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Paganini plaudert aus dem Rucksäckli

Statt in einem vollen Nationalratssaal sprach Nicolo Paganini am Donnerstag in einem halbleeren Feuerwehrdepot. Über eineinhalb Sessionen, fünf Auftritte und ein beinah folgenreiches Zögern.
Noemi Heule
Nationalrat Nicolo Paganini hatte am Donnerstag ein Heimspiel: Statt in einem vollen Nationalratssaal sprach er im Feuerwehrdepot Abtwil. Bild: Michel Canonica

Nationalrat Nicolo Paganini hatte am Donnerstag ein Heimspiel: Statt in einem vollen Nationalratssaal sprach er im Feuerwehrdepot Abtwil. Bild: Michel Canonica

Der Prophet gilt im eigenen Land bekanntlich nichts. Nicht so Nicolo Paganini. Er gilt im eigenen Dorf einiges. Abtwil und ganz Gaiserwald sind stolz darauf, mit dem Neu-Nationalrat einen Vertreter nach Bundesbern entsandt zu haben. Das machte Gemeindepräsident Boris Tschirky bereits an der Bürgerversammlung deutlich. Und überreichte Paganini feierlich ein Geschichtsbuch von Gaiserwald. Schliesslich sollte er sich in Bern nicht nur um nationale Belange kümmern. Ob Bürde oder Präsent, der dicke Schunken dürfte Paganinis Rucksäckli aus dem Wahlkampf um einige Pfunde beschwert haben.

Am Donnerstag konnt Tschirky den hauseigenen Volksvertreter einmal mehr in Abtwil ­empfangen. Im Gepäck: Erste Erfahrungen aus der Bundeshauptstadt. Nur das blaue Rucksäckli, das hatte er diesmal nicht dabei. Die Anreise von Abtwil nach Abtwil hätte kürzer nicht sein können. Während der Nationalrat in seinem Heimatort ein Heimspiel gab, trat an der Wolga die Nationalelf von Kroatien gegen jene aus Argentinien an. Elf war auch die Zahl der CVPler, die den Weg ins Feuerwehrdepot gefunden hatten – plus zwei CVPlerinnen. Die WM musste prompt als Grund für diese überschaubare Zahl herhalten. Unter den Anwesenden allerdings waren bekannte Gesichter: Alt-Nationalrat Felix Walker, Neo-CVPler Richard Ammann und Immer-noch-Gemeindepräsident Boris Tschirky.

Waffen, Terror, Frauenquote

Mit einem Puls von 180 habe er zum ersten Mal im Nationalratssaal das Wort ergriffen, gestand Paganini. Am Sessionshöck fühlte sich der Olma-Direktor sichtlich wohler und sprach mit viel Gestus über seine bisher fünf Auftritte am Rednerpult. Seine Premiere als Sprecher der CVP-Fraktion zum Waffengesetz, sein zweiter Auftritt als Sprecher der Sicherheitspolitischen Kommission zum Verbot von Terrororganisationen. Oder über den «Show-Down» zwischen Bauernpräsident Markus Ritter und Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Als einziger St. Galler CVP-Nationalrat fehlte Ritter am Partei-Anlass. Nebst Paganini plauderte der Rheintaler Thomas Ammann aus dem Nähkästchen. Und korrigierte den Neuling sogleich, als dieser von «Frauenquote» sprach. Schliesslich entschied der Rat eine Woche zuvor über einen «Geschlechterrichtwert» in grossen Unternehmen.

Das Zünglein an der Waage?

Auch darüber wusste Paganini eine Episode zu erzählen: Wie er einen Moment zögerte, als das Geschäft zur Abstimmung kam. Und damit beinahe deren Verlauf geändert hätte. Eigentlich, sagte er, sei er als wirtschaftsfreundlicher CVPler nämlich kein Fan von Richtwerten. Dennoch, in Gedanken an seine Tochter, stimmte er der Vorlage zu. «Ich wusste natürlich, dass es eng werden könnte.» So eng, damit hatte allerdings niemand gerechnet. Mit 95 zu 94 wurde die Vorlage angenommen.

In punkto Aufmerksamkeit stachen die 13 Anwesenden (ihr Frauenanteil betrug übrigens 15 Prozent) auch 199 Räte aus. Kein Geläuf, kein Geräusch störte die Rede im halbleeren Feuerwehrdepot. Diese Ehre erwiesen die CVPler ihrem Paganini, dem Propheten aus den eigenen Reihen.

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