Kommentar

Der St.Galler Ortsbürgerrat überrascht

Mit Katrin Meier soll ab 2021 zum ersten Mal eine Frau die Geschicke an der Spitze der Ortsgemeinde St.Gallen leiten. Am Beispiel der als wertkonservativ geltenden Ortsbürger darf sich manches St.Galler Unternehmen gerne orientieren.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion

Bild: Ralph Ribi

Der Bürgerrat der Ortsgemeinde St.Gallen überrascht mit seinem Wahlvorschlag: Mit Katrin Meier soll ab 2021 zum ersten Mal eine Frau die Geschicke an der Spitze des Unternehmens mit 600 Mitarbeitenden und einem konsolidierten Jahresumsatz von über 50 Millionen Franken leiten. Ein Aufheben darüber macht der Bürgerrat nicht – als wäre das heute an der Tagesordnung. Das ist es aber nicht.

Die Stelle wurde nicht öffentlich ausgeschrieben, der Bürgerrat suchte selber eine neue Chefin. Das ist ein unzeitgemässes Vorgehen, das von vornherein viele mögliche Bewerberinnen und Bewerber ausschliesst. Und es ist ein Auswahlverfahren, dass der Vetternwirtschaft Vorschub leisten kann. Hand aufs Herz: Wen hätte überrascht, wenn nach Carl Scheitlin, Hansjörg Werder, Thomas Scheitlin und Arno Noger wieder ein FDP-Mann nominiert worden wäre?

Katrin Meier ist weder ein Mann noch ist sie in der FDP. Sie ist noch nicht einmal Ortsbürgerin. Am Beispiel der als wertkonservativ geltenden Ortsbürger darf sich manches St.Galler Unternehmen, das sich zwar fortschrittlich nennt, aber kaum Frauen an der Spitze hat, gerne orientieren.

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