Ortsbürger stimmen wegen Corona brieflich ab - das Geschäftsjahr 2019 verlief erfreulich

Die jährliche Versammlung der Ortsbürger kann wegen Corona nicht stattfinden. Eine Verschiebung ist nur in der Theorie möglich.

Claudia Schmid
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Das Provisorium «Minerva» führte zu mehr Kosten für die Ortsbürgergemeinde.

Das Provisorium «Minerva» führte zu mehr Kosten für die Ortsbürgergemeinde.

Bild: Urs Bucher

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen muss aufgrund des Coronavirus auf die Bürgerversammlung verzichten. Diese hätte wie gewohnt in der Kirche St.Laurenzen stattfinden sollen. Jedoch ist aufgrund der Weisungen des Bundesrates eine Durchführung nicht möglich.

Zwar wäre eine Verschiebung bis Mitte Juni gesetzlich möglich, doch der Bürgerrat hat sich für eine andere Lösung entschieden. «Die heutigen Erkenntnisse lassen befürchten, dass auch ein Termin im Juni nicht gehalten werden kann. Müsste die Versammlung erneut abgesagt werden, wäre eine Abstimmung vor den Sommerferien kaum möglich», sagt Bürgerratspräsident Arno Noger.

Arno Noger ist Bürgerratspräsident der Ortsbürgergemeine St.Gallen.

Arno Noger ist Bürgerratspräsident der Ortsbürgergemeine St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Jahresrechnung gilt als unaufschiebbares Geschäft

Auf der Traktandenliste der Versammlung, die am 27. April eine grosse Schar von Bürgerinnen und Bürgern zusammengeführt hätte, steht einzig die Jahresrechnung 2019 zur Abstimmung. Ihre Genehmigung durch die Stimmberechtigten ist ein sogenannt unaufschiebbares Geschäft. Für solche Geschäfte sieht das Gemeindegesetz eine Urnenabstimmung vor, wenn eine Bürgerversammlung nicht möglich ist.

Genau für diese Lösung hat sich nun der Bürgerrat entschieden. Da eine Stimmabgabe an der Urne wegen der Pandemie nicht erwünscht ist, kann nur brieflich abgestimmt werden. Die für die Abstimmung nötigen Informationen, etwa der Geschäftsbericht, wurden bereits verschickt. Mit separatem Versand erhalten die Stimmberechtigten nun das Gutachten mit Bericht und Antrag der Geschäftsprüfungskommission, den Stimmzettel und den Stimmrechtsausweis.

Gesunde Finanzen bereiten Freude

Laut Arno Noger blickt die Ortsbürgergemeinde St.Gallen auf ein sehr erfreuliches Geschäftsjahr 2019 zurück. «Das operative Ergebnis der Betriebe und Institutionen ist stabil und bewegt sich im positiven Bereich.» Die Vermögensanlagen hätten vom sehr erfreulichen Börsenjahr profitiert und die periodischen Neubewertungen verschiedener Liegenschaften zu markanten Aufwertungsgewinnen geführt.

Der Unternehmenserfolg beträgt 17,8 Millionen Franken. Das Ergebnis erlaubt Einlagen in die Reserven von rund 15,4 Millionen Franken und führt zu einem Unternehmenserfolg nach Reserveveränderung von rund 2,4 Millionen Franken.

Auch die Geriatrische Klinik St.Gallen präsentiert trotz der besonderen Aufwände im provisorischen Klinikgebäude Minerva ein gutes Ergebnis. Der Jahresgewinn beträgt rund 933000 Franken. Die Vorfreude auf den Bezug im Mai sei gross, sagt Noger. Die Klinik ist während zweieinhalb Jahren umfassend saniert und erweitert worden:

Blick in ein Zimmer der sanierten geriatrischen Klinik St.Gallen
37 Bilder
Blick von aussen
Hier gut erkennbar ist der neu hinzugefügte Gebäudeteil auf der linken Seite.
Es gilt ein striktes Besuchsverbot - ausser für Journalisten und Fotografen.
Arno Noger blickt zum gegenüberliegenden Kantonsspital.
Arno Noger: «Die Cafeteria mit der wahrscheinlich besten Aussicht der Stadt.»
Das Provisorium rechts und das renovierte Hauptgebäude links. Die beiden Gebäude sind mit einem Gang verbunden.
Robert Etter auf der Dachterrasse der Geriatrischen Klinik.
Letzte Arbeiten werden gemacht.
Ein Raum mit Sportgeräten, die «Turnhalle».
Das Schwimmbad samt Patientenhebelift. Aktuell ist das Bad aber wegen Corona geschlossen.
Der Röntgenraum.
Das mit Diesel betriebene Notstromaggregat im Keller der Geriatrischen Klinik.
Der Verbindungstunnel unterhalb der Rorschacher Strasse verbindet die Geriatrische Klinik mit dem Kantonsspital.
Blick in ein Patientzimmer.
Das Pyjama liegt bereit.
Bilder aus St.Gallen sind aufgehängt.
Die ersten Patientinnen und Patienten sind bereits eingezogen.
Die Fenster lassen sich öffnen, verfügen aber über Lamellen. Diese sind eine Absturzsicherung einerseits, dämpfen andererseits aber auch den Lärm von aussen (im Bild sind die Lamellen auf der linken Seite zu erkennen).
Noch ist die Informationstafel leer.
Im Coiffeursalon. Dieser darf aktuell nicht betrieben werden.
Die neue Zahnarztpraxis.
Auch über einen Aufbahrungsraum verfügt die Geriatrische Klinik.
Aussenfassade mit der grossen Fensterfront.

Blick in ein Zimmer der sanierten geriatrischen Klinik St.Gallen

Bilder: Benjamin Manser

Im Geschäftsjahr 2019 seien wichtige Entwicklungsschritte abgeschlossen worden. Als politisch bedeutendstes Projekt nennt Noger den Liegenschaftentausch zwischen der Ortsbürgergemeinde und der Politischen Gemeinde St.Gallen. Von Bedeutung seien aber auch Investitionen in den Unterhalt der über 70 vermieteten Wohnungen und Geschäftsräume, der landwirtschaftlichen Gebäude und der Waldstrassen. Eine Ergänzung des Forstwerkhofs ob St.Georgen ist nun in Betrieb.

Vorangetrieben wurde zudem der Bau von drei Häusern mit je vier Wohnungen an der Steingrüeblistrasse. Die Wohnungen sind bereits zur Vermietung ausgeschrieben und ab August 2020 bezugsbereit.