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St.Galler Opernsängerin auf Abwegen

Tatjana Schneider gehört zum Ensemble am Theater St.Gallen. Für die Russin gehören Opern aber nicht nur ins Theater: Sie will jedermann dafür begeistern. Deshalb singt sie an einem ungewöhnlichen Ort.
Sandro Büchler
Neben ihrem Engagement am Stadttheater widmet sich Tatjana Schneider eigenen Projekten. (Bild: Urs Bucher)

Neben ihrem Engagement am Stadttheater widmet sich Tatjana Schneider eigenen Projekten. (Bild: Urs Bucher)

Tatjana Schneider hebt ihre Stimme an, singt einen Ausschnitt aus der Oper «La Sonnambula». Ihre Stimme füllt den Raum, die Luft beginnt zu vibrieren. Just als sie die höchsten Töne erklimmt, klingelt Schneiders Handy. Der Klang ebbt ab und hallt nach.

«Die Akustik hier ist toll, ein Traum für jede Sängerin», sagt Schneider. Hier, das ist in diesem Fall in der Offenen Kirche in St. Gallen. Die 31-Jährige mag den Raum: «Hier gibt es eine eigene Atmosphäre, etwas Mystisches.» Zum ersten Mal war die Opernsängerin, die seit rund drei Jahren zum Ensemble des Theaters St. Gallen gehört, bei einer Weihnachtsfeier in der Offenen Kirche. Auf Anhieb habe ihr der Klang im Inneren zugesagt. «Wenn ich einen Raum betrete, prüfe ich immer gleich die Akustik», sagt die Russin. Und fügt an: «Das ist so eine Angewohnheit von uns Sängerinnen und Sängern.»

Schneider ist in Omsk geboren und aufgewachsen – 5000 Kilometer von St.Gallen entfernt. Sie sagt:

«Dort, in Sibirien, sinkt das Thermometer in dieser Jahreszeit bis auf minus 45 Grad.»

Schneider studierte Gesang an der Universität der Künste in Omsk, später zog es sie nach Berlin an die Musikhochschule.

«Oper für alle Schichten öffnen»

Kurz nach der ersten Begegnung mit der Offenen Kirche keimte in Schneider der Wunsch auf, dort eine Operngala zu veranstalten. Theodor Pindl, der Intendant der Kirche, ist Feuer und Flamme für den Vorschlag. «Er ist selbst Opernfan und hat sofort begeistert zugesagt», sagt Schneider.

Für die Sängerin ist die Kirche ein Glücksfall. Denn sie will dem gängigen Ruf der Oper, die nur einem gut betuchten Publikum vorenthalten sei, entgegentreten. Schneider möchte auch weniger Vermögende für klassische Musik begeistern: «Ich wohne im Lachen-Quartier. Da gibt es viele Leute, die noch nie mit einer Oper in Berührung gekommen sind.» Ihnen möchte sie das Genre näherbringen. «Alle sollen sich hier in der Offenen Kirche treffen, das ist die Idee», sagt Schneider. Eine Oper ohne Grenzen, wie sie es selbst formuliert. Der erste Schritt dazu wird die erstmalig durchgeführte Operngala am 24. Februar sein. Der Eintrittspreis sei mit 20 Franken bewusst niedrig gewählt. «Mein Ziel wäre es aber, dass allfällige Fortsetzungen kostenlos werden», sagt die Sopranistin.

«Eine Oper in einer Kirche vermittelt zudem einfach ein ganz anderes Gefühl als in einem Theater.» Die beiden Orte könne man ihrer Meinung nach auch nicht vergleichen. «Im Theater muss ich viel mehr Power geben, singe kräftiger, um mit dem Orchester gleichzuziehen.» In der Kirche wird sie lediglich von einem Klavier begleitet. Dadurch sei sie entspannter, so Schneider.

Wodka ist bei Schneider Tabu

Was sagt das Theater St.Gallen, ihr Arbeitgeber, zur Nebenbeschäftigung? «Solche Ausflüge sind normal für uns Solisten. In unserer freien Zeit können wir uns eigenen Projekten widmen», sagt Schneider. Solange es die regulären Vorstellungen und Proben nicht tangiere, sei dies kein Problem. Sie bringt alles unter einen Hut: Momentan steckt die Sängerin auch mitten in den Proben zu «L’elisir d’amore», eine Oper, die im März am Theater St.Gallen Premiere feiern wird.

Schneider schätzt es, dass sie die Stücke für ihr Soloprojekt frei wählen könne. So stehen russische Werke, italienische Arien und österreichische Operetten auf dem Programm. «Ein Repertoire, das ich schon mein ganzes Leben singe», sagt Schneider. Werke, die sie in ihrer Ausbildungszeit stets begleitet hätten.

Doch obwohl sie die Stücke auswendig könne, einfach so aus dem Ärmel schütteln liessen sich diese nicht. Rund drei Monate hat Schneider mit einem befreundeten Pianisten und einem zweiten Sänger geprobt. «Die Vorbereitung ist wichtig. Man muss zudem gut schlafen, reichhaltig frühstücken, viel trinken, aber keinen Alkohol.» Schnaps trinke sie keinen. Dies führe öfters zu spassigen Bemerkungen von Kollegen, sagt sie lachend: «Die Russin, die keinen Wodka trinkt.»

Die Operngala in der Offenen Kirche St. Gallen findet am Sonntag, 24. Februar, 18 Uhr, statt.

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