Open Data
Hacker hecken Ideen zur Mobilität aus: Das war der erste Hackathon der Stadt St.Gallen

Rund 45 Hackerinnen und Hacker haben von Freitag bis Sonntag Problemstellungen rund um Mobilität und Nachhaltigkeit in der Stadt St.Gallen bearbeitet. Das Ergebnis: 16 Projekte, darunter eine Plattform zur Wohnungssuche und ein Werkzeug zur Analyse von Pendlerströmen.

Marlen Hämmerli
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Nicola Wullschleger (links) von der Stadt und Tim Büchi, ein Teilnehmer des Hackathons. Mit dem Anlass möchte die Stadt St.Gallen ihr Open-Data-Portal bekannter machen.

Nicola Wullschleger (links) von der Stadt und Tim Büchi, ein Teilnehmer des Hackathons. Mit dem Anlass möchte die Stadt St.Gallen ihr Open-Data-Portal bekannter machen.

Bild: Marlen Hämmerli

Freitagabend, 18.30 Uhr. Vor dem ehemaligen Postgebäude an der St.Leonhard-Strasse 45 steht etwas ratlos ein Mann. Nein, er wolle nicht zum Hackathon, sagt er und der Blick verrät, so ganz versteht er dieses Wort nicht. Er wolle zum Lesezirkel von Benevol.

Christian Geiger, Chief Digital Officer der Stadt St.Gallen.

Christian Geiger, Chief Digital Officer der Stadt St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser (12. Oktober 2018)

Drinnen, im Erdgeschoss, ist der Co-Working-Space Leo & Co eingerichtet. An einem Tisch sitzen drei Männer, gebeugt über ihre Laptops, ausgerüstet mit Headsets. Nicola Wullschleger, städtischer Mitarbeiter Open Government Data und Christian Geiger, Chief Digital Officer der Stadt, haben den Hackathon mit der Fachhochschule Ost und dem Verein IT-rockt organisiert – den ersten überhaupt. Das Thema: Mobilität und Nachhaltigkeit. Die Eckdaten: sieben Problemstellungen, 16 Teams, 36 Stunden, Preise für insgesamt 4000 Franken.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus verschiedenen Teilen der Schweiz

An einem Hackathon – eine Wortkreation aus Hack und Marathon – gilt es, innert der vorgegebenen Zeit, Software-Lösungen für vorgegebene Probleme zu finden. Das ist auch das Ziel der rund 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am städtischen Hackathon. In der Stadt St.Gallen, aber auch in Uzwil, Rapperswil oder Bern sitzen sogenannte Hackerinnen und Hacker an ihren Computern. Aus Würzburg hat sich jemand zugeschaltet, um von St.Gallen zu lernen. Die deutsche Stadt benutzt dasselbe Open-Data-Portal und plant für 2022 ebenfalls einen Hackathon.

Einige der Aufgaben: Sichere Schulwege identifizieren, die ÖV-Korridore in der Stadt visualisieren oder den Zusammenhang zwischen Mietpreisen und Wohnqualität aufzeigen. Ihre Grundlage: sogenannte Open Data (zu Deutsch «offene Daten»), welche die Stadt auf ihrem Open-Data-Portal zu Verfügung stellt.

Darauf ist etwa die Live-Auslastung der Parkhäuser abrufbar oder die Fussgängerfrequenzen an der Vadianstrasse. Mit dem Hackathon verfolgen Geiger und sein Team drei Ziele: das Portal und die darauf verfügbaren Daten bekannter machen, die Effekte aufzeigen, der aus frei verfügbare Daten generiert werden kann und weitere Anfragen für Datensätze generieren.

Christian Geiger (rechts), Chief Digital Officer der Stadt St.Gallen, und Simon Kogler, Teilnehmer des Hackathon.

Christian Geiger (rechts), Chief Digital Officer der Stadt St.Gallen, und Simon Kogler, Teilnehmer des Hackathon.

Bild: Marlen Hämmerli

Wo lohnt sich eine Verhaltensänderung?

Simon Kogler, Tim Büchi und Maurus Gubser betreiben gemeinsam die Originate GmbH und nehmen jetzt gemeinsam am Hackathon teil. Das Trio kennt sich unter anderem in Machine Learning aus, Programmieren, Anlagenbau oder auch Statistik. Nun sitzen sie im Leo & Co in einer Besprechungsnische und beraten, welcher Problemstellung sie sich annehmen sollen.

Tim Elsener, Kevin Kempf und Noah Fleischmann, drei Informatikstudenten aus Rapperswil, haben sich schon entschieden. Aufgrund der offenen Daten analysieren sie, wo Menschen durch eine Verhaltensänderung nachhaltiger werden können. Mit einem Belohnungssystem wollen sie die Änderung erreichen.

Die drei Informatikstudenten sind extra von Rapperswil angereist, um am Samstag in St.Gallen vor Ort programmieren zu können.

Die drei Informatikstudenten sind extra von Rapperswil angereist, um am Samstag in St.Gallen vor Ort programmieren zu können.

Bild: Marlen Hämmerli

Am Samstagnachmittag haben sich beide Gruppen im Co-Working-Space eingefunden und arbeiten an benachbarten Pultgruppen. Nach rund sieben Stunden hat Simon Kogler ein Programm geschrieben, dass ÖV-Daten umrechnet. Denn das Team Originate hat sich für die Problemstellung der ÖV-Korridore entschieden. Am Ende wird das Team einen der acht Preise gewinnen.

Am Ende gelingt es den drei St.Gallern, aufzuzeigen, welche Strecken wie stark ausgelastet sind. Insgesamt sind 16 Projekte eingegangen. Darunter eine Plattform für die Wohnungssuche, auf der man weitere Kriterien wie etwa die Distanz zum nächsten Bahnhof oder zur Uni eingeben kann, oder ein Tool zur Identifizierung von geeigneten Kandelabern für E-Fahrzeug-Ladestationen. Das Ziel ist es nun, alle Projekte in einer Form weiterzutreiben. Vielleicht wirken deshalb am Schluss alle zufrieden mit dem Ergebnis – auch wenn es ein Wochenende war voller Arbeit und wenig Schlaf.

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