Serben in der Ostschweiz: Orthodoxe feiern in Rorschach Heiligabend mit hohen Geistlichen

Die Weihnachtsfeier der Serbisch-Orthodoxen Kirchgemeinde in der Rorschacher Herz-Jesu-Kirche zieht im Januar um die 3000 Gläubigen aus der Ostschweiz an. Dieses Jahr sind besondere Gäste eingeladen.

Jolanda Riedener
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Pfarrer Brane Saric leitet den Gottesdienst am Sonntag, 6. Januar, in Rorschach. (Bild: PD/Denis Dragojlovic)

Pfarrer Brane Saric leitet den Gottesdienst am Sonntag, 6. Januar, in Rorschach. (Bild: PD/Denis Dragojlovic)

Rund 16000 Serben wohnen in der Ostschweiz. Sie feiern am Sonntag, 6. Januar, Heiligabend. Viele von ihnen besuchen dann die Weihnachtsfeier der Serbisch-Orthodoxen Kirchgemeinde in Rorschach. Der Gottesdienst findet jedes Jahr in der Herz-Jesu-Kirche statt. «Es ist jeweils wie ein Familientreffen. Alle kommen zusammen und feiern», sagt Pfarrer Brane Saric. Er ist verantwortlich für die Serbisch-Orthodoxen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Glarus, Graubünden, Appenzell sowie dem Fürstentum Lichtenstein und leitet den Vespergottesdienst an Heiligabend in Rorschach.

HEILIGABEND: Weihnachten auf Serbisch

Als serbisch-orthodoxe Christen feiern die Nedics aus Goldach erst am 7. Januar Weihnachten. Mit traditionellen Speisen und Bräuchen stimmt sich die Familie auf den Festtag ein – und versucht so, in ihrer neuen Heimat ein Stück ihrer Kultur zu erhalten.
Alexandra Pavlovic

Da der 6. Januar heuer auf einen Sonntag falle, rechnet Saric mit besonders vielen Besuchern. Neben der Datumskonstellation erwartet der Pfarrer aber auch mehr Gläubige wegen eines besonderen Gastes: Andrej Ćilerdžić wird an der Feier teilnehmen. Er ist Bischof der serbisch-orthodoxen Diözese Österreich-Schweiz-Italien. «Es ist das erste Mal, dass der Bischof zur Feier nach Rorschach kommt», sagt Saric. Folglich habe man noch andere besondere Gäste eingeladen. So erscheine zum Beispiel Markus Büchel, der elfte Bischof des Bistums St. Gallen oder Heinz Fäh, Vizepräsident des Kirchenrates der Evangelisch-refomierten Kirche des Kantons St. Gallen.

Regierungsrat kommt wegen des Bischofs aus Wien

Neben Geistlicher der Landeskirchen sind auch Vertreter aus der Politik zu Gast: Dies sind etwa der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti und der Stadtparlamentarier Gallus Hufenus.

Pfarrer Saric leitet den Gottesdienst, der um 19 Uhr beginnt und ungefähr eine Stunde dauert. Bischof Andrej aus Wien wird sich währenddessen in einer Rede auf Deutsch an die Glaubensgemeinschaft richten. Bereits einige Stunden vor dem Gottesdienst werden Gläubige erfahrungsgemäss die Kirche besuchen, um Kerzen anzuzünden oder Bekannte zu treffen. Anschliessend treten fünf serbische Folkloregruppen auf und die Besucher stossen im Freien mit Glühwein an.

Auf dem Kirchenvorplatz werden Stände aufgestellt, wo Ikonen, Kreuze oder Weihrauch verkauft werden. Es ist ausserdem Tradition, im Freien Buchenholz zu verbrennen. Die Besucher stehen dann am Feuer und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Das Wetter ist deshalb gemäss Pfarrer Saric auch ein entscheidender Faktor, wie viele Gläubige schliesslich nach Rorschach kommen werden.

Eine Kirche platzt aus allen Nähten

Obwohl bis zu 3000 Gläubige erwartet werden, bietet die Kirche gerade einmal Platz für 500 bis 600 Personen. Alle anderen feiern im Freien oder kommen vor und nach dem Gottesdienst, um Kerzen anzuzünden und Stille zu finden. Am Montag, 7. Januar, feiern die serbisch-orthodoxen Gläubigen dann das Weihnachtsfest mit ihren Familien. Dann finden weitere Gottesdienste in der Ostschweiz statt. Zum Beispiel morgens um 9 Uhr in der Serbisch-Orthodoxen Kirche an der Langgasse in St. Gallen.