Onlinegame
Zwei St.Gallerinnen entwerfen Onlinegame gegen Sex-Tabus: Jetzt ist das Crowdfunding lanciert

Nina Boschetti und Estelle Müller haben im Rahmen eines Preisausschreibens ein Onlinegame entworfen. Damit wollen sie junge Mädchen anregen, über ihre Sexualität zu sprechen. Jetzt soll das Game programmiert werden.

Marlen Hämmerli
Merken
Drucken
Teilen
Die Kommunikationsdesignerinnen Nina Boschetti (links) und Estelle Müller. Mit der Idee für das Onlinegame «No Shame in the Game» gewannen sie einen internationalen Award.

Die Kommunikationsdesignerinnen Nina Boschetti (links) und Estelle Müller. Mit der Idee für das Onlinegame «No Shame in the Game» gewannen sie einen internationalen Award.

Bild: PD

Eine Auszeichnung hat das Onlinegame schon erhalten, dabei fehlt die Umsetzung noch. Estelle Müller und Nina Boschetti haben «No Shame in the Game» kreiert. Das Spiel soll Mädchen und junge Frauen dazu anregen, über ihre Sexualität zu sprechen. Mit der Projektarbeit gewannen sie vergangenen Sommer einen internationalen Designpreis.

Für den Award schreiben Unternehmen Aufgabenstellungen aus. Jene von Müller und Boschetti lautete «Thematisiere die weibliche Lust und das sexuelle Wohlbefinden». Die St.Gallerinen entwarfen daraufhin ein Fragespiel. Da heisst es dann zum Beispiel: «Was ist Zervixschleim?» oder «Wie oft masturbierst du?» Die Auftraggeber setzten es aber nicht um. Das nehmen die Kommunikationsdesignerinnen jetzt selbst in die Hand. Sie haben ein Crowdfunding lanciert. 12'000 Franken benötigen sie, um das Spiel umsetzen zu können.

6780 Franken sind schon zusammen

10 Tage nach dem Start sind schon über 6780 Franken zusammengekommen, also 56 Prozent des Zielbetrags. Müller sagt: «Das ist schon sehr gut.» Bis jetzt kennen sie die meisten Spenderinnen und Spender noch. Das soll sich ändern, ein grösserer Spenderkreis ist nötig.

Dafür haben sich die 27-Jährigen an die Öffentlichkeit gewandt und auch an Schulen. Das Spiel soll Tabus um die weibliche Sexualität brechen. Viele Mädchen würden oft nicht genug über ihre Lust aufgeklärt, weder in der Schule noch in der Gesellschaft. Warum also nicht dort ansetzen, wo es am einfachsten ist?

Das Spiel sei für Schulen geeignet, sagen beide. Es enthält neben persönlichen und Ja-Nein-Fragen auch Wissens- und Definitionsfragen, die geschlechtsneutral sind. Müller und Boschetti hoffen, dass sich einige Schulen am Crowdfunding beteiligen. Bei einer Spende von 200 Franken erhält man drei Ausgaben des Spiels in Form gedruckter Karten. Boschetti sagt: «Die könnten Lehrpersonen im Unterricht nutzen.»

Budget ist knapp bemessen

12'000 Franken sei wenig, sagt Estelle Müller. Sie selbst verdienen am Spiel nichts. Ein befreundeter Programmierer, der ihnen hilft, erhält einen kleinen Betrag.

Und warum kümmern sich die zwei nun doch um die Umsetzung? Nina Boschetti sagt: «Wir haben wieder Energie und Lust, uns daranzusetzen.» Im Sommer haben die zwei St.Gallerinnen den Lehrgang Visuelle Gestaltung an der Schule für Gestaltung abgeschlossen. Boschetti arbeitet für die Agentur TKF, Müller ist bei Echt angestellt. In der Zeit wurden beide immer wieder auf «No Shame in the Game» angesprochen. Wo man es spielen könne? Wann es realisiert werde?

Bisher existiert das Game nur als Entwurf.

Bisher existiert das Game nur als Entwurf.

Bild: PD

Kommen die 12'000 Franken zusammen, wollen Müller und Boschetti das Spiel bis zu den Herbstferien umsetzen. Was, wenn sie nicht die gesamte Summe sammeln können? «Je nachdem, wie knapp es ist, stocken wir den Rest selbst noch auf», sagt Boschetti. Klappt es gar nicht, werden sich Müller und Boschetti überlegen, Sponsoren zu suchen. So leicht lassen sie sich nicht unterkriegen.

www.crowdify.net/no-shame-in-the-game