PANDEMIE
Die Corona-Sommerwelle ist da: Wo man sich in St.Gallen noch testen und impfen lassen kann

Die Hotline ist noch in Betrieb, das Testcenter an der Langgasse ebenfalls, Hausärzte verzeichnen gerade wieder mehr positive Coronafälle. Und dann ist da noch das Impfzentrum im Westen der Stadt, in dem man wohl nie mehr Schlange stehen muss.

Diana Hagmann-Bula
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Das St.Galler Impfzentrum im Westcenter ist noch in Betrieb, aber nur noch an zwei Tagen pro Woche.

Das St.Galler Impfzentrum im Westcenter ist noch in Betrieb, aber nur noch an zwei Tagen pro Woche.

Bild: Ralph Ribi

Kaum mehr Masken sind zu sehen, dafür Umarmungen zur Begrüssung wie früher. Wieder Händeschütteln, kein Sicherheitsabstand mehr zwischen den Badetüchern im Schwimmbad, viele und gut besuchte Feste, leere Desinfektionsmittelspender, weniger Homeoffice, mehr Büro. Ein Leben, als gäbe es kein Corona mehr.

Dabei ist die neue Welle da. Die Sommerwelle. Die Fallzahlen steigen wieder, gemäss Bundesamt für Gesundheit innert Wochenfrist um 50 Prozent. Die Hospitalisierungen nehmen zu, die Todesfälle auch. Schuld dafür sind die neuen Mutationen BA.4 und BA.5. Tanja Stadler, Chefin der ehemaligen Corona-Taskforce, geht davon aus, dass sich in dieser Welle rund 15 Prozent der Bevölkerung infizieren, wie «Blick» berichtete. Das bedeutet: über eine Million infizierter Menschen in der Schweiz. Überfüllte Spitäler befürchtet sie nicht, mit Blick nach Südafrika und Portugal, welche die Welle bald hinter sich haben.

Corona ist da, nur prägt das Virus unser Leben gerade viel weniger als in den Wellen zuvor. In den Wellen, als unzählige Pop-up-Testcenter eröffneten, auch auf Restaurantterrassen im Osten der Stadt. Als Badi und Impfzentrum plötzlich nebeneinander lagen, ein Teil eines Einkaufs- zum Pikszentrum wurde. Wie steht es um diese Infrastruktur? Besteht sie noch? Wo kann man sich noch testen, wo noch impfen oder boostern lassen, wenn die Einreise ins Ferienland nur dann erlaubt ist? Und besteht die Corona-Beratungsstelle der Stadt noch? Bei ihr konnten sich Privatpersonen melden, die wegen der Pandemie in eine wirtschaftliche Misere abrutschten.

«Absolut keine Nachfrage»

Rolf Stillhart, Mitarbeiter der städtischen AHV-Zweigstelle, nimmt den Anruf entgegen. Die Infoline sei nur noch ein paar Tage in Betrieb, bis Ende Juni. Der Kanton habe so entschieden. Es besteht absolut keine Nachfrage mehr. «Warum sollte man die Infoline also am Leben erhalten?»

Anruf bei der Coronahotline des Kantons. «Diese Nummer ist ungültig», heisst es. Nur ein Vertipper. Beim zweiten Mal nimmt eine Frau mit freundlicher Stimme ab. Ist sie stark beschäftigt? «Es zieht wieder etwas an. Aber nicht vergleichbar wie zu Spitzenzeiten», sagt sie. Die meisten Fragen würden das Impfen betreffen. Das Impfzentrum im Westcenter, es bestehe noch immer. Geöffnet ist es aber nur noch an zwei Tagen pro Woche, mittwochs von 12 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr. Man könne sich online anmelden oder einfach vorbeigehen, so die Frau von der Coronahotline.

«Sie werden nicht mehr eine Stunde lang anstehen müssen, wie früher.»

Test für in die Ferien

Und wo sich testen lassen? Ein Blick auf die Coronawebsite des Kantons zeigt: In einigen St.Galler Apotheken ist das möglich. Eine von ihnen ist die Bruggen-Apotheke. «Wir testen nur noch nachmittags. Aber wer weiss, was in den nächsten Wochen kommt», sagt Inhaber und Apotheker Matthias Kramer. Er testet symptomatische Menschen, aber auch auf Wunsch, vor einer Ferienreise etwa. «Die Anzahl dieser Kunden nimmt gerade zu.» Während des Open-Airs St.Gallen führt Kramer im Sittertobel eine kleine Apotheke. Sein Team gibt dann etwa Schmerzmittel gegen Kopf- oder Bauchschmerzen ab. «Für diese Zeit setzen wir die Tests für Reisende in unserem Geschäft aus. Wir können nicht überall gleichzeitig sein», sagt er.

Kramer geht davon aus, dass ihm die Sommerwelle «leider noch einmal mehr Corona-Arbeit» bescheren wird. «Zum Glück ist die Krankheitslast nicht sehr hoch bei dieser Variante.» Überrascht hat sie ihn dennoch. Damit, dass sie noch rasanter von Mensch zu Mensch übergeht.

«Ich habe erst im Herbst mit der nächsten Welle gerechnet.»

Impft er Kundinnen und Kunden auch? Wegen tiefer Nachfrage momentan nicht. «Es ist besser, die wenigen Impfwilligen kommen in einem Impfzentrum zusammen. Ich möchte nicht ein Impfstoff-Vial mit 20 Dosen nur für einen Interessenten anbrechen», sagt Kramer.

Die Hälfte der Tests ist positiv

Auch die Apotheke an der Langgasse testet nach wie vor. Von Montag bis Samstag, jeweils 9 bis 13 Uhr. Bis zu 40 Personen auf einmal sind hier in früheren Wellen Schlange gestanden, bis zu 200 Personen täglich liessen sich testen. «Nun sind es manchmal drei Menschen pro Tag, manchmal zehn Personen», sagt Inhaberin und Apothekerin Aida Mustafic. Die Sommerwelle mache sich langsam bemerkbar. «Bei mehr als der Hälfte der Menschen mit Symptomen ist das Ergebnis positiv.» Doppelte Maske, doppelte Handschuhe, darauf verzichtet sie nun, «bei diesen schwächeren Virusvarianten». Mustafic bietet neben Tests die Impfung an. Die Nachfrage steige gerade wieder. «Auf die Ferien- und Reisezeit hin lassen sich wieder einige Menschen boostern. Auch Neuimpfungen verzeichnen wir einige wenige», sagt sie. Die Apothekerin versucht, die Termine zu koordinieren.

«In einer Ampulle steckt schliesslich Material für zehn Impfungen. Ich mag es nicht wegschmeissen.»

Bitte Einzeldosen wie bei der Grippeimpfung

Zehn Menschen «für einen Impftermin zu akquirieren», sei in seiner Praxis zurzeit nicht möglich, sagt der St.Galler Hausarzt Martin Date. Er ist Vorstandsmitglied des Stadtärztevereins St.Gallen. Impfen sei kaum noch ein Thema, ein vierter Booster in der Schweiz aktuell nur für Höchstrisikopatienten empfohlen. «Es wäre praktisch, Einzeldosen wie bei der Grippeimpfung zu erhalten», sagt Date.

Täglich empfängt er in seiner Hausarztpraxis Patienten mit Erkältungen. Seit Beginn der Pandemie lässt Date sie testen, teils mit PCR-Test, teils mit Antigen-Test. «Gegenüber dem Vormonat hat die Anzahl Tests wieder zugenommen, ebenfalls die positiven Resultate.» Ende Mai veranlasste Date etwa vier Tests pro Woche, vergangene Woche bereits zehn. 50 Prozent der Tests fallen momentan positiv aus, vor einem Monat waren es noch rund 10 Prozent. Im Vergleich: Im Dezember 2021 waren es zwischen 20 und 30 Tests pro Woche.

«Ich stelle eine Testmüdigkeit fest.»

Viele Menschen würden sich trotz Symptomen mit einem negativen Selbsttest zufriedengeben.

Corona gehört fortan einfach zum Leben

Wie viel Testerei ist überhaupt noch nötig? Frage an die St.Galler Kantonsärztin Danuta Zemp. Sie sagt:

«Wir müssen lernen, mit diesem Virus zu leben. Es wird fortan zu unserem Erkältungsleben gehören, wie ein grippaler Infekt.»

Solange kein Virus auftrete, das vermehrt zu schweren Verläufen führe, müssten nur drei Gruppen von Symptomatischen getestet werden: Personen mit schweren Verläufen, Personen mit chronischen Erkrankungen und Hospitalisierte. Wieder Massnahmen einführen? Das Umarmen und Händeschütteln wieder weglassen, im Bus wieder Maske tragen? Zemp verneint.

Hausarzt Martin Date sieht eher Handlungsbedarf. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) habe ihren Mitgliedern am Donnerstag empfohlen, wieder eine Maske zu tragen in der Praxis. «Aus meiner Sicht sollten in Spitälern, Praxen und Heimen auch keine Hände mehr geschüttelt werden», sagt Date.

Draussen aber solle das Leben unbeschwert weitergehen, ohne Massnahmen, ohne Einschränkung. Wenn man Danuta Zemp zuhört, fällt das leicht: Wer sich jetzt immunisiere, erkranke im Herbst nicht oder nur leicht, sofern keine neuen Varianten auftreten. «Was jetzt passiert, ist nichts Schlimmes.» Schliesslich sei das Coronavirus ein Mitglied der Familie der Coronaviren, die jedes Jahr Erkältungen verursachen. Weiterfeiern also, sich weiter umarmen, den Sommer geniessen.