Ortsbürgergemeinde St.Gallen: Trotz Coronakrise finanziell gut im Strumpf

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat die Coronakrise bisher gut überstanden: Das budgetierte Defizit von 350'000 Franken fürs laufende Jahr könnte zwar auf eine Million steigen, in der Ausgleichsreserve für solche Fällen liegen aber mehr als genug Mittel, um das Loch abzufedern.

Reto Voneschen
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Arno Noger, noch bis Mai 2021 Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Arno Noger, noch bis Mai 2021 Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Bild: Regina Kühne (20.5.2020)

Auch die Ortsbürgergemeinde St.Gallen erlebe «ein verrücktes Jahr», sagte Bürgerratspräsident Arno Noger am Montagabend schon in der Begrüssung zur zweiten Bürgerversammlung des Jahres. Die erste im Frühling hatte wegen der Coronakrise nicht durchgeführt werden können. Die schriftliche Abstimmung habe zwar tadellos geklappt, der Bürgerrat habe aber entschieden, die Tradition der Bürgerversammlung, die auch ein gesellschaftliches Ereignis ist, nicht vorschnell aufzugeben, sagte Noger.

Judith-Rahel Seitz neu in den Bürgerrat gewählt

Die zweite Bürgerversammlung des Jahres fand in der Olma-Halle statt. Der Befehl «Maske auf!», den der Bürgerratspräsident androhte, falls über 300 Personen in den Saal drängen würden, musste nicht gegeben werden: Zum Anlass erschienen 158 der über 8000 Bürgerinnen und Bürger. Das waren - wohl auch unter dem Eindruck der derzeitigen Situation - weniger als auch schon.

Judith-Rahel Seitz: Neu in der Exekutive der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Judith-Rahel Seitz: Neu in der Exekutive der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

Bild: PD

Traktandiert waren am Montagabend vor allem die Wahlen fürs Amtsjahr 2021 bis 2024. Alle erneut kandidierenden Amtsträger - vom Präsidenten über den Bürgerrat bis zur Geschäftsprüfungskommission (GPK) - wurden einstimmig bestätigt. Neu in den Bürgerrat, die Exekutive der Ortsbürgergemeinde, gewählt wurde Judith-Rahel Seitz.

Arno Noger gibt im Mai 2021 ab

Speziell ist die Wiederwahl von Bürgerratspräsident Arno Noger und Gallus Mayer, dem Präsidenten der GPK. Beide werden ihre Ämter nur noch bis Mai 2021 ausüben; nach der Bürgerversammlung, die das Geschäftsjahr 2020 zu beurteilen hat, geben beide ab. Als Nachfolgerin von Arno Noger an der Spitze der Ortsbürgergemeinde ist Katrin Meier vorgeschlagen. Sie wird voraussichtlich im Dezember gewählt.

Nicht mehr zur Wahl gestellt hat sich für den Bürgerrat am Montagabend Andreas Alther. Er tritt per Ende Jahr zurück. Wiedergewählt wurden Magnus Hächler, Carole Gehrer Cordey, Corina Saxer-Stacher, Erwin Selva und Beat Schedler. Für die GPK bestätigt wurden neben dem Präsidenten Jonas Weinhold, Elisabeth Stadelmann-Meier, Liliane Kobler und Reto Schneider.

Das Coronavirus hinterlässt seine Spuren in der Rechnung

Alles in allem habe die Ortsbürgergemeinde bisher die Coronakrise gut hinter sich gebracht, zog Präsident Arno Noger Bilanz zum laufenden Jahr. Bisher sei man in den Gesundheitsinstitutionen ohne einen einzigen Coronafall geblieben. Positiv wirke sich aus, dass die Ortsbürgergemeinde keine hochprofitablen Geschäftsfelder betreibe, dafür aber im operativen Geschäft auch weniger starke Schwankungen erlebe.

In den vergangenen Jahren hat die Ortsbürgergemeinde St.Gallen ihre Geriatrische Klinik grundlegend saniert und auf den neusten Stand gebracht.

In den vergangenen Jahren hat die Ortsbürgergemeinde St.Gallen ihre Geriatrische Klinik grundlegend saniert und auf den neusten Stand gebracht.

Bild: Benjamin Manser (3.4.2020)

Gleichzeitig gab Noger allerdings eine «Gewinnwarnung» ab, wie er das selber nannte: Budgetiert sind bei der Ortsbürgergemeinde St.Gallen für 2020 rote Zahlen für rund 350'000 Franken. Dieses Loch könnte per Ende Jahr auf rund eine Million Franken wachsen, warnte Noger. Wirklich schlimm ist das allerdings nicht: In der Ausgleichsreserve für Defizite liegen 95, die Reserve für den Werterhalt des Finanzvermögens umfasst 18 Millionen Franken.

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