten «Küche der Armen», da es nur Zutaten benötigt, die in jedem italienischen Haushalt zu finden sind.

Die Füllung kann auch ergänzt werden. Beispielsweise mit Schinken oder Oliven. Das bietet die Familie Scheiwiller an ihrem Stand aber nicht an. Dafür gibt es eine Dessert-Variante mit einer Schokoladen-Füllung.

Ein Panzerotti-Stand ist in Gossau nichts Ungewöhnliches. Bis vor einigen Monaten führte das Ehepaar Donnaloia einen solchen an der St. Gallerstrasse. Als sie aber beschlossen wieder nach Italien zurückzuziehen, erklärten sie sich bereit, den Stand und das Rezept für die italienische Spezialität an ihre langjährigen Nachbarn und Freunde, die Familie Scheiwiller, weiterzugeben. «Die Freundschaft zwischen unseren Familien besteht auch nach dem Wegzug der Donnaloias weiter», sagt Deborah Scheiwiller. Ganz aus Gossau verabschiedet haben sich Vito und Gret Donnaloia sowieso nicht. «Obwohl sie jetzt ganz im Süden Italiens leben, kehren sie jeweils für den Maimarkt und den ‹Chläusler› zurück und bereiten die Panzerotti wieder selber zu», so Scheiwiller.